Vance distanziert sich von Trump – und bringt sich für 2028 in Stellung
Während Trump am Mittwoch durch den noch im Bau befindlichen Ballsaal des Weissen Hauses führte und von Kronleuchtern und Marmorböden schwärmte, beschäftigte sich sein Vizepräsident mit der politischen Zukunft der Republikaner.
JD Vance veröffentlichte auf X eine ungewöhnlich offene Analyse des Wahldebakels. Der Tenor: Nicht mangelnde Mobilisierung sei das Hauptproblem gewesen. Vielmehr hätten zahlreiche Menschen, die 2024 noch Trump und Vance gewählt hatten, diesmal für die Demokraten gestimmt.
«Der Grund, weshalb wir verloren haben, ist der Krieg»
Besonders deutlich wird Vance beim Krieg gegen den Iran. «Der Grund, weshalb wir verloren haben, ist der Krieg», schrieb er. Wer glaube, dass der Krieg den Verlust des Senats wert gewesen sei, solle dies offen sagen. Eine ehrliche Debatte über die Zukunft der Partei müsse aber bei diesem Thema beginnen.
Vance berief sich dabei auf einen von ihm geschätzten Meinungsforscher, der Trump-Wähler befragt habe, die diesmal zu den Demokraten gewechselt seien. Vier Punkte hätten deren Antworten dominiert:
- Den Krieg beenden.
- Lebenshaltungskosten und Inflation stärker bekämpfen.
- «America First» verfolgen.
- Das Verhältnis zu Israel verändern.
Damit setzt Vance zumindest teilweise andere Akzente als Trump. Der Präsident räumte zwar ebenfalls ein, dass der Iran-Krieg und die dadurch gestiegenen Benzinpreise die Republikaner Stimmen gekostet hätten. Gleichzeitig betonte er aber, seine Entscheidung nicht zu bereuen. Er würde erneut gleich handeln.
Einen offenen Streit vermieden beide bislang. Trump sagte über Vances Analyse, dieser habe «wahrscheinlich recht», und bezeichnete dessen Stellungnahme später als gut.
Blick auf 2028
Politisch bemerkenswert ist vor allem der Zeitpunkt. Vance gilt seit Längerem als möglicher republikanischer Präsidentschaftskandidat für 2028. Seine ausführliche Wahlanalyse wirkt deshalb auch wie der Versuch, sich früh als Stimme für die Neuorientierung der Partei zu etablieren.
Dabei ist Vance nicht allein. Auch Floridas Gouverneur Ron DeSantis meldete sich nach der Niederlage zu Wort und warnte vor langfristigen Folgen für die Republikaner. Laut CNN bezeichnete er das Resultat in Teilen des Landes als beinahe existenzbedrohend für die Partei.
Die Niederlage bei den Midterms könnte damit nicht nur die letzten beiden Jahre von Trumps Präsidentschaft verändern. Sie eröffnet auch den Kampf um die Frage, wer die Republikaner nach Trump führen soll. Vance hat seine Position dafür ungewöhnlich früh abgesteckt. (mke)
