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Stinkefinger
quelle: screenshot/youtube
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#Varoufake – was für und was gegen Jan Böhmermann spricht

Hat er, oder hat er nicht? Diese Frage bezieht sich seit gestern Abend nicht mehr darauf, ob der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis Deutschland den Stinkefinger gezeigt hat, sondern darauf, ob Satiriker Jan Böhmermann mit seinem ZDFNeo-Team Günther Jauch tatsächlich reingeleimt hat.​
18.03.2015, 22:1919.03.2015, 09:55

Die Verwirrung ist perfekt, das Internet explodiert: Seit Jan Böhmermann gestern in seiner Sendung behauptet hat, sein Team habe den Stinkefinger ins Varoufakis-Video reinmanipuliert, hat die Diskussion um den Auftritt des griechischen Finanzministers ein neues Level erreicht. Am Hashtag Varoufake kommt heute niemand vorbei.

Nicht einmal Bild, die kurz nach der Ausstrahlung von Günther Jauchs Talkshow eine Breitseite gegen den griechischen Finanzminister abgefeuert und ihn der Lüge bezichtigt hatte.

Die interessantere Frage als jene, ob Varoufakis die Deutschen beleidigt hatte oder nicht, ist mittlerweile, ob es Böhmermann tatsächlich gelungen ist, Talkmaster Günther Jauch ein manipuliertes Video aufzubinden – oder ob Böhmermanns Redaktion erst im Nachhinein auf die Idee kam, aus der Affäre ein brillantes Stück Satire zu schustern.

Was spricht für, was gegen Böhmermann? 

Im Interview mit dem «Guardian» sagt Martin Beros, der angebliche Autor des ursprünglichen Videos zwar, dass die Aufnahme aus dem Zusammenhang gerissen worden seien (was darauf hindeutet, dass der Stinkefinger echt sei), allerdings erwähnt Beros am Ende des Interviews dann auch ziemlich holprig den Namen Jan Böhmermann. Das Video wurde am Dienstag auf die Website des Guardian gestellt, als das Neon-Magazin noch kein Thema war.

Jan Böhmermanns Videocrew soll im Quellvideo einen Beweis für die Fälschung eingebaut haben, und zwar rote Frames, die ca. 1 Minute vor dem Mittelfinger auftauchen.

Böhmermann hat früher bereits andere Fernsehproduzenten eingeseift. Legendär, wie Böhermann einen gefälschten Beitrag bei TV Total reinschmuggelte.

Varoufakis gratuliert auf seinem Twitter-Account Jan Böhmermann zu seiner Fälschung und fordert von Jauch eine Entschuldigung.
Varoufakis selber verlinkt auf seinem Twitter-Account auf das Video, in dem der Mittelfinger vorkommt.

Eine Aussage von Böhmermann am Ende des Ausschnitts aus dem Neo-Magazin legt nahe, dass es doch kein Fake war: «Liebe Redaktion von Günther Jauch, Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach nur das Video aus dem Zusammenhang gerissen und 'nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen. (...) Das habt Ihr gemacht – und der Rest ist von uns.»






video: youtube/ZDF NEO

Und ist es jetzt ein Fake? Oder hat Böhmermann die Kunst des Fälschens auf ein neues Level gehoben, indem er das Fälschen gefälscht hat? Das wissen wohl nur Böhmermann und seine Vertrauten. Der Rest der Welt hat den Überblick verloren und ergeht sich in wildem Spekulieren.

Die Diskussion um die Staatsschulden Griechenlands, die Eurokrise und die Entschädigungszahlungen für NS-Verbrechen ist dabei längst in den Hintergrund gerückt. Ob Böhmermann sein Husarenstück jemals auflösen wird? Heute Abend wissen wir vielleicht mehr. Dann strahlt ZDF die vollständige Version des Neo-Magazins aus. (dwi/wst)

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