DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Auch die Taliban impfen – gegen Polio (und bald auch gegen Masern und Covid)

20.10.2021, 14:2020.10.2021, 15:44

Afghanistan und das benachbarte Pakistan sind die letzten Länder der Welt, in denen Polio noch endemisch grassiert.

Eine Mitarbeiterin des Polio-Programmes impft afghanische Kinder per Schluckimpfung. März 2021.
Eine Mitarbeiterin des Polio-Programmes impft afghanische Kinder per Schluckimpfung. März 2021.Bild: keystone

Nun kündigten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) an, dass die neue Taliban-Regierung eine Haus-zu-Haus-Impfkampagne gegen Polio unterstützen werde. Geimpft werden soll ab 8. November 2021 mittels einer Schluckimpfung. Eine zweite Kampagne soll im Dezember in Pakistan beginnen.

«Dank dieser Entscheidung kommen wir unserem Ziel – nämlich die Kinderlähmung weltweit auszurotten – ein grosses Stück näher», sagte Hervé Ludovic De Lys, UNICEF-Vertreter in Afghanistan. Und weiter: «Um die Kinderlähmung vollständig auszurotten, muss jedes Kind in jedem Haushalt in ganz Afghanistan geimpft werden.»

Mehr zu Polio
Poliomyelitis, oder auch Kinderlähmung, ist eine hochansteckende Viruserkrankung. Bei 0,1-1 Prozent der Infizierten können die namensgebenden Lähmungen oder sogar der Tod eintreten.

In der Schweiz gab es den letzten Polio-Fall 1989. Aber: Aufgrund der Reisebewegungen sowie Flüchtlingsbewegungen kann das Polio-Virus jederzeit erneut in die Schweiz eingeschleppt werden. Darum ist es auch weiterhin relevant, dass Kinder konsequent gegen Polio geimpft werden. Denn um das Virus langfristig zu kontrollieren, ist eine hohe Durchimpfungsrate von mindestens 85 Prozent nötig. Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, Polio auszurotten. (polio.ch)

Mehr Infos zu Polio:
Info-Seite der WHO
Info-Seite der Fachgruppe SIPS – Schweizerische Interessengemeinschaft für das Post-Polio-Syndrom

«Ausserordentliche Chance zur Ausrottung der Kinderlähmung»

Durch eine weltweite, jahrzehntelange Impfkampagne ist Polio praktisch ausgerottet worden. Doch politische Unsicherheiten, unzugängliches Gelände, Massenvertreibungen, aber auch das Misstrauen der Regierungen haben die Polio-Impfungen in Afghanistan und einigen Gebieten Pakistans bis jetzt verhindert. Eine Besonderheit der geplanten Impfkampagne ist, dass etwa 3 Millionen Kinder in bisher unzugänglichen Gebieten geimpft werden sollen.

Mitarbeiterinnen des Polio-Programmes markieren die Finger eines Mädchens, da dieses die Impfung bekommen hat. Kandahar, Afghanistan, 16. Dezember 2020.
Mitarbeiterinnen des Polio-Programmes markieren die Finger eines Mädchens, da dieses die Impfung bekommen hat. Kandahar, Afghanistan, 16. Dezember 2020.Bild: keystone

Die WHO und Unicef haben in ihren Mitteillungen darauf hingewiesen, dass in Afghanistan seit Jahresbeginn nur ein einziger Fall von Polio gemeldet worden sei – im Vorjahr waren es 56 gewesen. Dies sei eine gute Ausgangslage, um «ein signifikantes Wiederauftreten der Krankheit innerhalb des Landes zu verhindern und das Risiko einer grenzüberschreitenden und internationalen Übertragung zu mindern», schreibt Unicef.

Kehrtwende der Taliban

Seit die Taliban vor zwei Monaten wieder an die Macht gekommen sind, haben die Vereinten Nationen mit der neuen Führung Gespräche geführt, «um die gewaltigen gesundheitlichen Probleme der afghanischen Bevölkerung anzugehen», wie es in der WHO-Mitteilung heisst.

Die neue Impfkampagne ist eine regelrechte Kehrtwende der Taliban-Führer. Denn bis vor kurzem haben sie in den von ihnen kontrollierten Gebieten proklamiert, dass Impfstoffe eine Verschwörung seien, die darauf abziele, muslimische Kinder zu sterilisieren. Zudem haben die Taliban immer behauptet, das Tür-zu-Tür-Vorgehen sei ein Mittel der US-Regierung, um ihre Aktivitäten auszuspionieren.

Nun haben die Taliban der WHO versichert, dass in der Impfkampagne an vorderster Front weibliche Mitarbeitende eingespannt werden sollen. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die Impfungen u. a. in den Häusern und Wohnungen der Menschen verabreicht werden – und weiblichen Mitarbeitenden eher Zugang gewährt wird.

Im März 2021 wurden in Herat, Afghanistan, fünf Mitarbeitende des Polio-Programmes erschossen, darunter drei Frauen, und vier weitere schwer verletzt. Darum schreibt Unicef ausdrücklich, dass die Taliban-Führung bei der geplanten Impfkampagne «die Sicherheit für alle im Gesundheitswesen tätigen Personen – insbesondere auch der Frauen – im ganzen Land gewährleisten» werde.

Auch die Impfkampagnen gegen Masern und Covid-19 sollen wiederaufgenommen werden. (yam)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

So läuft die Impfkampagne in Pakistan

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fünf Tote in Wohnhaus in Brandenburg – Hintergründe unklar

Der Anruf ging am Samstag kurz vor Mittag bei der Polizei ein. Nachbarn hatten in einem Einfamilienhaus im brandenburgischen Königs Wusterhausen leblose Personen gesehen. Die Beamten fanden wenig später im Ortsteil Senzig fünf Tote - die Bewohner des Hauses, wie sich später herausstellte. Darunter waren auch drei Kinder im Alter von 4, 8 und 10 Jahren, wie die Staatsanwaltschaft Cottbus und die Polizeidirektion Süd am Nachmittag in einer gemeinsam Presseerklärung mitteilten. Die beiden Erwachsenen seien 40 Jahre alt gewesen.

Zur Story