Darum investiert Elon Musk Hunderte Millionen Dollar in die Midterms 2026
Jahrzehntelang waren Wahlen in Texas für die Republikaner eine sichere Sache. Wer dort antrat, gewann den Bundesstaat letztlich auch. Doch diese Gewissheit wackelt nun. Bei den anstehenden Zwischenwahlen droht der Partei die erste Niederlage bei einer landesweiten Wahl in Texas seit über 30 Jahren.
Denn im Kampf um einen der beiden texanischen Senatsplätze führt in Umfragen aktuell der Demokrat James Talarico. Doch die Republikaner geben sich noch nicht geschlagen und versuchen vor allem mit enormem finanziellem Aufwand dem republikanischen Kandidaten Ken Paxton doch noch zum Sieg zu verhelfen.
Die Unterstützer werden dabei von einem überaus Prominenten Namen angeführt: Elon Musk. Der reichste Mann der Welt investierte zuletzt 158 Millionen Dollar, die Paxton zugutekamen. Warum investiert er solche enormen Summen in den Kampf um einen einzelnen Senatsplatz?
Ausgaben in unbekannten Dimensionen
Musk zeigt sich momentan grundsätzlich äusserst spendierfreudig. Für die Midterms spendete er insgesamt bereits über 366 Millionen Dollar an verschiedene Super-Pacs, politische Aktionskomitees, die Wahlspenden annehmen und weiterverteilen. Das war mehr als für den gesamten Präsidentschaftswahlkampf 2024, damals waren es 290 Millionen Dollar. Auch wenn die jüngsten Spenden lediglich 0,5 Prozent seines Vermögens ausmachen, sind die Summen dennoch enorm, vor allem im Hinblick auf Texas.
Musk überwies im September zwei Spenden in Höhe von 75 und 83 Millionen Dollar an den wichtigsten Super-Pac der republikanischen Senatoren, den Senate Leadership Fund. Beide Male stellte der Super-Pac am darauffolgenden Tag einen Scheck über die exakt gleich Summe an Texas Pac aus – eine Gruppe, die der Senate Leadership Fund zur Unterstützung von Paxton gegründet hatte.
Zwar ist nicht eindeutig nachzuvollziehen, ob es wirklich Musks Geld ist, das dort weitergeleitet wurde, ohne Musks Zutun wären aber kaum solche Summen an Paxton geflossen. Ferner spendete Musk zehn Millionen Dollar an ein separates Super-Pac, das Paxton unterstützt. Mit dem Geld wurde Fernsehwerbung für den Republikaner geschaltet. Dazu kommen weitere Millionen für Musks eigenes Super-Pac, das ebenfalls im Texas-Wahlkampf mitmischt.
Paxton mit dubioser Vergangenheit
Paxton und Musk hatten bereits in der Vergangenheit miteinander zu tun. Als Generalstaatsanwalt von Texas ermittelte Paxton früher gegen Musks Gegner wie die liberale Organisation «Media Matters». 2023 wurde ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eröffnet, nachdem ihm Bestechlichkeit, Behinderung der Justiz und dem Missbrauch öffentlicher Mittel im Zusammenhang mit der Verschleierung einer ausserehelichen Affäre vorgeworfen wurden.
Zuvor war Paxton lange Zeit Mitglied im texanischen Repräsentantenhaus und Senat, ebenso wie seine frühere Ehefrau, von der er sich 2025 nach ständigen gegenseitigen politischen Angriffen scheiden liess. Bei der Vorwahl für den Senatsposten setzte er sich dabei gegen den langjährigen Senator John Cornyn durch, nachdem US-Präsident Donald Trump ihn öffentlich unterstützt hatte. Doch das Verhältnis hat sich verschlechtert. Zuletzt wurde eine Tonaufnahme öffentlich, in der Paxton Trump aufgrund des Iran-Kriegs eine Mitschuld an den schlechten Umfragen gibt.
Für Musk ist der Ausgang der Senatswahl in Texas deshalb so entscheidend, weil er selbst in der dortigen Hauptstadt Texas lebt. SpaceX, Tesla und mehr als 90 weitere von Musks Firmen haben ihren Hauptsitz in dem Bundesstaat. Zuletzt liess es mit Starbase sogar eine eigene Stadt in Texas bauen.
Steuern und Anti-Wokeness
Für Musk war Texas die ideale Wahl. Hier hab es quasi eine Garantie, dass Republikaner die Entscheidungen treffen, die Steuern sind deutlich niedriger als etwa in Kalifornien, wo zahlreiche andere Tech-Firmen im Silicon Valley sitzen.
Doch Musk geht es nicht nur um seinen finanziellen Vorteil, es geht ihm auch um die Bekämpfung «woker» Politik. Musks eigenes Super-Pac schaltete auf Facebook ein Video, das eine Transfrau zeigt. Dazu heisst es:
Zudem schickte er 3000 Leute durch Texas, um die Stimmung zu beeinflussen. Sie verteilen unter anderem Broschüren, die warnen: «Radikale Demokraten gewinnen Wahlen in ganz Amerika. Könnte Texas als Nächstes dran sein?» Musks Wut in diesem Bereich kommt offenbar aus persönlicher Motivation, schliesslich lebt seine Tochter Vivian Wilson offen als Transperson und kritisiert ihren Vater immer wieder für dessen Einstellung. Beide reden nicht miteinander. Musk hatte in der Vergangenheit bereits angedeutet, dass die Entscheidung seiner Tochter zu einem verstärkten politischen Engagement geführt habe.
Musk schiesst auf X gegen Paxton-Gegner
Offenbar davon angetrieben, mischt sich Musk nicht nur finanziell, sondern auch mit Äusserungen in den Wahlkampf ein und schiesst auf seinem Netzwerk X wiederholt gegen Paxtons Gegners Talarico. So verbreitet er etwa die Verschöwungstheorie, der Demokrat habe sich kürzlich in eine psychiatrische Einrichtung in Ohio begeben und behauptet: «Das Talarico-Team sagt nicht ehrlich, was passiert.» Dabei hielt sich der Politiker nachweislich grippekrank in seinem Haus in Texas auf.
Dazu behauptet ein Flugblatt seines Super-Pacs, Talarico verfolge eine «radikale Transgender-Agenda». Laut dem Medienbeobachtungsunternehmen AdImpact verurteilt die meistgeschaltete Anzeige von America PAC in Texas Talarico für seine früheren Äusserungen, wonach «Gott nicht-binär» sei.
Und so hoffen die Republikaner, dass sich das Blatt in Texas doch noch wendet – mit Musk, Geld und Hetze.
Verwendete Quellen:
- stern.de: Der reichste Mann der Welt ist er schon. Doch das genügt ihm nicht (kostenpflichtig)
- cbsnews.com: Elon Musk donates over $150 million to Senate GOP group, assisting Ken Paxton (englisch)
- nytimes.com: Most of Ken Paxton’s Money Can Be Traced to One Man: Elon Musk (englisch)
- nytimes.com: Inside Elon Musk’s $276 Million Midterm Rescue Mission for Republicans (englisch)

