International
Grossbritannien

Bericht über Partys in der Downing Street soll stark zensiert werden

Britain's Prime Minister Boris Johnson jogs in central London, early Monday, Jan. 24, 2022. (Aaron Chown/PA via AP)
Bei ihm läuft's – ein stark zensierter Bericht dürfte den Premierminister wohl kaum gefährden.Bild: keystone

Bei Boris Johnson läuft's: Bericht über seine Partys soll stark zensiert werden

29.01.2022, 08:3429.01.2022, 08:34

Der mit Spannung erwartete Untersuchungsbericht zu Lockdown-Partys in der Downing Street soll in einer stark zensierten Version veröffentlicht werden. Das berichteten britische Medien am Freitagabend übereinstimmend unter Berufung auf Regierungsquellen. Die Übergabe des Berichts an Premierminister Boris Johnson steht demnach kurz bevor. Mit der offiziellen Vorstellung im Londoner Unterhaus wird nicht vor Anfang der Woche gerechnet.

Die Zensur des ursprünglich als brisant geltende Berichts hängt mit Ermittlungen der Polizei zusammen. Diese hatte am Freitag in einem Statement darum gebeten, «in dem Bericht des Cabinet Office nur minimalen Bezug auf die Veranstaltungen zu nehmen, die von der Metropolitan Police untersucht werden». Damit solle «jegliche Voreingenommenheit» bei den Ermittlungen verhindert werden, hiess es zur Begründung. Danach war zunächst unklar, ob der Gray-Bericht erst deutlich verspätet nach Abschluss der Polizei-Ermittlungen veröffentlicht werden würde oder zeitnah in einer zensierten Version.

Sprengkraft wohl deutlich abgeschwächt

Die Entscheidung für letzteres dürfte für Boris Johnson eine willkommene Nachricht sein – zumal nicht mit einer späteren, weiteren Veröffentlichung des vollständigen Berichts gerechnet wird. Die Oppositionsparteien pochen auf eine vollständige Veröffentlichung.

Bei der polizeilichen Ermittlung hingegen könnte es später lediglich darum gehen, ob Beteiligte Bussgelder zahlen müssen. Damit könnte die Sprengkraft beider Untersuchungen, von denen nicht weniger als Johnsons politisches Überleben abhängt, deutlich abgeschwächt werden.

Johnson hatte bislang so gut wie alle Fragen zu den Partys unter Verweis auf die laufenden Untersuchungen abgeschmettert und jegliche Kenntnis von Lockdown-Verstössen abgestritten. Nun gewinnt er wertvolle Zeit, denn ein stark zensierter Bericht dürfte ihn wohl kaum gefährden. Die Gefahr einer Revolte in seiner Fraktion scheint damit vorerst abgewendet.

Briten und Britinnen sind empört

Berichten zufolge sollen Regierungsmitarbeiter und auch Johnson selbst während der Pandemie mit Feiern die eigenen Regeln missachtet haben. Sollte sich das bestätigen, gilt ein Misstrauensvotum gegen Johnson, für das sich mindestens 54 Tory-Abgeordnete schriftlich gegen ihn positionieren müssten, als wahrscheinlich. Doch bis das geklärt ist, dürften nun Wochen vergehen.

Die Liste der mutmasslich illegalen Zusammenkünfte ist lang: Mehrere Weihnachtsfeiern, eine Geburtstagsrunde, eine Gartenparty und nächtliche Besäufnisse vor dem Begräbnis des Queen-Gatten Prinz Philip. Viele Britinnen und Briten zeigten sich zuletzt empört. (viw/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Briten wählen – und bringen ihre Hunde ins Wahllokal
1 / 17
Die Briten wählen – und bringen ihre Hunde ins Wahllokal
quelle: ap / frank augstein
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Corona-Anweisungen von Grossbritannien's Premier Boris Johnson
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Oppositionsführerin Machado ist nach Venezuela zurückgekehrt
Rund zehn Monate nach ihrer heimlichen Ausreise aus Venezuela ist die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado in ihr Heimatland zurückgekehrt.
«Ich bin hier. Bei euch», teilte Machado auf der Plattform X mit. Auch der Oppositionspolitiker Edmundo González verwies auf diese Mitteilung. Er schrieb: «Venezuela! Ich freue mich riesig, euch mitteilen zu können, dass unsere Anführerin, meine geliebte Maria Corina, auf venezolanischem Boden ist.» Heute sei «ein sehr wichtiger Tag», sagte González. «Mit ihr kehrt unsere souveräne Stimme zurück, um diesen Prozess anzuführen und in die richtigen Bahnen zu lenken!»
Zur Story