Von Kakerlakenmilch bis zu vergrabenen Unterhosen: Das sind die Ig-Nobelpreise 2026
Von Kakerlakenmilch bis zu vergrabenen Unterhosen: Die Ig-Nobelpreise 2026 zeigen einmal mehr, dass Wissenschaft vor kaum einer Frage zurückschreckt.
Die zehn Preise im Überblick:
Biomechanik: Genaue Definition des Küssens
Was genau ist eigentlich ein Kuss? Mit dieser Frage beschäftigten sich britische und US-amerikanische Forschende. Für ihre präzisere Definition des Küssens erhielten sie den Ig-Nobelpreis für Biomechanik: «Nicht-aggressive Interaktionen mit gezieltem Mund-zu-Mund-Kontakt innerhalb derselben Art, bei denen eine gewisse Bewegung der Lippen bzw. Mundwerkzeuge stattfindet und keine Nahrung übertragen wird.» So lässt sich Küssen auch bei verschiedenen Tierarten wissenschaftlich vergleichen.
Wirtschaft: Sind Menschen aus der Oberschicht unethischer?
Kann sozialer Status unser Verhalten beeinflussen? Der US-amerikanische Forscher Paul Piff und sein internationales Team erhielten dafür den Ig-Nobelpreis für Wirtschaft. Ihre Experimente zeigten unter anderem, dass Menschen aus höheren sozialen Schichten eher dazu neigten, sich zusätzliche Süssigkeiten aus einem Vorrat für Kinder zu nehmen.
Chemie: Die Energie von Kakerlakenmilch
Kakerlaken sind nicht gerade für ihre Milch bekannt. Trotzdem untersuchten Forschende aus Indien, Frankreich, Japan und den USA die Milch der lebendgebärenden Kakerlake Diploptera punctata. Für die Entdeckung, dass ihre Proteinkristalle etwa dreimal so viel Energie wie Kuhmilchproteine enthalten, erhielten sie den Ig-Nobelpreis für Chemie.
Medizin: Die Wissenschaft des Naseputzens
Auch Naseputzen lässt sich wissenschaftlich untersuchen. Der japanische Forscher Tokuji Unno untersuchte bereits 1977 die Aerodynamik dabei. Für die ungewöhnliche Studie erhielt er posthum den Ig-Nobelpreis für Medizin 2026. Untersucht wurde, wie sich Luft und Flüssigkeiten beim kräftigen Ausatmen durch die Nase bewegen.
Biologie: Was bringt eine Giftschlange zum Zubeissen?
Was genau löst bei einer Giftschlange einen Biss aus? Forschende aus Brasilien und Australien testeten dafür verschiedene Berührungen, Temperaturen und Tageszeiten. Für die Untersuchung erhielten sie den Ig-Nobelpreis für Biologie – und lieferten dabei neue Hinweise auf das Abwehrverhalten der Tiere.
Physik: Schluss mit dem Spritzen am Pissoir
Wie verhindert man, dass ein Pissoir zurückspritzt? Dieser Frage widmeten sich Forschende aus Kanada, den USA, China und Saudi-Arabien. Für ihre theoretischen und experimentellen Versuche zur Entwicklung eines spritzfreien Urinals erhielten sie den Ig-Nobelpreis für Physik.
Technologie: Eine Mücke als 3D-Drucker-Düse
Was kann man mit einem Mückenrüssel anfangen? Offenbar 3D-drucken. Forschende aus China, Kanada, den USA und Ägypten entwickelten die Methode «Necroprinting» und erhielten dafür den Ig-Nobelpreis für Technologie. Dabei dient der feine Rüssel toter Mücken als hochpräzise Düse.
Olfaktion: Babyduft schlägt Teenagergeruch
Babys riechen für Eltern besonders angenehm – Teenager offenbar weniger. Forschende aus Polen, Deutschland und Schweden untersuchten diesen Unterschied und erhielten dafür den Ig-Nobelpreis für Olfaktion. Ihre Studie zeigt: Der Körpergeruch von Babys wurde deutlich positiver bewertet als der von Jugendlichen.
Frieden: Wir mögen gemeine Freunde
Ein guter Freund muss offenbar nicht nett zu allen sein. Die US-amerikanische Forscherin Jaimie Arona Krems und ihr Team erhielten für diese Erkenntnis den Ig-Nobelpreis für Frieden. Sie fanden heraus, dass Menschen Freunde schätzen, wenn diese gegenüber Personen, die man selbst nicht mag, besonders unfreundlich auftreten.
Bodenwissenschaft: Vergrabene Unterhosen
1000 identische Paar Unterhosen wurden in mehr als 25 Ländern vergraben – darunter auch in der Schweiz – und nach zwei Monaten wieder ausgegraben. Forschende aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland erhielten für das ungewöhnliche Experiment den Ig-Nobelpreis für Bodenwissenschaft. Denn je stärker die Baumwolle zerfällt, desto aktiver ist das Bodenleben. (sda)
