International
Migration

Stadt Tais im Jemen eingekesselt – Menschen leben in Angst

epa05473319 Armed Yemenis, loyal to the Houthi rebels, brandish weapons during a gathering to mobilize more fighters, in Sana'a, Yemen, 11 August 2016. According to reports, the Saudi-led militar ...
Die Huthi-Rebellen versuchen seit Wochen, die Stadt Tais vollständig zu umzingeln. (Symbolbild)Bild: EPA

Stadt Tais im Jemen eingekesselt – Menschen leben in Angst

16.10.2026, 08:1816.10.2026, 09:22

Im Jemen sind Hunderttausende Bewohner der Stadt Tais wegen des Vormarsches der Huthi-Rebellen zunehmend von der Aussenwelt abgeschnitten. Kämpfer der schiitischen Miliz versuchen seit Wochen, die Stadt vollständig zu umzingeln – möglicherweise mit dem Ziel, die Regierung und mit ihr verbündete Kämpfer zu vertreiben. Tais ist nach Sanaa und Aden die drittgrösste Stadt des Landes und war im seit zehn Jahren laufenden Bürgerkrieg immer wieder umkämpft.

Anwohner haben Mühe, sich mit dem Nötigsten zu versorgen. «Wir haben uns auf eine anstrengende Suche nach einer Gasflasche oder sogar Mehl und Wasser begeben», sagte eine dreifache Mutter der Nachrichtenagentur dpa. «Wir leben dauerhaft in Angst und Sorge.» Viele Dinge seien wegen der verschärften Blockade auf den Märkten nicht mehr zu finden. Ein anderer Anwohner sagte, auch Diesel und Wasser für den häuslichen Gebrauch seien kaum noch zu finden.

Preise für Lebensmittel und Treibstoff steigen

Einige Händler sollen Güter horten und die Lage damit noch verschärfen. Manche Geschäfte verkaufen Trinkwasser nur noch in Literflaschen und legen beim Verkauf auch Höchstmengen pro Familie fest. Die Knappheit hat Preise für Lebensmittel und Treibstoff nach oben getrieben.

Wegen anhaltender Gefechte sind viele Gebiete auch für humanitäre Helfer nicht mehr befahrbar und Strassen gesperrt. Das Welternährungsprogramm (WFP) teilte mit, rund 800'000 Menschen im Land könnten deshalb nicht mehr versorgt werden, darunter 600'000 in Tais, die auf Hilfe angewiesen seien.

Huthi belagerten Tais schon ab 2015

Tais liegt zwischen dem zentralen Hochland und der Westküste am Roten Meer und gilt auch als Zugangspunkt zur Hafenstadt Aden und damit dem politischen Zentrum des Südens. Die Huthi blockierten in Tais ab 2015 wichtige Strassen an Eingängen zur Stadt und hielten Anwohner an Kontrollpunkten davon ab, sie zu verlassen. Die faktische Belagerung dauerte Jahre. 2024 wurden die Strassen teils geöffnet, doch im Zuge der neuen Huthi-Offensive ist Tais wieder eingekesselt. Die Huthi-Miliz ist ein Verbündeter des Irans.

Er habe schwierige und schmerzhafte Tage erlebt, sagte ein Mann namens Abdullah al-Hadsch der dpa. Er habe seit Jahrzehnten in Tais gelebt, sei aber aus Angst vor einer Huthi-Übernahme mit seiner Familie nach Aden geflohen. Die Fahrt habe 17 Stunden gedauert. In Aden hätten sie trotz Geldsorgen in einem teuren Hotel schlafen müssen. Er hoffe, dass der Jemen zurückkehren könne zu einem Zustand von «Frieden und Harmonie». (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Machtkampf im Jemen
1 / 20
Machtkampf im Jemen
Ein Widerstandskämpfer, loyal zu Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi, besetzt ein Luftabwehrgeschütz.
quelle: x80002 / stringer
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Huthi-Rebellen greifen Öltanker im Roten Meer an – warum sie das bereuen könnten
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Polizei beschlagnahmt Interviewaufnahmen bei der «Zeit»: Darum geht es
Eine angedrohte Durchsuchung bei der «Zeit» löst in Deutschland heftige Diskussionen über Pressefreiheit aus. Was hinter dem Fall steckt – und warum der Quellenschutz auch in der Schweiz unter Druck ist.
Was sich Anfang dieser Woche in den Hamburger Redaktionsräumen der «Zeit» abgespielt hat, gibt in deutschen Medien seit Tagen zu reden. Am Montagmorgen tauchten dort Beamte des Landeskriminalamts und ein Staatsanwalt mit einem Durchsuchungsbeschluss auf. Sie forderten die Herausgabe von Interviewmitschnitten eines Podcasts über die Unternehmerfamilie Block.
Zur Story