160 Festnahmen nach Krawallen in Mailand – viele sind minderjährig
Am Sonntag ist es in der Mailänder Innenstadt erneut zu schweren Ausschreitungen gekommen. Rund um den Dom lieferten sich Jugendliche Auseinandersetzungen mit der Polizei, Geschäfte wurden geplündert und Einsatzkräfte mit Pflastersteinen, Knallkörpern und Rauchbomben angegriffen.
Mindestens 160 Personen wurden festgenommen. Unter ihnen befanden sich auffällig viele Minderjährige. Italiens Regierung reagierte auf die Gewalt mit scharfer Kritik. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte eine Sicherheitsrunde an.
Demonstration begann friedlich
Ursprünglich richtete sich die Kundgebung gegen die hohen Lebenshaltungskosten. Unter dem Namen «Italia in Piazza» hatten die Organisatoren bereits in anderen italienischen Städten zu Demonstrationen aufgerufen, dort allerdings mit deutlich weniger Resonanz.
In Mailand änderte sich die Situation, nachdem es zu ersten Zusammenstössen mit der Polizei kam. Laut «Corriere della Sera» strömten danach Hunderte weitere Jugendliche in die Innenstadt. Viele seien über Tiktok und andere soziale Netzwerke auf die Ereignisse aufmerksam geworden und teilweise aus Varese sowie anderen Regionen der Lombardei angereist.
Zahlreiche Beteiligte waren vermummt. Unter ihnen befanden sich auch viele Mädchen.
«Maranza»-Szene unter den Randalierern
Ein Teil der Beteiligten wird der sogenannten «Maranza»-Szene zugerechnet. Dabei handelt es sich um eine italienische Jugendsubkultur, die insbesondere im Grossraum Mailand bekannt ist und häufig mit Jugendkriminalität in Verbindung gebracht wird.
Der Begriff wird oft abwertend verwendet. Zur Szene werden häufig Jugendliche mit Migrationshintergrund gezählt, darunter viele mit nordafrikanischen Wurzeln. Typisch sind Marken-Trainingsanzüge und auffällige Accessoires. Im deutschsprachigen Raum wird die Szene teilweise mit den sogenannten «Talahons» verglichen.
Allerdings gehörten längst nicht alle Randalierer dieser Gruppe an. Laut «Corriere della Sera» war unter den gewalttätigen Jugendlichen keine einheitliche politische Haltung erkennbar.
Keine erkennbaren Anführer
Die Gewalt richtete sich vor allem gegen die Polizei. Jugendliche warfen Pflastersteine, Knallkörper und Rauchbomben auf Einsatzkräfte. Auffällig sei gewesen, dass die Gruppen keine klar erkennbaren Anführer hatten.
Viele Beteiligte filmten die Ausschreitungen mit ihren Smartphones und verbreiteten die Aufnahmen anschliessend in sozialen Medien. Nach Einschätzung des «Corriere della Sera» orientierten sich manche Jugendliche dabei an Bildern gewaltsamer Proteste aus Frankreich.
Mitglieder studentischer Gruppen, die zu Beginn noch an der Demonstration teilgenommen hatten, zogen sich zurück, als die Lage eskalierte, und distanzierten sich von der Gewalt.
Was viele der Randalierer offenbar verband, war weniger ein gemeinsames politisches Ziel als Wut und die Dynamik, die sich während der Ausschreitungen entwickelte. (mke)
