Warum Saudi-Arabiens Milliardenabwehr die Huthis nicht stoppen kann
Saudi-Arabien investierte im vergangenen Jahr rund 83 Milliarden Dollar in sein Militär und gehört damit weltweit zu den zehn Staaten mit den höchsten Verteidigungsausgaben. Das Königreich verfügt über moderne US-Kampfjets sowie Patriot- und THAAD-Systeme zur Raketenabwehr, wie CNN berichtet.
Trotzdem gelang es den Huthi-Rebellen aus dem Jemen zuletzt mehrfach, Ziele im Land zu treffen. Besonders schwer wiegen die Angriffe auf den internationalen Flughafen der Hauptstadt Riad, bei denen mehr als ein Dutzend Zivilisten ums Leben kamen.
Es stellt sich deshalb die Frage, weshalb selbst eine derart hochgerüstete Luftverteidigung keinen vollständigen Schutz bieten kann.
Bedrohung aus drei Richtungen
Ein entscheidendes Problem ist die Grösse Saudi-Arabiens. Das Land umfasst eine Fläche von mehr als zwei Millionen Quadratkilometern. Geschützt werden müssen nicht nur Riad und andere Städte, sondern auch Raffinerien, Pipelines, Flughäfen, Entsalzungsanlagen, Datenzentren und Militärstützpunkte.
Gleichzeitig kommen Angriffe aus mehreren Richtungen.
Aus dem Osten feuerte Iran während der intensivsten Phase des Konflikts in diesem Jahr nach CNN-Angaben rund 1000 Raketen und Drohnen auf saudische Ziele. Aus dem Norden greifen proiranische Milizen im Irak mit Drohnen unter anderem die wichtige Ost-West-Ölpipeline an. Und aus dem Süden feuern die ebenfalls von Iran unterstützten Huthis aus den Bergen des Jemen Raketen und Drohnen ab.
Die saudische Luftabwehr fängt einen grossen Teil davon ab. Doch kein System kann garantieren, jede einzelne Bedrohung zu treffen.
Huthis kombinieren verschiedene Waffen
Zusätzlich haben die Huthis ihre Angriffstaktik weiterentwickelt. Sie kombinieren ballistische Raketen, Marschflugkörper und Langstreckendrohnen in gemeinsamen Angriffswellen.
Das erschwert die Abwehr: Marschflugkörper fliegen vergleichsweise tief und sind dadurch schwieriger frühzeitig zu erkennen. Ballistische Raketen sind dagegen schnell und nähern sich aus grosser Höhe. Drohnen können wiederum in grosser Zahl eingesetzt werden, um Abwehrsysteme zu beschäftigen oder zu überlasten.
CNN vergleicht die Taktik mit russischen Angriffen auf die Ukraine, bei denen ebenfalls unterschiedliche Waffentypen gleichzeitig eingesetzt werden.
Die Huthis verfügen dabei inzwischen über immer modernere Raketen. Systeme wie die Hatem-2 oder Palestine-2 ähneln nach Einschätzung von Experten stark iranischen Waffen.
Bereits im vergangenen Jahr gelang es einer Huthi-Rakete, die hochentwickelte israelische Luftabwehr zu überwinden und in der Nähe des Flughafens Ben Gurion einzuschlagen.
Iranische Unterstützung spielt zentrale Rolle
Die militärische Entwicklung der Huthis wäre ohne Hilfe von aussen kaum möglich gewesen.
Bereits vor acht Jahren fanden UN-Experten im Jemen Überreste von Raketen, Drohnen und anderem militärischem Material iranischen Ursprungs. Ein späterer UN-Bericht bezeichnete den Umfang der ausländischen Lieferung von Waffen, Technologie, Geld und Ausbildung an die Huthis als beispiellos.
Trotz dieser engen Verbindung zu Teheran verfolgen die Huthis allerdings auch eigene Interessen.
Zwischen 2015 und 2022 führten sie jahrelang Krieg gegen die von Saudi-Arabien unterstützten Kräfte im Jemen. Nun verlangen sie unter anderem ein Ende saudischer Luftangriffe sowie milliardenschwere Entschädigungen.
Iran hat inzwischen angeboten, zwischen beiden Seiten zu vermitteln.
Saudi-Arabien steht vor einem Dilemma
Für Riad gibt es keine einfache Reaktion.
Mehr Luftangriffe auf Huthi-Stellungen könnten deren militärische Infrastruktur schwächen, würden aber wahrscheinlich weitere Raketen- und Drohnenangriffe auf Saudi-Arabien provozieren.
Das wäre auch wirtschaftlich problematisch. Kronprinz Mohammed bin Salman versucht seit Jahren, sein Land als Standort für Tourismus, Technologie und internationale Investitionen zu etablieren. Wiederholte Angriffe auf Flughäfen, Energieanlagen oder Datenzentren könnten dieses Image beschädigen.
Wie sensibel die Lage ist, zeigte sich diese Woche beim World Petroleum Congress in Riad: Mehrere grosse Unternehmen blieben der Veranstaltung fern.
Auch eine Bodenoffensive gilt als wenig erfolgversprechend. Die Huthis sind kampferfahren, kennen das gebirgige Gelände und verfügen laut Schätzungen über bis zu 350'000 bewaffnete Kämpfer.
Selbst die USA konnten sie trotz einer siebenwöchigen Bombenkampagne im vergangenen Jahr nicht entscheidend schwächen.
Auch den USA fehlen Abwehrsysteme
Saudi-Arabien versucht deshalb, zusätzliche internationale Unterstützung zu organisieren. Pakistan hat Tausende Soldaten zur Verteidigung des Königreichs entsandt. Ägypten bietet ebenfalls Unterstützung an.
Mehr Raketenabwehrsysteme könnten aus Europa oder den USA kommen. Doch auch dort sind die Bestände begrenzt.
Ein Bericht des US-Verteidigungsministeriums warnte zuletzt vor Engpässen bei wichtigen Munitionsbeständen. Der Krieg gegen Iran habe Schwächen in der amerikanischen Rüstungsproduktion offengelegt.
Zudem zeigt sich US-Präsident Donald Trump bislang zurückhaltend gegenüber direkten amerikanischen Angriffen auf die Huthis.
Damit bleiben Saudi-Arabien vorerst nur schwierige Optionen: militärisch weiter eskalieren, noch stärker in die eigene Verteidigung investieren oder erneut auf Verhandlungen setzen.
Gerade darin liegt die Stärke der Huthis: Sie müssen Saudi-Arabiens milliardenschwere Luftabwehr nicht vollständig überwinden. Es reicht, wenn gelegentlich einzelne Raketen oder Drohnen durchkommen – und damit zeigen, dass selbst eine der bestgerüsteten Staaten der Region verwundbar bleibt. (mke)
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