«Muss besser werden»: Trumps neue Pressesprecherin irritiert nicht nur Journalisten
Knapp 15 Minuten dauerte der Auftritt von Katie Zacharia lediglich. Bei ihrer Einführungsrede schaute sie kaum auf und las alles ab. Generell wirkte sie sichtlich nervös und unsicher, verhaspelte sich auch mal. Schliesslich liess sie lediglich drei Fragen zu, bevor der Pressetermin auch schon wieder beendet war.
Das war ungewöhnlich: Ihre Vorgängerin Karoline Leavitt hielt normalerweise rund 45-minütige Pressetermine ab. Entsprechend reagierte die internationale Presse. «Nun, das war seltsam», beginnt David Smith vom Guardian seine Zusammenfassung der Pressekonferenz. Zacharia habe ihr Debüt «mit der ganzen Wärme, der Weisheit und dem politischen Geschick eines KI-Avatars» gegeben. Smith kommt zum Schluss: «Offensichtlich hat Trumps Kommunikationsteam neue und geschickte Methoden gefunden, Journalisten zu quälen.»
Immerhin: Auch Zacharia hatte nur lobende Worte für US-Präsident Trump. «Präsident Trump ist der familienfreundlichste Präsident, den wir je hatten.» Doch ihre Nervosität war kaum zu übersehen. Und als es um ihre eigene Familie ging, kam es zu einem Versprecher. «Die Vorstellung, einen Abend nicht mit meinen Kindern zu verbringen, ist unerträglich. Also mein Präsident – entschuldigen Sie, mein Ehemann – der ist gut.»
Shawn McCreesh von der New York Times fasst es im Lead seines Artikels zusammen: «Frau Zacharia las acht Minuten lang von einem Skript ab, rief nur drei Reporter auf und leistete sich einen peinlichen Fehler.» Die Pressekonferenz bezeichnet er als «holprig».
Während Zacharia bei den Journalisten mehr Fragen als Antworten zurückliess, schien der US-Präsident zunächst zufrieden. «Ich fand, sie war sehr gut», sagte Trump kurz darauf vor Reportern.
Und in einem Statement des Weissen Hauses heisst es schon im Titel, Zacharia habe «ein starkes erstes Pressebriefing» abgeliefert. Sie habe die Medienkonferenz «mit einer klaren Botschaft» eröffnet, habe «detailliert die Erfolge von Präsident Trump» ausgeführt und über ihre Familie sowie «die Unterstützung der Trump-Regierung für berufstätige Eltern» gesprochen.
Kritik von Mitarbeitenden des Weissen Hauses
Auch wenn die Stellungnahme des Weissen Hauses vollen Lobes ist, scheinen das nicht alle Mitarbeitenden zu teilen. So berichtete MS Now bereits am Abend, wie mehrere Quellen aus dem Weissen Haus anonym erklärten, das Briefing sei «schwierig» gewesen. «Sie muss viel besser werden, schnell, sonst wird sie Scaramuccis Rekord brechen», sagt eine Person.
Sie bezieht sich dabei auf Anthony Scaramucci, der Kommunikationsverantwortliche im Weissen Haus im Jahr 2017 unter Trump, der seinen Job nach nur elf Tagen wieder los war. Und selbst er reagierte auf Zacharias ersten Auftritt. Auf X retweetete er einen Post der politischen Gruppierung The Lincoln Project, die die Frage stellt, wer länger durchhält: Ein Kopfsalat oder Zacharia. Scaramucci kommentierte den Post mit: «Ich will, dass sie den Kopfsalat überdauert.»
I want her to get past the lettuce.
— Anthony Scaramucci (@Scaramucci) October 14, 2026
Auch CNN zitiert Berater und Mitarbeitende aus dem Weissen Haus, die das Pressebriefing unter anderem als «brutal» bezeichnen. Einige kritisieren, dass Zacharia derart rasch ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte. «Es gab keinen Grund, sie schon am zweiten Tag unvorbereitet da hin zu stellen», sagt ein Mitarbeiter. «Keine Frage, wir alle vermissen Karoline [Leavitt]», erklärt eine weitere Quelle.
Immerhin: Zacharia verkündete während der 15-minütigen Pressekonferenz tatsächlich auch Neuigkeiten: Auf eine Frage eines Reporters bezüglich der US-Botschafterin in Griechenland, der Käuflichkeit vorgeworfen wurde, sagte die 41-Jährige: «Wir haben Botschafterin Kimberly Guilfoyle gebeten zurückzutreten.»
