International
Iran

USA ziehen B-1-Bomber aus Fairford ab: Nun beginnen die Spekulationen

RAF Fairford US airforce bombers at RAF Fairford as security is increased after the arrest of five men PUBLICATIONxINxGERxAUTxSUIxONLY Copyright: xDougxSeeburgx NINTCHDBPICT001111874608
Nach einem vereitelten Terroranschlag zieht Donald Trump seine Bomber aus Fairford ab.Bild: www.imago-images.de

Terrorgefahr oder politischer Winkelzug? USA ziehen schwere Bomber aus England ab

Zwölf amerikanische B-1-Bomber verlassen überraschend den Stützpunkt RAF Fairford nordwestlich von London. US-Medien berichten von einer iranischen Terrorgefahr. Doch es gibt Zweifel an dieser Erklärung.
05.10.2026, 17:0305.10.2026, 17:03
Bojan Stula
Bojan Stula

Zwölf schwere B-1-Bomber sind binnen weniger Stunden zurück in die USA geflogen: Der überraschende Abzug der amerikanischen Luftwaffe vom britischen Stützpunkt RAF Fairford sorgt für Spekulationen. US-Medien führen ihn auf eine akute Terrorgefahr zurück und berufen sich auf Quellen aus Pentagon-Kreisen.

Doch nicht alle Beobachter teilen diese Interpretation. Einige halten es für möglich, dass eine ohnehin geplante Rotation nun als überstürzter Rückzug vor einer iranischen Bedrohung dargestellt wird: möglicherweise auch, um die britische Regierung von Labour-Premier Andy Burnham schlecht aussehen zu lassen.

Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump die Freilassung von fünf Terrorverdächtigen kritisiert, die in der Nähe von Fairford festgenommen worden waren. Er sei «überrascht» über die Entscheidung der britischen Behörden, sagte Trump: «Ich hätte das nicht getan. Wie kann man Terroristen auf Kaution freilassen?»

Es gab bereits Warnungen

Nach Informationen der «New York Times» reagierte das Pentagon auf neue Erkenntnisse über einen möglicherweise vom Iran unterstützten Anschlag. Die Lage sei derart dringlich gewesen, dass einzelne Bomber bereits starteten, während die für den Atlantikflug benötigten Tankflugzeuge noch vorbereitet wurden.

A B1 bomber is towed past another B1 aircraft at RAF Fairford, a US airforce base in Fairford, England, Monday, Sept. 28, 2026. (AP Photo/Alastair Grant)
Britain Explosives Arrests
US-Bomber vom Typ B-1 in Fairford.Bild: keystone

Die Warnungen seien zwar seit rund drei Wochen bekannt gewesen, hätten sich aber innerhalb von 24 Stunden konkretisiert.

Ende September waren fünf Männer nahe Fairford nordwestlich von London festgenommen worden. Sie stehen im Verdacht, einen Terroranschlag vorbereitet zu haben. Später wurde ein sechster Mann mit britisch-iranischer Doppelbürgerschaft festgenommen. Alle sechs kamen unter Auflagen wieder frei.

Die britische Regierung bestätigte Hinweise auf eine mögliche Verbindung zum Iran, Teheran weist eine Beteiligung zurück.

Von Flucht vor Terror bis zu Erschöpfungspause

Doch die Erklärung mit der akuten Terrorgefahr ist nicht unumstritten. Shashank Joshi, Verteidigungsexperte des britischen «Economist», verweist auf zwei konkurrierende Deutungen: Die eine sei der von der «New York Times» vermittelte Eindruck eines überstürzten Rückzugs.

Nach der anderen handle es sich zumindest teilweise um eine reguläre Bomberrotation, die nun entsprechend dargestellt werde. Dafür könnte sprechen, dass der Betrieb der US-Luftwaffe auf anderen britischen Basen offenbar nicht beeinträchtigt ist.

epa13273394 US Secretary of State Marco Rubio speaks at a Hispanic Heritage Month celebration in the East Room of the White House in Washington, DC, USA, 30 September 2026. US President Donald J. Trum ...
Aussenminister Marco Rubio äusserte sich am Montag zum Fall.Bild: keystone

US-Aussenminister Marco Rubio bestätigte am Montag gegenüber Journalisten die Terrorwarnung, sprach aber auch von einem «nicht unbedingt direkt daran geknüpften» Rotationsplan.

«Akzeptanz der Realität»

Die US-Air-Force-Veteranin, Oberstleutnant und Sicherheitsexpertin Karen Kwiatkowski hat für den Abzug eine noch einfachere Erklärung: Dem US-Militär sei vom Iran «schwer zugesetzt worden». Die Rückverlegung der schweren Bomber in ihre Heimatbasen bedeute die «Akzeptanz der Realität» durch die Trump-Regierung.

Die Dimension des Einsatzes war jedenfalls beträchtlich. Nach Angaben des auf Militärflugbewegungen spezialisierten Accounts «DefenceGeek» wurden seit März insgesamt 29 B-1- und B-52-Bomber nach Fairford verlegt. Beobachter registrierten 64 Kampfeinsätze und mehr als 190 Trainingsflüge. Die englische Basis spielte damit eine wichtige Rolle für die amerikanischen Operationen im Iran-Krieg.

Motorbikes drive past Iranian missiles and banners showing portraits of the Iranian Supreme Leader Ayatollah Mojtaba Khamenei, center, and the late armed forces commanders and nuclear scientists, who  ...
Der Iran bestreitet eine Verbindung zu den in Grossbritannien festgenommenen Männern.Bild: keystone

Eine Folge hat der plötzliche Rückzug jedenfalls: Im Land des Verbündeten fragt man sich, wie sicher die britischen Bomberbasen noch sind. Rechtspolitiker Henry Bolton spricht von einem «Weckruf zum richtigen Moment». Es müsse jetzt dringend mehr in den Schutz der Stützpunkte investiert werden. Der frühere britische Nationale Sicherheitsberater Peter Ricketts entgegnet im BBC-Interview, dass eine umfassende Überwachung «enorm teuer und nicht kurzfristig umzusetzen» sei. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Reisereportage aus dem Iran:
1 / 15
Reisereportage Iran
Die Liste der Verbote ist lang - Für Alkoholgenuss drohen 80 Stockschläge und für Wiederholungstäter sogar der Strick. Auch ist es Männern und Frauen verboten, gemeinsam zu tanzen
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Iranischer Präsident schenkt Parmelin Buch mit angeblichen US-Kriegsverbrechen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
US-Militär greift erneut Schnellboot in Karibik an – Vier Tote
Erneut hat das US-Militär ein nach eigenen Angaben von Drogenschmugglern in der Karibik genutztes Schnellboot zerstört und dabei vier Menschen getötet. Das für die Region zuständige Militärkommando Southcom veröffentlichte ein Video zu seiner Mitteilung, auf dem ein fahrendes Boot von einem nicht identifizierbaren Geschoss getroffen wird, explodiert und in einem riesigen Feuerball aufgeht. Das Schnellboot sei nach bestätigten Geheimdienstberichten aktiv am Drogenhandel beteiligt gewesen, hiess es. Die Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen.
Zur Story