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Rassismus

Sterbendes Opfer festgenommen: Rassismus-Debatte in Grossbritannien

Sterbendes Opfer festgenommen: Polizeifehler löst in Grossbritannien Rassismus-Debatte aus

03.06.2026, 09:3803.06.2026, 09:38
June 2, 2026, London, London, UK: Southampton locals organised a flash protest following the release of Police body-cam footage of the arrest and subsequent death of Henry Nowak. The 18 year old was h ...
Hunderte Menschen protestierten am Dienstag vor der zuständigen Polizeiwache.Bild: www.imago-images.de

Ein schwerwiegender Polizeifehler in Grossbritannien hat zu einer Debatte über angeblichen umgekehrten Rassismus und rechte Stimmungsmache geführt.

Hintergrund ist die Verurteilung eines 23-jährigen Mannes wegen Mordes in Southampton zu lebenslanger Haft. Der verurteilte Mann aus der Sikh-Gemeinschaft hatte im Dezember 2025 einen weissen 18-jährigen Studenten mit einem Messer tödlich verletzt, bevor er sich gegenüber der Polizei als Opfer eines rassistisch motivierten Angriffs darstellte.

In this image taken from PA Video, police and protestors clash during a protest following the death of Henry Nowak, a 18-year-old student stabbed to death with a Sikh kirpan ceremonial by Vickrum Digw ...
Im Rahmen des Protests kam es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.Bild: keystone

Wie in einem erschütternden Video einer Bodycam zu sehen ist, legen die Beamten dem sterbenden Mann Handschellen an, obwohl er mehrmals sagt, dass er niedergestochen wurde und nicht atmen kann. Ihm wird aber kein Glauben geschenkt. Er stirbt noch am Tatort.

Berechtige Kritik oder Stimmungsmache?

Vonseiten rechter und konservativer Politiker wurden als Ursache für den krassen Fehler rasch die Bemühungen um Rassismusbekämpfung ausgemacht. Liberale und linke Politiker hingegen witterten rechte Stimmungsmache.

Nigel Farage, der rechtspopulistische Chef der Partei Reform UK, die derzeit die Umfragen in Grossbritannien anführt, sah einen umgekehrten George-Floyd-Moment gekommen. Der Fall des schwarzen Mannes, der in der US-Metropole Minneapolis durch Polizeigewalt zu Tode kam, war ein Schlüsselmoment in der Black-Lives-Matter-Bewegung. In einem Videoaufruf auf der Plattform X prangerte Farage eine angebliche Zweiklassenkultur an, «in der die Rechte und Privilegien weisser Menschen weniger zählen als die ethnischer Minderheiten».

epa12940653 Reform Party leader Nigel Farage speaks at Havering Town Hall in London, Britain, 08 May 2026. Local elections took place across the United Kingdom on 07 May 2026. Early results show gains ...
Nigel Farage von Reform UK. (Archivbild)Bild: keystone

Der liberaldemokratische Abgeordnete Max Wilkinson warf Farage daraufhin vor, «eine Tragödie dazu auszunutzen, um Gemeinschaften in Grossbritannien auseinanderzubringen». Das sei «spaltend, gefährlich und fundamental unbritisch», so Wilkinson.

Sorge vor neuem Krawallsommer

Premierminister Keir Starmer bezeichnete den Fall als «furchtbar und schockierend» und begrüsste eine angekündigte Untersuchung durch die Aufsichtsstelle für Polizeiverhalten IOPC. Innenministerin Shabana Mahmood sagte bei einer Debatte im Unterhaus, die Untersuchung solle innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden. Sie warnte jedoch davor, «dass dieser Mord dazu führt, dass Gemeinschaften aufeinander losgehen.» Ähnlich hatte sich auch der Vater des Opfers vor Gericht geäussert, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete: «Wir wollen nicht, dass sein Tod dazu benutzt wird, noch mehr Spaltung, Hass oder Spannung zu schaffen.»

Rechtsextremist Tommy Robinson rief hingegen in einem wütenden Video-Appell zu einem Protest vor dem Polizeihauptquartier in Southampton auf. Er weckte damit Befürchtungen vor einem neuen Krawallsommer. Robinson hatte eine unrühmliche Rolle beim Anheizen rassistischer Ausschreitungen im Sommer 2024 gespielt. Damals wurden England und Nordirland wochenlang von gewaltsamen Ausschreitungen erschüttert.

Far-right agitator Stephen Yaxley-Lennon, known by his pseudonym Tommy Robinson speaks during an Unite the Kingdom rally in London, Saturday, May 16, 2026.(AP Photo/Kirsty Wigglesworth)
Britain London ...
Der rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson. (Archivbild)Bild: keystone

Laut Mahmood musste bereits ein Polizist mit seiner Familie umziehen, weil er Morddrohungen erhalten hatte, nachdem er fälschlicherweise mit dem Vorfall in Verbindung gebracht worden war. (sda/dpa)

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