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Klima

Rekordwarme Pazifikregion: El Niño könnte Rekorde brechen

Für El Niño entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie

Baden im Meer ist in diesem Sommer vielerorts keine Abkühlung gewesen. Die für das Wetterphänomen El Niño entscheidende Meeresregion ist aktuell so warm wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.
08.10.2026, 10:5808.10.2026, 10:58

Laut Daten der Plattform «Climate Reanalyzer» der University of Maine hat die durchschnittliche Meeresoberflächen-Temperatur in der sogenannten Niño-3.4-Region erstmals die 30-Grad-Marke geknackt (Stand 5. Oktober). Damit liegt sie 3,39 Grad über dem Durchschnitt des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020. Die Temperaturkurve entwickelte sich in den vergangenen Wochen fast kontinuierlich nach oben und liegt deutlich über allen Vorjahreskurven.

«Niño 3.4» ist eine geografische Region im zentralen und östlichen Pazifik und gleichzeitig ein wichtiger Klimaindex, um das El-Niño-Phänomen zu messen.

Der Klimaphysiker Helge Gössling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven erklärte, eine solche Temperatur habe es seit Beginn der Messungen und ziemlich sicher auch weit davor noch nie gegeben. Man könne «mittlerweile klar von einem aussergewöhnlichen »Super«-Ereignis sprechen». Die starken El Niños von 1997 und 2015 seien dort zu dieser Jahreszeit mehr als ein ganzes Grad kühler gewesen.

Im Gesamtdurchschnitt der Ozeane lagen die Temperaturen an der Oberfläche laut «Climate Reanalyzer» zuletzt bei 21,08 Grad – ebenfalls deutlich über allen Werten der Vorjahre. Im Verlauf dieses Jahres lagen sie zeitweise aber bereits noch höher. Diese Werte beziehen sich auf die Regionen zwischen dem 60. südlichen und dem 60. nördlichen Breitengrad, die Polarregionen werden also ausgeklammert.

El Nino
Im Gesamtdurchschnitt der Ozeane lagen die Temperaturen an der Oberfläche laut «Climate Reanalyzer» zuletzt bei 21,08 Grad.Bild: Climate Reanalyzer

Womöglich stärkster El Niño seit 1950

Die Weltwetterorganisation (WMO) geht in einer neuen Prognose davon aus, dass die Oberflächentemperaturen im zentralen und östlichen Pazifik zwischen Oktober und Dezember auf weitere neue Höchststände steigen werden. Gleichzeitig werde sich der diesmal besonders extrem ausfallende El Niño weiter verstärken, bis er voraussichtlich im Dezember seinen Höhepunkt erreichen werde. «El Niño ist angekommen und gewinnt rasch an Stärke», erklärte WMO-Chefin Celeste Saulo.

Anhalten wird er voraussichtlich noch darüber hinaus: Die Prognosen der WMO deuteten mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass der El Niño bis Februar 2027 anhält – «womit er möglicherweise zu den stärksten seit mindestens 1950 zählen würde», so Saulo. 1950 begannen nach WMO-Angaben die Aufzeichnungen.

Laut WMO dürften überdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen der Welt die Folge sein, genauso wie veränderte Niederschläge, also je nach Region heftige Dürren oder genau das Gegenteil: viel zu viel Regen.

«In Indonesien und anderen Teilen Südostasiens, in Teilen des nördlichen Südamerikas und im südlichen Afrika steigt das Risiko ausgeprägter Trockenheit», erklärte AWI-Experte Gössling. «Wenn diese wichtigen Agrarregionen gleichzeitig betroffen sind, kann das schwerwiegende Folgen für die globale Nahrungsmittelversorgung haben.» Andernorts wirke El Niño umgekehrt: An der Westküste Südamerikas sowie in Teilen Ostafrikas steige das Risiko von Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen, im östlichen und zentralen Pazifik für Hurrikane.

El Niño und La Niña

Das El-Niño-Phänomen ist quasi das Gegenstück zu La Niña. Beide beschreiben, vereinfacht gesagt, eine globale Klima-Ausprägung, die sich an gewissen Orten wesentlich auf das Wettergeschehen auswirken kann. Während El Niño ist das Wasser im östlichen tropischen Pazifik wärmer und das Wasser im westlichen tropischen Pazifik kühler als normalerweise. Ausserdem verändern sich dabei die grossflächigen Luftdruckverhältnisse und als Folge schwächen sich die Passatwinde ab. Die Folgen davon: Es kommt zu mehr Niederschlag als gewöhnlich im Westen Südamerikas, teils bis hinauf in die USA – und weniger Niederschlag, Trockenheit und Hitze in Süd- und Ostasien sowie in Australien.

Von El Niño spricht man konkret, wenn das Oberflächenwasser im zentralen Pazifik für drei aufeinanderfolgende Monate im Durchschnitt 0,5 Grad über dem langjährigen Mittel liegt. El Niño tritt in unregelmässigen Abständen von zwei bis sieben Jahren oder, je nach Definition, von durchschnittlich vier Jahren auf. Wie und warum genau das Ereignis zustande kommt, ist noch immer unklar.

Deutliche Abweichungen von den Durchschnittstemperaturen

Auch die WMO-Daten bestätigen die enorme Erwärmung in der Region «Niño 3.4»: Im Juni lagen die Oberflächentemperaturen dort demnach 1,6 Grad über dem saisonalen Durchschnitt, im August bereits 2,5 Grad darüber. Für Oktober bis Dezember geht die WMO sogar von einer Differenz von rund 3,7 Grad über dem saisonalen Durchschnitt aus.

El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Es ist nicht durch den Klimawandel verursacht, kann dessen Folgen aber zusätzlich verschärfen. In der entscheidenden Meeresregion steigt dann warme, feuchte Luft auf, was die weltweiten Wind- und Luftströmungen verändert.

El Niño kann viel mehr Wärme freisetzen

«El Niño bringt keine neue Wärme auf den Planeten. Er setzt Wärme frei, die der Ozean bereits unter der Oberfläche gespeichert hat – weshalb ein starkes El-Niño-Ereignis so oft zu einem der heissesten jemals gemessenen Jahre führt, wie im Jahr 2024», erklärte Saulo bei einem Forum in Bangkok. «Der Ozean, aus dem er diese Wärme bezieht, ist der wärmste, den wir je gemessen haben. Es steht einfach mehr Wärme zur Freisetzung zur Verfügung.»

Gössling ergänzte: «Im Jahresmittel könnte daher 2027 einen noch höheren Allzeitrekord (seit Messungen) aufstellen, ähnlich wie es 1998 und 2016 jeweils auf die starken El Niños von 1997 und 2015 folgte. Langfristig entscheidend für neue Hitzerekorde bleibt aber die menschengemachte Erwärmung.» Künftige starke El-Niño-Ereignisse setzten dann auf einem immer höheren Ausgangsniveau auf und begünstigen so immer neue globale Temperaturrekorde. (sda/dpa)

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