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Grossbritannien

Jason Arday: Umstrittener Ex-Cambridge-Professor tot aufgefunden

1 Woche nach Rücktritt: Umstrittener Ex-Cambridge-Professor Jason Arday tot aufgefunden

Der im Zuge eines Plagiatskandals vor kurzem zurückgetretene Cambridge-Professor Jason Arday wurde laut britischer Medienberichte tot aufgefunden.
15.08.2026, 09:4315.08.2026, 10:05

Der 41-jährige Jason Arday wurde demzufolge am Freitagnachmittag leblos in seiner Wohnung im Süden Londons aufgefunden, wie unter anderem der Telegraph berichtet. Er wurde noch am Fundort für tot erklärt.

Wie die britische Polizei gegenüber der Zeitung bekanntgab, wurde der Rettungsdienst um kurz nach 15 Uhr Ortszeit alarmiert. Die Todesursache wird derzeit untersucht, ein mögliches Fremdverschulden steht aber nicht im Fokus. «Derzeit wird sein Tod als unerwartet eingestuft, es besteht jedoch kein Verdacht auf ein Verbrechen. Der Fall wird von Beamten der Einsatzzentrale Süd der Londoner Polizei untersucht», so die Londoner Polizei gegenüber dem Guardian.

Zum Tod von Jason Arday
Jason Arday wurde am Freitag tot aufgefunden.Bild: University of Cambridge via Schweiz Heute

Jüngster Professor und kontroverse Figur

Arday war eine kontroverse Figur: Nachdem er 2023 als jüngster dunkelhäutiger Professor an der weltbekannten Universität von Cambridge den Lehrstuhl in Bildungsoziologie übernehmen und dozieren konnte, erhielt er aus akademischen Kreisen grosse Bewunderung und Anerkennung. Dies auch deshalb, weil er laut eigenen Aussagen bis zum Alter von 11 Jahren nicht sprechen konnte und daher eine intensive Sprachtherapie benötigte. Zudem sei er bis zum Alter von 18 Jahren Analphabet gewesen. Auch aufgrund dieser Lebensgeschichte wurde Arday zum Fackelträger für die Olympische Flamme der Olympischen Spiele 2012 in London ernannt.

Doch Anfang August nahm ein Plagiatsskandal um seine Doktorarbeit seinen Lauf: Ein ehemaliger, von der Universität Cambridge ausgestossener Forscher machte in einem Artikel Plagiatsvorwürfe öffentlich. Arday soll mehr als 100 Passagen seiner sechs Jahre zuvor publizierten Doktorarbeit abgeschrieben haben. Die Plagiatsvorwürfe hat Arday stets zurückgewiesen.

Ungereimtheiten im Lebenslauf

Kurze Zeit später kamen weitere Ungereimtheiten auf, diesmal in Bezug auf seinen Lebenslauf. Unter anderem der britische «Guardian», der zuvor noch ein Interview mit dem 41-Jährigen geführt hatte, recherchierte in dem Fall. Daraufhin gaben zwei Universitäten, an denen Arday als Gastprofessor gelehrt haben soll, öffentlich bekannt, dass der Mann dort nie angestellt war. Zudem musste Arday selbst einräumen, nicht wie zuvor von ihm behauptet 5 Millionen Pfund für wohltätige Zwecke gesammelt zu haben, sondern vielmehr 10'000 Pfund als Teil eines Kollektivs von 100 Leuten. Auch gewisse Vorfälle wie eine von ihm behauptete Drohung durch rechtsextreme Rassisten haben laut Recherchen des «Guardian» wohl nie stattgefunden. Zudem wurde irgendwann gar hinterfragt, ob er als Kind wirklich nicht sprechen konnte.

Arday trat schliesslich vergangene Woche nach öffentlichem und medialem Druck von seinem Posten zurück. Er kam damit mehreren Untersuchungskommissionen, unter anderem jener der Universität Cambridge, die nur wenige Stunden zuvor angekündigt wurde und die seinen akademischen Werdegang unter die Lupe nehmen sollte, zuvor.

Im Zuge seines Rücktritts äusserte Arday seine Beweggründe: «Als ich die ausserordentliche Ehre annahm, Professor für Soziologie in Cambridge zu werden, war dies zweifellos das grösste berufliche Privileg meines Lebens.» Arday erklärte, er habe sich zum Rücktritt gezwungen gesehen, da die «unerbittlichen Anschuldigungen, Spekulationen und öffentlichen Kommentare mich und meine Liebsten zutiefst belastet haben». Die Plagiatsvorwürfe hat der 41-Jährige stets zurückgewiesen.

Familie: «Desinformationskampagne war zu viel für Jason»

In einem ersten Statement äusserte sich die Familie von Jason Arday. Sie schreibt: «Seit Jason die Professur an der Universität Cambridge angenommen hatte, war er mehr als drei Jahre lang einer anhaltenden Hetzkampagne ausgesetzt, die von Personen geführt wurde, die nichts unversucht liessen, um ihn zu untergraben. Die Desinformationskampagne war zu viel für Jason, der ein sanftmütiger Mann war und immer das Beste in jedem sehen wollte.»

Auch Londons Bürgermeister, Sadiq Khan, äusserte sich bereits zum Tod Ardays. Laut «Guardian» sagte Khan: «Ich bin zutiefst bestürzt über das Schicksal der Familie und der Freunde von Jason Arday. Er war einer inakzeptablen öffentlichen Hetzkampagne und einer Welle von Beschimpfungen ausgesetzt. Ich weiss, dass viele Londoner heute Abend wütend und bestürzt sein werden.»

London Mayor Sadiq Khan, is interviewed after a walkabout through the borough of Camden in London, Thursday, July 23, 2026. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)
Britain Crime
Londons Bürgermeister Sadiq Khan.Bild: keystone

Jason Arday sei Opfer einer «bösartigen öffentlichen Blossstellung» geworden, der andere Menschen in seiner Lage einfach nicht ausgesetzt gewesen wären. «Sein Tod war eine Tragödie, aber er sollte einmal mehr ein Weckruf für uns alle sein», so Khan.

(lak/con)

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118 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Outlook
15.08.2026 00:03registriert Februar 2022
Cambridge hat Arday gehypt, Reklamationen von Studenten nicht ernst genommen und Kritiker als Rassissten abgestempelt.

Cambridge hat ihn dann fallen gelassen wie eine heisse Kartoffel und diejenigen, die ihn berufen haben, wollen jetzt ihren eigenen Kopf retten.
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Neruda
14.08.2026 22:45registriert September 2016
Dass man in solchen Situationen immer noch nicht eng begleitet wird mit Blick auf die psychische Gesundheit verstehe ich nicht.

Auch Beschiss ist nicht so schlimm, dass man dafür das Leben lässt. Aber wir Menschen sind in solchen Situationen oft nicht mehr rational und umso wichtiger ist es, diesen Menschen dann zu zeigen, dass das Leben immer noch lebenswert weitergeht.
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vanilla
14.08.2026 22:48registriert Juni 2021
Ich bedaure den Tod dieses Menschen - umso mehr wenn dies der einzige Weg aus diesem Schlamassel schien. Wieviel innerer Schmerz.
Mir tut das sehr leid.
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