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Türkei

Witze über Erdogan: Comedian drohen mehr als neun Jahre Haft

Witze über Erdogan: Comedian drohen mehr als neun Jahre Haft

Wegen Witzen in einer im Internet viral gegangenen Show hat ein Gericht in Istanbul eine Anklage gegen den türkischen Comedian Deniz Göktas zugelassen.
04.09.2026, 21:5504.09.2026, 21:55

Nun drohen Göktas bis zu neun Jahre und acht Monate Haft, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Deniz Göktas
Deniz Göktas könnten die Witze über den türkischen Autokraten Erdogan zum Verhängnis werden.

Die Anklageschrift der Istanbuler Generalstaatsanwaltschaft wirft dem 32-Jährigen unter anderem vor, Präsident Recep Tayyip Erdogan beleidigt, die Bevölkerung zu Hass und Feindschaft angestachelt sowie Straftaten und Straftäter gelobt zu haben. Anlass sind Äusserungen aus seinem am 24. Juni veröffentlichten YouTube-Special.

Staatsanwaltschaft: «Grenzen der Kritik überschritten»

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Göktas' Äusserungen über Erdogan in der Sendung hätten «die Grenzen der Kritik überschritten» und das «Ansehen und die Würde des Präsidenten in den Augen der Öffentlichkeit beschädigt». Göktas sagte in seiner Sendung:

«Ich habe Recep Tayyip Erdogan noch nie gemocht, nicht einmal für eine Minute in meinem Leben.»

Der Comedian sitzt seit dem 3. Juli in Untersuchungshaft. Ihm wird ausserdem vorgeworfen, Witze über Frauen gemacht zu haben, die mit islamisch-konservativer Badebekleidung im Meer schwimmen gehen. In der Anklageschrift heisst es zudem, Göktas habe sich lobend über eine kriminelle Gruppe geäussert. Er hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Das Gericht ordnete an, dass Göktas in Haft bleibt, und setzte den ersten Verhandlungstermin für den 28. September an.

Menschenrechtsorganisationen protestieren gegen den Fall

Das YouTube-Special wurde 14 Millionen Mal aufgerufen. Die Darbietung enthielt auch Witze über Religion sowie weitere gesellschaftliche und politische Themen und löste bei regierungsnahen Akteuren heftige Kritik aus.

Menschenrechtsorganisationen protestierten gegen den Fall. Sie sehen darin einen Angriff auf die freie Meinungsäusserung und den Versuch, abweichende Meinungen zu unterdrücken. (sda/dpa)

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