Was wird jetzt aus Christa Pike? Diese 3 Szenarien werden diskutiert
Am Mittwoch vor einer Woche wurden der zum Tode verurteilten Mörderin Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee zwei Giftspritzen verabreicht. Die Hinrichtung scheiterte. Pike habe bei dem Hinrichtungsversuch schwere Schäden an den Armen erlitten, erklärten ihre Anwälte. Dennoch sei sie weiterhin mit Handschellen und Fussfesseln an das Krankenhausbett gefesselt.
Ihre Erholung sei «medizinisch beispiellos», hiess es in der Stellungnahme. «Sie ist die einzige bekannte Person, die einen vollständigen Hinrichtungsversuch in den USA überlebt hat. Christa ist eine Überlebende und wird ihre Genesung Tag für Tag angehen», erklärten die Anwälte. Pike war nach Angaben ihrer Anwälte zuvor bewusstlos gewesen und wurde in einem Krankenhaus im Raum Nashville im Bundesstaat Tennessee künstlich beatmet.
Die genaue Ursache für die gescheiterte Hinrichtung ist weiterhin unklar – und soll durch eine unabhängige Untersuchung geklärt werden. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer moderner US-Fall bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und der oder die Gefangene dennoch weiterlebte. Es ist deshalb auch unklar, wie es mit Pike weitergehen soll.
Für den Mittwochabend ist eine Anhörung im Fall Pike geplant. Diese drei Szenarien werden diskutiert:
Umwandlung der Strafe
Grundsätzlich ist die Todesstrafe mit der gescheiterten Hinrichtung nicht automatisch aufgehoben. Pikes Anwälte fordern nun aber eine Umwandlung der Todesstrafe in lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung. In ihrer neuen Stellungnahme bekräftigten sie nun die Forderung an Tennessees republikanischen Gouverneur, Bill Lee.
Lee ist letztendlich die Person, die über eine Umwandlung der Strafe entscheidet. Dieser hatte die letzte noch für dieses Jahr geplante Hinrichtung vergangene Woche abgesagt. Bereits im Mai musste Tennessee die Hinrichtung eines weiteren verurteilten Straftäters abbrechen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen.
Auch Amnesty International fordert, dass eine erneute Hinrichtung verhindert wird. «Gouverneur Lee muss sowohl Frau Pike als auch allen Personen im Todestrakt Gnade gewähren und ihre Strafen umwandeln. Ausserdem muss er ein unbefristetes Moratorium für alle Hinrichtungen einführen, nicht nur für einige Monate», schreibt Justin Mazzola, stellvertretender Forschungsleiter von Amnesty International USA in einem Statement.
Erneute Hinrichtung
Doch auch eine erneute Hinrichtung ist möglich. Die «New York Times» weist darauf hin, dass ihr Gesundheitszustand dafür entscheidend sein werde. Der Oberste Gerichtshof der USA habe die Hinrichtung von Personen untersagt, die den Grund für diese Bestrafung nicht rational nachvollziehen könnten, hält die Zeitung fest.
Wenn Pike wegen der Folgen des gescheiterten Hinrichtungsversuches dies also nicht mehr kann, dürfte der Bundesstaat auch keine weitere Hinrichtung vornehmen. Umgekehrt gilt allerdings auch: Wenn sich die 50-Jährige erholt, fällt dieses Argument gegen eine Hinrichtung weg.
Eine weitere Frage ist, ob die Vollzugsanstalt eine Hinrichtung überhaupt professionell durchführen kann. Verschiedene Experten meinen, dass die verpfuschte Hinrichtung sowie die Probleme im oben beschriebenen Fall klar dagegen sprechen.
Freilassung
Besonders auf Social Media wird nun teilweise auch eine Freilassung von Pike gefordert. Sie habe für ihr Verbrechen genügend Strafe erlitten. Eine komplette Aufhebung der Strafe ist aktuell aber sehr unwahrscheinlich. Auch die Anwälte von Pike haben eine solche bislang nicht gefordert. Dafür wäre eine weitgehende juristische Untersuchung oder ein ausserordentlicher Schritt der Exekutive (Begnadigung) nötig. Die gescheiterte Hinrichtung alleine bietet dafür aber keine konkrete Grundlage.
Der Fall Christa Pike
Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und schliesslich getötet worden. Pikes Hinrichtung wäre die erste einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.
Noch wenige Stunden vor dem Hinrichtungsversuch war unklar gewesen, ob die Todesstrafe überhaupt vollstreckt werden würde. Ein Bundesberufungsgericht hatte die Hinrichtung zunächst kurzfristig gestoppt. Pikes Anwälte wollten erreichen, dass sich die Gerichte erneut mit der Frage beschäftigen, ob schwere Missbrauchs- und Gewalterfahrungen aus ihrer Kindheit und psychische Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil ausreichend berücksichtigt worden waren.
Am Mittwoch wollen die Anwälte von Christa Pike vor die Medien treten. Die Pressekonferenz ist im Anschluss an eine Anhörung vor dem Gericht in Nashville geplant. (leo mit Material der sda)
