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Terrorermittlungen nach «Blutbad» bei Paris

Terrorermittlungen nach «Blutbad» bei Paris – Bürgermeister: «Islamophober Hintergrund»

Bei der tödlichen Schussattacke nahe Paris halten Ermittler und Politiker einen rassistischen Hintergrund für möglich.
23.10.2026, 20:3623.10.2026, 20:36

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez bezeichnete den Vorfall in den Gemeinden Trappes und La Verrière als «terroristische Tat». Ein Mann hatte aus einem Auto heraus auf offener Strasse mit einer automatischen Waffe geschossen. Dabei kam ein Mensch ums Leben, mindestens vier weitere wurden teils sehr schwer verletzt, darunter ein zwölfjähriges Kind. Der Verdächtige wurde kurze Zeit später festgenommen.

KEYPIX - epa13325310 French Police investigate the scene of a shooting that left one person dead and four others injured, in Trappes, near Paris, France, 23 October 2026 KEYSTONE/EPA/YOAN VALAT
Ermittler am Tatort in Trappes.Bild: keystone

Terrorermittler gehen von besonderem Hintergrund aus

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe eine Untersuchung eingeleitet, unter anderem wegen des Verdachts auf gezielte Tötung im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben, der Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zur Vorbereitung von Straftaten gegen Personen sowie des Waffenbesitzes. Dabei werde berücksichtigt, dass die Tat «aufgrund der tatsächlichen oder vermeintlichen Zugehörigkeit des Opfers zu einer bestimmten angeblichen Rasse, ethnischen Gruppe, Nation oder Religion begangen wurde».

Bei dem Verdächtigten handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 1987 geborenen Mann. Sein Strafregister weise vier Verurteilungen auf, die von Rechts wegen getilgt seien. Seine Wohnung wurde demnach am Abend durchsucht. «Da für die Durchsuchung seiner Wohnung gemäss den Bestimmungen der Strafprozessordnung seine Anwesenheit erforderlich ist, wurde er bislang noch nicht von den Ermittlern vernommen», hiess es.

Bei der Durchsuchung seines Fahrzeugs wurden den Angaben nach eine Maschinenpistole sowie eine Tränengasgranate entdeckt.

Macron fährt in betroffene Gemeinde

Präsident Emmanuel Macron stattete der betroffenen Gemeinde Trappes für Gespräche mit Einsatzkräften einen Besuch ab. Zuvor zeigte er sich auf der Plattform X tief erschüttert über die Attacke und äusserte Anerkennung gegenüber den Sicherheitskräften. Medienberichten zufolge bezeichnete der Élysée-Palast den Vorfall als «rassistischen Terroranschlag».

Auch Frankreichs Ex-Präsident François Hollande sprach von einer rassistisch motivierten Tat. «Angesichts des schrecklichen Anschlags, der die Gemeinden Trappes und La Verrière getroffen hat, ist nun nationale Solidarität gefragt, denn diese abscheuliche Tat ist vom rassistischen Hass geprägt», schrieb Hollande auf der Plattform X.

Die rechtsnationale Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen meldete sich ebenfalls zu Wort: «Das Blutbad, das heute Morgen in Trappes stattfand, ist ein barbarischer Akt, dessen Motive aufgeklärt und die Verantwortlichen hart bestraft werden müssen.»

Bürgermeister geht von islamophoben Motiv aus

Als «Blutbad» bezeichnete den Vorfall auch der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh. Der Angreifer habe offensichtlich ein solches anrichten wollen, sagte er dem Sender BFMTV. Der Mann habe wahllos geschossen.

Rabeh hielt insbesondere einen islamfeindlichen Hintergrund für möglich. «Was wir heute miterlebt haben, ist objektiv gesehen ein Anschlag mit rassistischem, wahrscheinlich islamophobem Hintergrund», sagte Rabeh. «Die Menschen, die heute ins Visier genommen wurden, hätten auch meine Mutter, meine Brüder, meine Schwägerinnen sein können», sagte Rabeh.

Muslim-Verband ruft zu Wachsamkeit auf

Der muslimische Dachverband in Frankreich (CFCM) zeigte sich in einer Mitteilung nach der Tat entsetzt. Er warne unablässig vor den Folgen von Hassreden, Stigmatisierung und der Suche nach Sündenböcken, die von bestimmten Medien und politischen Verantwortlichen mitgetragen und dadurch in der öffentlichen Debatte zunehmend banalisiert würden, schrieb der Verband auf der Plattform X.

Sollte sich der rassistische und islamfeindliche Charakter des Angriffs bestätigen, wäre er ein tragisches Beispiel für die Gefahren, die von Hassideologien und entsprechenden Äusserungen ausgehen, hiess es weiter. Der CFCM rufe die Musliminnen und Muslime in Frankreich zu äusserster Wachsamkeit auf.

Mutmasslicher Täter fuhr durch mehrere Orte

Die Schüsse ereigneten sich laut Polizei am Vormittag gegen 10.30 Uhr im Département Yvelines, das im westlichen Teil der Pariser Grossraumregion liegt. Zunächst wurde in der Gemeinde Trappes geschossen, dann fuhr der Mann den Angaben nach weiter in die angrenzende kleine Gemeinde La Verrière. Laut Nuñez schoss der Verdächtige an drei verschiedenen Orten aus dem Wagen heraus.

Der Bürgermeister von La Verrière, Nicolas Dainville, sagte dem Sender BFMTV, dass die verletzte Zwölfjährige von acht Schüssen getroffen worden sei, was die Schwere der Lage verdeutliche. Rabeh sagte, das Mädchen schwebe «zwischen Leben und Tod».

Die Lage in Frankreich ist derzeit ohnehin äusserst angespannt. Am vergangenen Wochenende war es am Rande von Protesten wegen hoher Lebenshaltungskosten und Probleme im Bildungssystem zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen von Geschäften gekommen.

Am Samstag sind erneut landesweit Demonstrationen angekündigt. Mit 70'000 Einsatzkräften ist ein massives Polizeiaufgebot vorgesehen. Erneut befürchten die Behörden Ausschreitungen. Laut Innenministerium gibt es zahlreiche Aufrufe zu Gewalttaten und Plünderungen. (sda/dpa)

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