International
Türkei

Mehrheit wackelt – Erdogan kündigt vorgezogene Wahlen an

Mehrheit wackelt, Opposition schäumt – Erdogan kündigt vorgezogene Wahlen an

22.01.2023, 21:2822.01.2023, 21:34

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, die für Juni geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen auf den 14. Mai vorzuziehen. Er danke Gott dafür, dass er die Wahl, die am 14. Mai stattfinde, mit den Erstwählern als Weggefährten bestreiten werde, sagte Erdogan am Sonntagabend nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu bei einem Treffen mit jungen Wählern im westtürkischen Bursa.

Bereits am Mittwoch hatte Erdogan den 14. Mai als Wahltermin ins Spiel gebracht. Die Wahlen gelten als Bewährungsprobe für Erdogan, der seit 20 Jahren an der Macht ist: 2003 wurde er zum Ministerpräsidenten gewählt, seit 2014 ist er Staatspräsident. Umfragen zufolge ist Erdogans Wiederwahl alles andere als sicher.

epa10413228 A woman shows to her child a picture of the Turkish President Recep Tayyip Erdogan in Istanbul, Turkey, 18 January 2023. President Erdogan announced that the presidential election could be ...
Seit 20 Jahren hat Erdogan in der Türkei viel Macht.Bild: keystone

Vorgezogene Wahlen können entweder mit 60 Prozent der Abgeordnetenstimmen im Parlament oder per Dekret durch den Präsidenten angeordnet werden. Im Parlament verfügt die regierende islamisch-konservative AKP Erdogans gemeinsam mit ihrem ultranationalistischen Partner MHP derzeit nur über eine einfache Mehrheit. Mit seiner Aussage machte Erdogan nun deutlich, dass er ein Vorziehen der Wahl im Alleingang anstrebt.

Damit dürfte Erdogan auch eine Diskussion um seine erneute Kandidatur weiter befeuern: Die Opposition argumentiert, Erdogan – der 2014 zum ersten Mal und 2018 zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden war – dürfe laut Verfassung nicht zum dritten Mal kandidieren. Eine dritte Kandidatur sei nur vorgesehen, wenn das Parlament vorzeitige Wahlen erzwinge.

Nach Ansicht der Regierung steht der Kandidatur Erdogans aber nichts im Wege. Sie hält dagegen, Erdogan sei 2018 nach einer Verfassungsänderung als erster Präsident in einem neuen Präsidialsystem gewählt worden. Seine vorherige Amtszeit zähle also nicht. Auch Verfassungsrechtler sind in der Frage zerstritten. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
TOGG – die türkische Antwort auf Tesla
1 / 18
TOGG – die türkische Antwort auf Tesla
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am 27. Dezember 2019 das erste türkische Elektroauto präsentiert.
quelle: epa / turkish presidential press offic
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Der türkische Präsident wollte eigentlich Fussballer werden
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nach Wahl: EU will Serbiens EU-Beitritt «voranbringen»
Spitzenvertreter der EU haben der serbischen Studentenliste nach deren Sieg bei der Parlamentswahl eine enge Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. «Wir sind bereit, Reformen in den Bereichen Rechtsstaatlichkeit, Medienfreiheit, Korruptionsbekämpfung und Stärkung demokratischer Institutionen zu unterstützen und gemeinsam daran zu arbeiten, Serbiens Weg in die Europäische Union voranzubringen», schrieben EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa in einer gemeinsamen Erklärung. Man gratuliere der Studentenliste zum Sieg bei den Parlamentswahlen.
Zur Story