Die Wirtschaft wächst – trotzdem sind die Amerikaner vor den Midterms sauer
An nahezu jeder Tankstelle können US-Wähler derzeit sehen, was Inflation und internationale Krisen für ihren Alltag bedeuten. Nach Daten des Automobilverbands AAA kostete eine Gallone Normalbenzin am 2. November landesweit durchschnittlich rund 4,17 Dollar. Ein Jahr zuvor waren es gut 3,04 Dollar.
Reuters beschreibt die wirtschaftliche Stimmung unmittelbar vor den Midterms deshalb als ausgesprochen schlecht. Hohe Preise gehören zu den wichtigsten Sorgen der Wähler. Viele machen dabei auch Trumps Politik, darunter seine Zölle und den Iran-Krieg, für den Preisdruck verantwortlich.
Wirtschaftsdaten besser als die Stimmung
Dabei ist das wirtschaftliche Gesamtbild keineswegs nur negativ. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,2 Prozent, Massenentlassungen sind bislang ausgeblieben und die Wirtschaft wuchs zuletzt aufs Jahr hochgerechnet um 3,4 Prozent. Investitionen in künstliche Intelligenz haben zusätzlich für Wachstum gesorgt.
Doch davon kommt bei vielen Haushalten wenig an. Seit Trump Anfang 2025 ins Amt zurückkehrte, sind laut Reuters sowohl Verbraucherpreise als auch Stundenlöhne um ungefähr 5,5 Prozent gestiegen. Die reale Kaufkraft hat sich damit kaum verbessert. Hypothekenzinsen von mehr als sieben Prozent verschärfen gleichzeitig die Probleme auf dem Wohnungsmarkt.
Besonders heikel sind die Treibstoffpreise. Der Iran-Krieg hat die Energieversorgung belastet und Öl verteuert. Im Oktober fiel Trumps Zustimmungswert in einer Reuters/Ipsos-Umfrage auf 31 Prozent. Nur 23 Prozent der Befragten waren mit seiner Wirtschaftspolitik zufrieden.
Trump steht selbst nicht auf dem Wahlzettel. Bei den Midterms entscheiden die Wähler jedoch darüber, ob seine Republikaner ihre Mehrheiten im Kongress behalten. Und während die makroökonomischen Daten teilweise solide aussehen, bleibt für Millionen Amerikaner die Rechnung an der Tankstelle eines der unmittelbarsten wirtschaftlichen Signale. (mke)
