Bericht: Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland
Eine Gruppe israelischer Siedler hat nach Angaben des israelischen Armeeradios Fahrzeuge europäischer Diplomaten im Westjordanland angegriffen. Wie der Militärkorrespondent Doron Kadosh auf X mitteilte, umstellten nach Angaben von Augenzeugen sieben maskierte Männer mit ihren Geländewagen ein Diplomatenfahrzeug, verlangten Ausweise und zertrümmerten eine Fensterscheibe. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Diplomat am Boden liegt. Der Vorfall ereignete sich während der Olivenernte nahe der Ortschaft Taibe.
The IDF strongly condemns the severe act of violence that took place in the area of Taybeh, during which diplomatic representatives were attacked by Israeli rioters. Police forces and forensic investigators from the Judea and Samaria District are entering the area accompanied by IDF soldiers and will begin collecting findings and evidence, as well as taking testimonies, in support of an investigation that has been opened. The consulate's visit was not coordinated with the IDF. Such coordination is important to prevent incidents of this kind. According to a preliminary inquiry, no IDF soldiers were present at the scene at the time of the attack. The report was sent to the brigade operations room, which is designated to receive reports from security personnel only, and not from civilians. The operations room receives dozens of operational reports each day and responds only to authorized personnel, not civilians. It should be emphasized that other designated channels are available for civilians to submit complaints. All circumstances surrounding the incident will be examined.
— Israel Defense Forces (@IDF) October 17, 2026
Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach dagegen von einem «mutmasslichen Angriff auf europäische Diplomaten». Schwere Vorwürfe erforderten überzeugende Beweise. Die Bilder allein reichten nicht aus, um den vollständigen Ablauf der Ereignisse oder die individuelle Verantwortung zu klären. Diese Umstände würden weiterhin untersucht.
Dagegen verurteilte Israels Aussenminister Gideon Saar «die schweren Gewalttaten israelischer Randalierer» aufs Schärfste. Eine polizeiliche Untersuchung sei eingeleitet worden, erklärte er auf X. Die Strafverfolgungsbehörden arbeiteten daran, die Angreifer zu identifizieren und vor Gericht zu stellen. Saar nannte es bedauerlich, dass der Besuch nicht im Voraus mit der Armee abgestimmt worden sei.
Reporterin bereits am Freitag verletzt
Bereits am Freitag erlitt die US-Fotografin Heidi Levine von der «Washington Post» bei einem Angriff von Siedlern nahe der Ortschaft Abu Falah im Westjordanland Verletzungen. Nach Angaben des Blattes griffen Dutzende maskierte israelische Siedler palästinensische Dorfbewohner an, die Oliven geerntet hätten. Sie hätten Olivenhaine in Brand gesetzt und Steine geworfen.
Levine trug nach Angaben der Zeitung eine Schutzweste, auf deren Vorder- und Rückseite deutlich «PRESS» zu lesen war. Sie sei zu Boden gestossen und wiederholt getreten worden. Ihr seien die Kamera sowie das Handy weggenommen worden. Levine habe Schnittwunden am ganzen Körper erlitten. Eine Rippe und vier Wirbel seien gebrochen. Ein Finger sei so aufgerissen worden, dass der Knochen freigelegen habe.
In einer Erklärung von Netanjahu auf X heisst es, die Umstände der Auseinandersetzung, bei der Levine angeblich angegriffen worden sei, seien unklar und würden untersucht. Berichten zufolge hätten etwa 200 Araber und linksextreme Aktivisten etwa 40 israelischen Jugendlichen gegenübergestanden. Aufnahmen zeigten maskierte Personen auf beiden Seiten, die mit Gegenständen warfen. Berichten zufolge wurden Feuerwerkskörper auf jüdische Jugendliche abgefeuert.
Unterdessen verurteilte der belgische Aussenminister Maxime Prévot den Angriff aufs Schärfste. «Als Besatzungsmacht müssen die israelischen Behörden Palästinenser schützen, die Sicherheit von Diplomaten und Journalisten gewährleisten und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Die Straffreiheit für gewalttätige Siedler muss ein Ende haben», schrieb er auf X. Zu der angegriffenen Gruppe habe auch der belgische Generalkonsul gehört.
Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot schrieb auf X, ein französischer Bürgermeister sei brutal angegriffen worden. Er forderte die israelischen Behörden auf, die Täter festzunehmen und zur Rechenschaft ziehen. «Sie müssen diese kriminelle Gewalt dringend unterbinden und die Sicherheit der Zivilbevölkerung gewährleisten, wozu Sie gemäss dem Völkerrecht verpflichtet sind.» (sda/dpa)
