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Kritik an TV-Duell um Kanzlerschaft: Scholz gegen Merz – ohne Habeck

TV-Duell in Deutschland – ein Drama in 5 Akten

Zwei Tage nach der lebhaften Debatte rund um die Vertrauensfrage ist in Deutschland schon wieder Feuer unter dem Dach. Bundeskanzler Olaf Scholz soll ein geplantes TV-Duell beeinflusst haben. Grüne und AfD toben derweil, weil sie nur am «Ameisentisch» sitzen.
18.12.2024, 17:4418.12.2024, 18:40

Akt 1: Olaf Scholz

Hat er oder hat er nicht? Diese Frage geistert am Mittwoch durch den deutschen Blätterwald. Gemäss «Table Media» soll Noch-Kanzler Olaf Scholz Bedingungen aufgestellt haben, was seine Teilnahme an einer TV-Debatte bei den Fernsehsendern ARD und ZDF betrifft.

Scholz soll angekündigt haben, nur teilzunehmen, wenn die Sender ein Duell ausrichteten. Tatsächlich findet nun, anders als noch vor der Bundestagswahl 2021, ein Duell statt.

Am Montag haben die Sender kommuniziert, dass am 9. Februar, zwei Wochen vor der Wahl, SPD-Kanzler Olaf Scholz und CDU-Spitzenkandidat Friedrich Merz gegeneinander in den Ring steigen werden.

epa11782469 German Chancellor Olaf Scholz from the Social Democratic Party (SPD) attends the SPD's campaign presentation event for the 2025 federal elections in Berlin, Germany, 17 December 2024. ...
Hat Olaf Scholz Druck gemacht?Bild: keystone

Akt 2: Hässige Grüne

Den Grünen kommt darob die Galle hoch. So sagte Irene Mihalic, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, zum angeblichen Vorgehen von Scholz: «Das ist aus meiner Sicht erklärungsbedürftig.»

Viel mehr erzürnen sich die Grünen jedoch darüber, dass ihr Spitzenkandidat Robert Habeck nicht Teil der angekündigten TV-Debatte ist.

ARD und ZDF würden mit dem angedachten Duell Scholz/Merz in einen offenen Wahlkampf eingreifen, so die Parteichefin Franziska Brantner auf der Plattform Bluesky. Es brauche Chancengleichheit:

«Wer die Realität der Regierungsoptionen abbilden will, kann kein Duell aufsetzen.»
16.11.2024, Hessen, Wiesbaden: Franziska Brantner, designierte Bundesvorsitzende von B
Grünen-Chefin Franziska Brantner ist genervt.Bild: keystone

Um den Ärger der Grünen nachvollziehen zu können, braucht es einen Blick zurück. Vor der Bundestagswahl 2021 luden ARD und ZDF zu einem TV-Triell ein, mit CDU-Kandidat Armin Laschet, Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock und Olaf Scholz.

Diesen Fakt greift Habecks Sprecher denn auch auf: «Zur Erinnerung: Zum gleichen Zeitpunkt vor der Wahl 2021 lag die SPD in den Umfragen weit zurück – und dennoch planten ARD und ZDF von Anfang an ein Triell.»

epa09464163 (L-R) German Minister of Finance and Social Democratic Party (SPD) top candidate for the federal elections Olaf Scholz, Green party (Buendnis90/Die Gruenen, Alliance 90/The Greens) co-chai ...
Scholz, Baerbock und Laschet beim Duell 2021.Bild: keystone

Scholz nutzte seine Chance, machte mit der SPD in der Folge kräftig Boden gut und wurde als Nachfolger von Angela Merkel neuer Bundeskanzler.

Habecks Wahlkampfsprecher forderte die Sender dazu auf, ihre Pläne zu überdenken. Denn Habecks persönliche Umfragewerte seien gut. Etwas anders sieht es bei den Grünen als Partei aus. Da liegen sie mit 11,5 Prozent hinter Union, AfD und SPD auf Rang 4.

Akt 3: ARD dementiert

Vom «Tagesspiegel» auf die «Table Media»-Recherche angesprochen, dementiert eine ARD-Sprecherin eine Einflussnahme aus dem Scholz-Lager.

Es heisst: «Unser redaktionelles Konzept wurde vollständig unabhängig von jeglichen Bedingungen oder Einflussnahmen der Politikerinnen und Politiker entwickelt.» Man habe sich für Scholz und Merz entschieden, weil Ersterer Amtsinhaber und Zweiterer der aussichtsreichste Herausforderer sei. Zudem gebe es wenige Tage vor der Wahl eine «Schlussrunde» mit allen vier Spitzenkandidaten.

