Israel veröffentlicht Fake-Video mit britischer Rapperin – diese wehrt sich
Über das Wochenende postete der offizielle X-Account Israels ein Musikvideo: Eine Frau rappt voller Stolz gegen den Vorwurf von Kolonialisierung.
Im Text heisst es: «Die dreisteste Lüge, die ich je gehört habe. Ihr kennt Judäa nicht. Ihr kennt den Namen nicht. Ihr kennt die Geschichte nicht. Ihr wisst nur, wem ihr die Schuld geben sollt. Keine Recherche, keine Fragen. Ihr wiederholt nur, was ihr seht. Wenn Unwissenheit eure Hymne ist, dann singt sie mir nicht vor. ‹Geht zurück, wo ihr herkommt!› – Das haben wir getan.»
Doch schnell wurde klar: Das Video ist fake – aber die Person darin ist es nicht.
Das Outfit verrät den KI-Schrott
IAMDDB, mit bürgerlichem Namen Diana De Brito, ist eine britische Musikerin, die in Portugal geboren wurde. Als Vorlage für das Video wurde offenbar ein Bild aus einem ihrer Fotoshootings benutzt.
«Ihre ‹Babyhaare› befinden sich exakt an derselben Stelle», zeigt ein Instagram-User. Auch die Kleidung ist identisch – mit einer Ausnahme: In einigen Sequenzen des KI-Videos wurde der Markenname auf ihrem Sport-BH in «Nova» geändert.
Vielleicht in Anlehnung an das Massaker beim Supernova-Festival am 7. Oktober 2023? Damals wurden 378 Menschen getötet und 44 Festivalbesucher als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Aus dem Schriftzug auf ihrer Calvin-Klein-Unterhose wird – wohl eher unfreiwillig – «Calvin Kalm». Das macht die Sache klar: Das ist AI-Slop bzw. KI-Schrott.
Auf Social Media kochen die Kommentare hoch. Manche fragen sich, warum man nicht einfach eine echte israelische Sängerin für das Video engagiert hat.
Einige schreiben zynisch, es sei «nicht das erste Mal, dass Israel etwas stiehlt» – und meinen damit das, was das Video offenbar verteidigen soll: Siedler.
Andere kommentieren, Israel sei «darin bei weitem nicht so gut wie der Iran». Damit spielen sie auf eine Reihe von KI-generierten Lego-Clips an, in denen US-amerikanische und israelische Amtsträger lächerlich gemacht wurden.
Die 30-jährige Sängerin wurde anscheinend erst durch Social Media darauf aufmerksam. Nachdem sie in einem Beitrag markiert wurde, kommentierte sie: «Danke für den Hinweis. Ich würde so etwas unter keinen Umständen unterstützen.»
Peinlich oder absichtlicher Ragebait?
In einem Tweet stellte sie die Verantwortlichen zur Rede: «Hey, warum habt ihr meine Identität für etwas gestohlen, dem ich zu 100 Prozent nicht zugestimmt habe?» Eine Antwort gibt es nicht. Stattdessen verschwand das Video aus Israels offiziellem X-Account.
Doch in den sozialen Medien wird weiter spekuliert: War dieses Video nicht nur peinlich – sondern absichtlich schlecht gemacht? Als Ablenkungsmanöver, damit Kritiker sich online aufregen, statt tatsächlich etwas gegen Israels Angriffe und den Umgang mit Palästina zu unternehmen?
Denn eines ist leider offensichtlich: Ragebait ist ein Geschäftsmodell. Es wurde sogar zum Jugendwort 2026 gekürt. Manche Influencer nutzen es, um im Gespräch zu bleiben, Marken wollen damit viral gehen – und jetzt auch Staaten? Genau wie bei IAMDDBs Frage an Israel gibt es darauf keine Antwort.
Immer mehr Promis müssen sich gegen KI wehren
Dass das Aussehen von Promis für KI-Schrott missbraucht wird, kommt immer häufiger vor. Erst vor wenigen Tagen tauchte auf Instagram ein Bild von Schauspielerin Mia Goth auf. Kurz nachdem sie die Scheidung von Schauspieler-Ehemann Shia LaBeouf eingereicht hatte, soll sie in einem T-Shirt mit der Aufschrift «Mein Ex ist mein grösster Fan» posiert haben.
Innert kürzester Zeit gab es fast eine halbe Million Likes – dabei ist nichts daran echt. Stattdessen war es provokativ, wurde zum richtigen Zeitpunkt gepostet und war damit perfekt als viraler Hit.
Eine Sprecherin von Goth teilte mit, dass die Schauspielerin keinen Social-Media-Account hat und man bei Meta Beschwerden eingereicht habe: «Es ist unverständlich, dass Instagram die Verbreitung gefälschter und manipulierter Bilder offenbar über den Schutz und die Integrität des Abbilds einer Person des öffentlichen Lebens stellt.»
Währenddessen spuckt Social Media fröhlich weiter KI-Inhalt auf allen Plattformen aus. Und der Algorithmus verteilt das fleissig. Ein paar wenige Promis haben einer KI-Kopie zugestimmt, doch die meisten wehren sich mit Händen und Füssen dagegen.
Taylor Swift hat Markenanträge beim US-Patentamt eingereicht, um ihr Aussehen und ihre Stimme vor KI-Fälschungen zu schützen. Scarlett Johansson schaltete ihre Anwälte ein, nachdem OpenAI ohne ihre Zustimmung eine ChatGPT-Stimme veröffentlichte, die wie sie klang. Tom Holland und Zendaya mussten mehrfach klarstellen, dass ihre angeblichen Hochzeitsfotos nicht echt waren.
Dummerweise kann KI-generierter Promi-Content Menschen tatsächlich glauben lassen, was sie sehen und hören, sei echt.
Der Vorfall mit Israels IAMDDB-Fake hebt all das auf eine neue Ebene. Und in den noch verfügbaren Reposts auf Instagram wissen es die Leute in den Kommentaren entweder nicht besser, oder es ist ihnen einfach egal.
Das einzig positive Pünktchen darin: Jetzt wissen wohl ein paar mehr Leute, dass es die Sängerin IAMDDB überhaupt gibt. Ob das ein Trost ist? (schweizheute.ch)

