International
USA

Epstein-Skandal: Der «Prince of Darkness» stürzt Starmer in die Krise

Epstein-Skandal: Der «Prince of Darkness» stürzt Starmer in die Krise

04.02.2026, 21:5211.02.2026, 17:01
FILE - British Prime Minister Keir Starmer, right, talks with Britain's ambassador to the United States Peter Mandelson during a welcome reception at the ambassador's residence on Wednesday, ...
Der in Ungnade gefallene Peter Mandelson und Premierminister Keir Starmer (Archivbild, Februar 2025.Bild: keystone

Warum machte Grossbritanniens Premier Keir Starmer den Parteiveteranen Peter Mandelson trotz dessen bekannter Verbindungen zu Jeffrey Epstein zum britischen Botschafter in den USA? Antworten auf diese Frage erhoffen sich Kritiker des Regierungschefs von Dokumenten zum Ernennungsverfahren. Diese sollen veröffentlicht werden, wie das Unterhaus nun ohne Gegenstimmen beschloss.

Den durch schlechte Umfragewerte ohnehin angeschlagenen Labour-Politiker Starmer stürzt das tiefer in die Krise. Unter dem Druck der Opposition und Teilen seiner eigenen Fraktion hatte er bereits am Mittag im Parlament angekündigt, die Dokumente veröffentlichen zu wollen. Ausgenommen seien Informationen, die der nationalen Sicherheit des Landes oder dessen internationalen Beziehungen schaden könnten, schränkte er ein. Der Regierung gelang es, der Beschlussvorlage der Opposition vor der Abstimmung einen entsprechenden Passus anzufügen – nicht jedoch ohne vorher Zugeständnisse zum Auswahlprozess zu machen.

Mandelson wurde auch «Prince of Darkness» genannt

Trotzdem ist die Entwicklung für den Premierminister, der eigentlich über eine satte Mehrheit im Unterhaus verfügt, eine schwere Niederlage. Etliche seiner Parteifreunde erhöhten in der Debatte den Druck auf den Premier.

Der frühere Minister und EU-Kommissar Mandelson trat seinen Posten vor einem knappen Jahr an. Wegen seines skrupellosen Machtstrebens hatte er sich den Spitznamen «Prince of Darkness» eingehandelt. Und damals galt der skandalträchtige 72-Jährige als taktisch kluge Wahl, um britische Interessen bei US-Präsident Donald Trump durchzusetzen. Doch das war, bevor die Veröffentlichung von Epstein-Akten in den USA die Schlagzeilen dominierte.

«Er hat gelogen, gelogen und nochmals gelogen»

Nun betonte Starmer, er bereue die Entscheidung. Hätte er damals gewusst, was er heute weiss, wäre Mandelson nicht einmal in die Nähe der Regierung gekommen, beteuerte der Premier bei der wöchentlichen Fragestunde vor einem vollen Unterhaus mit vielen ernsten Gesichtern in der eigenen Fraktion.

Dass Mandelson den Kontakt mit Epstein auch nach dessen Verurteilung wegen der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen aufrechterhielt, war der Regierung vor dessen Berufung zum Botschafter jedoch bekannt, wie der Premier eingestehen musste. Mandelson habe ihn und andere jedoch in die Irre geleitet, was die Enge des Verhältnisses mit dem US-Multimillionär betraf. «Er hat gelogen, gelogen und nochmals gelogen», sagte Starmer.

Enge Verbindung zwischen Mandelson und Epstein

Der ehemalige Wirtschaftsminister und EU-Kommissar Mandelson taucht prominent in den Epstein-Akten auf. Die Nähe des ehemaligen Labour-Veteranen zu dem verstorbenen US-Multimillionär, der einen Missbrauchsring mit teils minderjährigen Opfern betrieben hatte, kostete ihn bereits seinen Botschafterposten. Kürzlich legte er auch sein Mandat im Oberhaus nieder und trat aus der Labour-Partei aus.

Die kürzlich vom US-Justizministerium veröffentlichten Akten zeigen, dass Mandelson deutlich enger mit Epstein verbandelt war als zunächst bekannt. So sollen er und sein Ehemann jeweils Zahlungen von mehreren zehntausend Pfund erhalten haben.

E-Mail-Verläufe legen sogar nahe, dass Mandelson während der Finanz- und Wirtschaftskrise sensible Informationen an den US-Investor weitergegeben haben könnte. Mandelson sass damals als Wirtschaftsminister am Kabinettstisch des früheren Premierministers Gordon Brown und galt als dessen faktischer Vize. Der Ex-Regierungschef (2007–2010) zeigte sich von den jüngsten Erkenntnissen schockiert und bat um eine Untersuchung.

Die Londoner Polizei kündigte an, gegen Mandelson zu ermitteln. An die Regierung richtete sie den Aufruf, keine Dokumente zu veröffentlichen, die die Ermittlungen beeinträchtigen könnten. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Diese prominenten Namen tauchen in den Epstein-Files auf
1 / 29
Diese prominenten Namen tauchen in den Epstein-Files auf

Donald Trump: Der US-Präsident pflegte jahrelang eine enge soziale und berufliche Beziehung zu Epstein.

quelle: archive photos / davidoff studios photography
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
Das sind die besten Städte der Welt – auch die Schweiz ist vertreten
Von Kultur bis hin zu modernster Technologie: Der Global Cities Index 2026 zeigt, was die besten Städte zu attraktiven Orten macht. Vertreten ist auch die Schweiz.
Was macht eine Stadt zur besten Stadt der Welt? Geht es nach dem Global Cities Index von Oxford Economics geht die Antwort auf diese Frage weit über den wirtschaftlichen Einfluss oder die schöne Architektur hinaus. Der Index bewertet 1000 Städte nach fünf Kriterien: Wirtschaft, Demografie und Bildung, Lebensqualität, Umwelt und politische Stabilität. Mehr zu den Kriterien findest du unten, aber erst willst du wahrscheinlich die Top 10 sehen und gleich selbst bewerten, welche Schulnote (1 bis 6) du der Stadt geben würdest:
Zur Story