International
Wahlkampf

Rumen Radew siegt bei Wahlen in Bulgarien

Russlandfreundlicher Ex-Präsident siegt bei Wahlen in Bulgarien

20.04.2026, 16:03

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien hat die Wahlallianz von Ex-Staatschef Rumen Radew klar gewonnen.

Der als russlandfreundlich geltende Ex-General konnte rund 44,6 Prozent der Stimmen am Sonntag auf sein Bündnis Progressives Bulgarien (PB) vereinigen. Damit dürfte PB die absolute Mehrheit im 240 Sitze umfassenden Parlament haben.

Foto mit Putin

Radew zeigte seine Nähe zu Russland auch im Wahlkampf. In einem Video bei einer Wahlversammlung zum Abschluss seiner Wahlkampagne in der Hauptstadt Sofia war etwa eine Sekunde lang ein Treffen Radews mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu sehen.

Dieses Foto soll Wahlexperten zufolge das Wahlergebnis von zwei politischen Gruppierungen verbessert haben – ausser Radews Allianz PB auch des liberal-konservativen proeuropäischen Verbands PP-DB. Dieser schnitt bei der Neuwahl als drittstärkste Kraft mit rund 12,7 Prozent der Stimmen ab. Im Gegensatz zu Radews Anhängern war PP-DB empört über das Foto. Es habe beiden Seiten «Brennstoff gegeben», sagte der Soziologe Andrej Rajtschew im Fernsehsender bTV.

Russland-Freunde und Russland-Gegner in Bulgarien

Die bulgarische Gesellschaft ist in Bezug zu Russland historisch stark gespalten. Die einen sehen Russland als Befreier von den Türken und auch vom Faschismus. Für die anderen ist Russland ein Besatzer, der den Kommunismus in dem südosteuropäischen Land durchgesetzt hatte. Die Gegenüberstellung von Russland-Freunden und -Gegnern reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Der Ex-General und frühere Kampfjet-Pilot Radew war im Januar vom Amt des Staatspräsidenten zurückgetreten, um an der Wahl teilzunehmen. Die potenziellen Wähler seiner Allianz seien im linken, nationalistischen und prorussischen Spektrum zu verorten, schreibt die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in ihrem Länderbericht zur Abstimmung. Im Wahlkampf habe Radew sich nicht klar zu Russland positioniert, sondern die Wahrung nationaler Interessen innerhalb der Nato und EU betont.

Radew kein «bulgarischer Orbán»

«Es ist wenig wahrscheinlich, dass sich Radew zumindest bei seinen Beziehungen zu den europäischen Kollegen offen eine Rhetorik im Orbán-Stil aneignet», sagte die Leiterin des Büros des Europäischen Rats für Aussenpolitik in Sofia, Maria Simeonowa, der Internetzeitung mediapool.bg zufolge mit Blick auf den jüngst abgewählten ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Radews Kritik, vor allem an der finanziellen und militärischen Unterstützung der Ukraine oder an den Russland-Sanktionen, sei hauptsächlich an die heimische Zuhörerschaft gerichtet, so Simeonowa.

Als früherer Kampfjet-Pilot könnte Radew der militärischen Modernisierung und Stärkung der Verteidigungskapazität einen Vorrang geben. «Das sind Bereiche, in denen die Zusammenarbeit sowohl mit der EU als auch mit der Nato von substanzieller Bedeutung bleiben wird», sagte Simeonowa.

Radew will konkurrenzfähiges Europa

In der Wahlnacht umriss Radew, wie er sich Europa vorstellt. Europa müsse seine Konkurrenzfähigkeit wiederherstellen und die Deindustrialisierung stoppen, sagte Radew. Zudem sollte Europa ernsthaft darüber nachdenken, wie es seine Energieressourcen garantieren könne. Radew erwarte, dass Europa viel pragmatischer werde.

Was die von Russland angegriffene Ukraine betrifft, nimmt sich Radew den ungarischen Wahlsieger Péter Magyar zum Vorbild. In einem Fernsehinterview sagte Radew, Bulgarien werde sich, falls er Regierungschef werden sollte, nicht finanziell an Militärhilfen für die Ukraine beteiligen, aber Entscheidungen auf EU-Ebene darüber nicht blockieren. Die im Dezember 2025 zurückgetretene Regierung hatte einen deutlich proukrainischen Kurs verfolgt, den die Interimsregierung fortsetzte. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
«Rücksichtslos und gefährlich»– NATO verurteilt Russlands Vorgehen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Russland- oder Europa-Freund? Ex-General Radew gewinnt in Bulgarien wohl deutlich
Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Bulgarien zeichnet sich nach Hochrechnungen eine überwältigende Mehrheit für die Wahlallianz von Ex-Staatschef Rumen Radew ab.
Wie aus Angaben mehrerer Meinungsforschungsinstitute hervorgeht, kommt das Bündnis Progressives Bulgarien (PB) des als russlandfreundlich geltenden Ex-Generals auf bis zu 45 Prozent der Stimmen. Dies würde den Angaben zufolge bedeuten, dass sein Bündnis mit bis zu 140 Abgeordneten in dem 240 Sitze umfassenden Parlament über die absolute Mehrheit verfügen würde.
Zur Story