Fünf Briten wegen Terrorverdachts nahe US-Militärbasis verhaftet – das musst du wissen
Was ist passiert?
In der Nacht auf Sonntag gingen bei der Polizei Meldungen über verdächtige Männer und drei Fahrzeuge nahe der US-Militärbasis RAF Fairford ein. Kurz darauf wimmelte es von Einsatzkräften, berichten Anwohner.
Fünf Männer wurden verhaftet, sie stehen unter Terrorverdacht, gegen sie wird wegen Verstössen gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt. Rund 85 Haushalte im Umkreis von 400 Metern um den Stützpunkt mussten ihr Zuhause mitten in der Nacht verlassen und durften bis Montagmorgen noch nicht zurückkehren. Das Gebiet ist abgeriegelt, auch die drei verdächtigen Lieferwagen stehen noch an Ort und Stelle.
Eine Anwohnerin erzählt gegenüber BBC, wie sie in ihrer Strasse plötzlich «eine grosse Gruppe» vermummter Männer entdeckt hatte. «Als sie mich sahen, rannten sie weg, manche in ein Feld, manche Richtung Nachbardorf. Da realisierte ich, dass etwas sehr Aussergewöhnliches vor sich geht.» Da sie am Luftwaffenstützpunkt niemanden habe erreichen können, habe sie den Polizeinotruf gewählt und innert kurzer Zeit sei das Dorf voller bewaffneter Einsatzkräfte gewesen.
Wer sind die Verdächtigen?
Rasch kam die Vermutung auf, dass auf den Luftwaffenstützpunkt ein Anschlag geplant war. Allerdings ist unklar, wer dahinterstecken könnte. In Frage kommen könnten etwa der Iran oder Russland. Die Polizei macht dazu noch keine Angaben und hält sich aus strategischen Gründen sehr bedeckt, wie britische Medien berichten.
Verteidigungsminister Wes Streeting erklärte am Montagmorgen gegenüber BBC, dass er keine Verbindung zum Iran ziehe, er sei sich aber bewusst, dass der Iran und Konsorten «uns schaden wollen». «Wir wissen, dass sie unsere Demokratie hassen.» Über ein mögliches Motiv machte er allerdings keine Angaben.
Am Montagmittag gab die Anti-Terror-Einheit schliesslich bekannt, dass alle Verhafteten britische Staatsbürger seien, die in London lebten. Sie seien alle im Alter zwischen 20 und 25 Jahren. Das Motiv blieb weiterhin unklar. Die Anti-Terror-Einheit brauche Zeit, um gründlich und sorgfältig zu arbeiten, hiess es weiter.
Was ist über die Fahrzeuge bekannt?
BBC berichtet auch von Sprengstoffspezialisten und Robotern, die bei den verdächtigen Fahrzeugen gesichtet wurden. Diese wurden auch am Montag noch untersucht. Gemäss Guardian wurden im Innern selbst gebastelte Sprengstoffvorrichtungen gefunden.
Dem Bericht zufolge soll auf einem der Lieferwagen ein Schriftzug einer Treibstofffirma zu sehen sein. Diese dementiert jedoch jegliche Verbindung zum Fall und bedauert, dass das Firmenlogo ohne ihr Wissen missbraucht worden ist.
Was sagen die USA?
US-Präsident Donald Trump hat nach der Verhaftung der Verdächtigen erklärt, die Männer hätten «grossen Schaden» anrichten wollen. Die Zusammenarbeit mit Grossbritannien sei «grossartig» gelaufen.
Ein Satz erregte besondere Aufmerksamkeit. Der US-Präsident erklärte: «Wir hatten sie schon lange im Visier.» Ob das stimmt, ist nicht ganz klar. Es waren Anwohnende, die die Polizei informieren mussten, und die Männer kamen relativ nahe an den Stützpunkt heran. Verteidigungsminister Wes Streeting betonte hingegen, dass die Anwohnenden nicht das ganze Bild sehen würden, lediglich, was vor ihren Augen passiert war.
Am Montag wurde denn auch bekannt, dass nur wenige Stunden vor der Verhaftung Menschen nahe der Militärbasis dazu aufgefordert wurden, nach Hause zu gehen und Türen und Fenster zu schliessen. Der Informationsfluss sei aber sehr dürftig gewesen, die Menschen verunsichert.
Trump stellte zudem in Aussicht, dass schon «sehr bald» weitere Informationen über die Verdächtigen bekannt gegeben würden. Wann und was das sein wird, ist nicht klar.
Der Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford
Die US-Militärbasis befindet sich im Südwesten Grossbritanniens in den Cotswolds.
Schon im Kalten Krieg und im Golfkrieg diente der Stützpunkt als Militärbasis der USA. Er wird auch als Luftwaffenstützpunkt im Irankrieg benutzt, da er lange Landebahnen für schwere Bomber besitzt. Der damalige Premierminister Keir Starmer hatte im März entschieden, dass die USA ihre Stützpunkte auf britischem Boden für «Verteidigungsschläge» gegen den Iran verwenden dürften. Daraufhin wurden B1- und B-52-Bomber auf die Militärbasis verlegt.
Der Iran wiederum hatte betont, dass jeder, der den USA Angriffe von ihren Militärbasen aus erlauben würde, sich selbst zum Ziel mache.
Erst kürzlich soll die Bedrohungslage am Stützpunkt in Fairford auf die höchste Stufe gehoben worden sein, berichtet BBC. Auch an anderen Stützpunkten ist man nun in Alarmbereitschaft. US-Bürger in Grossbritannien wurden zudem zur Wachsamkeit aufgerufen. Auf britischem Boden befinden sich über ein Dutzend US-Militärbasen.
