«Wütend und verwirrt»: Christa Pike darf vorerst leben ‒ doch ihre Zukunft ist ungewiss
Wird morgen ein neuer Hinrichtungsentscheid für Christa Pike veröffentlicht? Diese Frage bleibt auch nach der Anhörung vom Mittwoch unbeantwortet.
Entscheiden könne darüber lediglich der Supreme Court, der Oberste Gerichtshof, in Tennessee, sagte Staatsanwalt Will Ayers während der Anhörung. Aktuell lasse sich nur sagen, dass derzeit keine weitere Hinrichtung angeordnet sei.
Eine solche würde voraussetzen, dass Pike den Grund für ihre Bestrafung rational nachvollziehen kann ‒ ihr Gesundheitszustand dürfte dafür also entscheidend sein. Ebenfalls unklar ist, ob die Vollzugsanstalt in Tennessee eine solche Hinrichtung überhaupt professionell durchführen kann.
Richterin ordnet Beweissicherung an
Ein erstes Zugeständnis hat eine Richterin am Mittwoch allerdings gemacht. Sie werde den Bundesstaat anweisen, das Beweismaterial zur gescheiterten Hinrichtung möglichst umfassend zu sichern.
Das soll sowohl physische Beweise wie Infusionsschläuche, Spritzen und medizinische Dokumente als auch jegliche Kommunikation und Überwachungsvideos rund um die Hinrichtung umfassen. Eine schriftliche Anordnung soll bald folgen. Dies sei relevant, sollte Pike eine zukünftige Hinrichtung anfechten müssen, erklärte Anwalt Luke Ihnen vor Gericht.
Eine Woche nach ihrer gescheiterten Hinrichtung sei Christa Pike seit Dienstagabend wieder bei Bewusstsein und könne eingeschränkt sprechen, teilten ihre Anwälte mit. Die 50-Jährige sei sich der Geschehnisse bewusst, sagte Rechtsanwalt Randy Spivey nach dem Gerichtstermin in Nashville. Er beschrieb Pike als «wütend und verwirrt».
Ihre ersten Worte nach dem Aufwachen im Krankenhaus seien gewesen: «Wo bin ich und wer seid ihr». Sie sei sich jedoch im Klaren darüber, dass der Staat versucht habe, sie hinzurichten.
Christa Pike, a death row inmate who was subject to a failed execution attempt in Tennessee last week, is conscious and “speaking limitedly” from her hospital bed, her attorney Luke Ihlen said in court Wednesday. Ihlen said Pike had been unable to communicate with her legal team or medical staff until Tuesday, “and without her consent, we are unable to bring a new lawsuit.” “We have not been authorized by our client to pursue a new cause of action,” he added.
— CBS News (@CBSNews) October 7, 2026
Die verurteilte Mörderin habe ein Blutgerinnsel in einem ihrer Arme und könne keinen ihrer beiden Arme bewegen. «Wir wissen nicht, ob und inwieweit sie die Funktion ihrer Arme wiedererlangen wird», sagte Spivey. Ausserdem sei Pike an einer Lungenentzündung erkrankt und werde ernährt. Sie habe einen langen Weg der Genesung vor sich.
Weitere Hinrichtungen mit demselben Medikament werden angefochten
Pike wird weiterhin medizinisch versorgt, nachdem sie zwei eigentlich tödliche Dosen des Medikaments Pentobarbital überlebt hat. Das Death Penalty Information Center erklärte, Pike sei der einzige Mensch, der eine tödliche Injektion im Rahmen einer Hinrichtung überlebt habe.
Ihren Anwälten zufolge kann Pike ihre Arme nach wie vor nicht bewegen und auch nicht schlucken. Ihre Prognose sei unklar, und ihr Weg zur Genesung sei noch lang. Durch die versuchte Hinrichtung habe sie Verbrennungen an den Armen erlitten. Derzeit sei sie an ihr Krankenhausbett gekettet.
Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe der Universität von Tennessee in Knoxville über längere Zeit gefoltert und schliesslich getötet worden. Ein Antrag des medizinischen Personals, Pikes Fesseln abzunehmen, wurde ihren Anwälten zufolge abgelehnt.
Der Bundesstaat Tennessee hat aufgrund des Falles entschieden, alle noch ausstehenden Hinrichtungen bis zum Jahresende vorerst auszusetzen. Auch in Texas fordern Anwälte nun einen Aufschub weiterer Hinrichtungen, welche mit demselben Gift vorgesehen gewesen wären. (leh/sda/dpa)