ARCHIV - 14.12.2024, Nordrhein-Westfalen, Essen: Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), l�chelt bei der Landesvertreterversammlung der CDU Nordrhein-Westfalen nach seiner Wahl zum Spitzenkandida ...
Friedrich Merz hat gut lachen. Der CDU-Mann ist aussichtsreichster Kandidat für das Amt des neuen Bundeskanzlers.Bild: keystone

Die Umfragen stützen die Argumentation der TV-Anstalten. Die CDU/CSU, derzeit in der Opposition, liegt mit aktuell 31,5 Prozent seit Längerem unangefochten an der Spitze.

Akt 4: Tobende AfD

Doch das vermag die Wogen nicht zu glätten. Erbost ist nebst den Grünen nämlich auch die AfD. Dort richtet sich der Groll aber ausschliesslich auf die Nichteinladung zum TV-Duell. Gemäss aktuellen Umfragen liegt die Alternative für Deutschland mit 19,5 Prozent derzeit auf Rang 2.

«Das Ganze ist natürlich eine Farce», lässt sich Spitzenkandidatin Alice Weidel zitieren.

Leader of right wing AfD Alice Weidel speaks during a plenary session at the German parliament Bundestag where he faces a vote of confidence, Berlin, Germany, Monday, Dec. 16, 2024. (AP Photo/Markus S ...
Alice Weidel ärgert sich über den Entscheid von ARD und ZDF.Bild: keystone

Ihr Sprecher sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP:

«Dass die AfD als Partei mit den aktuell zweitbesten Umfragewerten wieder in ‹Ameisenrunden› verschwinden soll, wird aktuell juristisch geprüft.»

Den Ärger der AfD verstärkt, dass sie bereits 2021 nicht zum TV-Triell mit CDU/CSU, SPD und Grünen gehörte.

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt sein, dass ARD und ZDF der AfD und den Grünen die TV-Präsenz in Form einer Polit-Debatte nicht gänzlich verwehren. Deren beiden Spitzenkandidaten, Alice Weidel und Robert Habeck, sollten sich in einem separaten Duell gegenüberstehen.

Dazu wird es jedoch nicht kommen, Habeck hat für diese Debatte abgesagt. Sein Wahlkampfsprecher lässt ausrichten: «Wir hatten ein solches Duell im Vorfeld klar ausgeschlossen und auch mitgeteilt, dass wir eine Einladung nicht akzeptieren werden.»

Vor der Vertrauensfrage: Das waren die hitzigen Reden im Bundestag

Video: watson/Emanuella Kälin

Die Tatsache, dass die beiden Sender dennoch eine Einladung ausgesprochen haben, sorgt bei den Grünen gleich wieder für rote Köpfe. Andreas Audretsch, Vizefraktionspräsident der Grünen, sagt: «Mit ihrer Ankündigung eines Duells, rund zwei Monate vor dem Wahltermin, greifen ARD und ZDF in einen extrem kurzen, intensiven und vor allem offenen Wahlkampf ein.»

Akt 5: Christian Lindner

Der FDP-Chef möchte gerne erben. Und zwar den Platz von Robert Habeck im TV-Duell mit Alice Weidel. Lindner schrieb auf X:

«Wenn der Platz frei ist, nehme ich ihn gerne. Man darf den Ideenwettbewerb mit der AfD nicht scheuen, wenn man deren Wähler zurückgewinnen will.»

Ob es so weit kommen wird, ist fraglich. Lindners Partei kämpft darum, überhaupt die 5-Prozent-Hürde zu erreichen. Ambitionen aufs Kanzleramt hegt sie keine.

epa11780784 Chairman of the Free Democratic Party (FDP), former German Finance Minister Christian Lindner delivers a speech at the meeting of the German Bundestag on the vote of confidence in the Chan ...
FDP-Chef Christian Lindner möchte gegen Alice Weidel antreten.Bild: keystone

Es sieht aktuell also danach aus, als dass es beim Duell zwischen Scholz und Merz bleibt. Es soll 90 Minuten dauern, bei beiden Sendern gleichzeitig ausgestrahlt und von Sandra Maischberger (ARD) und Maybrit Illner (ZDF) moderiert werden.

Ein zweites Aufeinandertreffen findet bei RTL, n-tv und «Stern» statt, dort sollen Pinar Atalay und Günther Jauch als Moderationsteam für ein gesittetes Aufeinandertreffen sorgen.

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