Fairford-Verdächtige verrieten sich offenbar mit eigenem Notruf
Drei weisse Lieferwagen waren in der Nacht auf den 27. September in Richtung des Militärflugplatzes RAF Fairford im Südwesten Englands unterwegs. Der Stützpunkt wird von der US-Luftwaffe genutzt und spielte auch bei Angriffen gegen den Iran eine Rolle.
Um 0.45 Uhr ging bei der Polizei eine Meldung über die verdächtigen Fahrzeuge ein. Fünf Männer wurden wenig später festgenommen. Die britische Anti-Terror-Polizei bestätigte, dass gegen sie unter anderem wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Tat ermittelt wird.
Brisant ist nun eine Recherche der «New York Times»: Demnach soll ausgerechnet einer der Männer in den Transportern selbst den Notruf gewählt haben. Weshalb, ist bislang unklar. Ermittler versuchen weiterhin zu rekonstruieren, was die Gruppe in jener Nacht tatsächlich vorhatte.
Ermittler sprechen von «ahnungslosen Deppen»
Nach Informationen der «New York Times» hatten westliche Geheimdienste bereits rund zwei Wochen zuvor Hinweise auf einen möglichen, vom Iran unterstützten Angriff auf RAF Fairford erhalten. Die Informationen waren allerdings vage. Weder ein konkreter Zeitpunkt noch genaue Angaben zu den möglichen Tätern waren bekannt.
Ein mit dem Fall vertrauter Beamter bezeichnete die festgenommenen Männer gegenüber der Zeitung als «ahnungslose Deppen». Die Ermittler konzentrieren sich demnach auch auf die Frage, ob sie von anderen Personen angeworben oder gesteuert worden sein könnten.
Die britische Regierung spricht bislang lediglich von starken Hinweisen auf eine mögliche iranische Verbindung. Iran weist den Verdacht zurück. Auch die USA prüfen einen möglichen Zusammenhang mit Teheran.
Kein Sprengstoff gefunden
Der Einsatz löste zunächst Grossalarm aus. Rund 85 Häuser in der Umgebung wurden evakuiert, Spezialkräfte und Bombenentschärfer untersuchten die Fahrzeuge.
Die anfänglichen Befürchtungen bestätigten sich allerdings nicht. In den drei Lieferwagen fanden Ermittler keinen Sprengstoff, sondern lediglich eine Menge Benzin. Alle fünf Männer wurden bereits am folgenden Tag unter Auflagen auf Kaution freigelassen. Die Ermittlungen gegen sie laufen weiter.
Eine Anwohnerin berichtete zudem, in der Nacht mehrere maskierte Personen in der Nähe ihres Grundstücks gesehen und später ebenfalls die Polizei gerufen zu haben. Nach der inzwischen bekannten zeitlichen Abfolge dürfte ihr Anruf allerdings erst rund 50 Minuten nach der ersten Meldung erfolgt sein.
Warnungen vor Angriffen auf US-Stützpunkte
RAF Fairford war bereits vor dem Vorfall stärker gesichert worden. Laut «New York Times» hatten Geheimdienste Hinweise erhalten, wonach amerikanische Militäranlagen in Europa Ziel iranischer Vergeltungsaktionen werden könnten.
Der Iran hatte zuvor öffentlich davor gewarnt, dass Militärbasen, die für Angriffe auf iranisches Territorium genutzt würden, als legitime Ziele betrachtet werden könnten.
Was die fünf Männer bei Fairford tatsächlich planten und ob sie Verbindungen zum Iran hatten, ist weiterhin ungeklärt. Die britische Anti-Terror-Polizei bezeichnet die Untersuchung als «enorm komplex» und betont, dass gegen die Verdächtigen weiterhin ermittelt werde. (mke)
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