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Herztransplantation: Andrew trug sein Herz im Rucksack

Das Herz im Rucksack – trotz seines Handicaps bleibt Andrew ein Fitnessmodel

Anderthalb Jahre lang trug Andrew Jones alias AJ zwei grosse Akkus und einen kleinen Computer auf sich – sein Herz. Trotzdem verbrachte AJ die meiste Zeit im Fitnesscenter und arbeitete als Fitnessmodel
11.04.2017, 11:3411.04.2017, 11:37

Egal wo – ob am Hals oder am Handgelenk –, bei Andrew Jason war anderthalb Jahre lang kein Puls zu fühlen. «Ich bin ziemlich sicher der bestaussehende Zombie, den ihr je zu Gesicht bekommen werdet», lacht AJ in den ersten Sekunden eines Youtube-Videos aus dieser Zeit.

«Ich mag meine Narben, denn sie erzählen eine Geschichte, sie erzählen meine Geschichte.»
Andrew Jason

2015 wurde bei AJ eine chronische Erkrankung der Herzmuskulatur festgestellt. Sein Herz war auf eine kritische Grösse angeschwollen. Andrew musste mehrfach operiert werden, wobei sich herausstellte, dass sein Herz nie mehr funktionstauglich sein würde.

AJ brauchte dringend ein Transplantat. Damit war er jedoch nicht alleine. Gemäss dem United Network For Organ Sharing warten 120'000 Menschen auf eine Organspende. Täglich sterben 22 von ihnen.

«Viele Leute werden während des Wartens depressiv», erzählt AJ in den Videos auf seinem Youtube-Account. Doch er gab nicht auf. Er wollte auf nichts im Leben verzichten, seinem Handicap trotzen und seinem Job als Fitnessmodel weiterhin nachgehen.

Für seine Wartezeit kriegte AJ ein künstliches Herz, bestehend aus einem Rucksack mit zwei grosse Akkus und einem kleinen Computer drin.

«Wenn ich Abends zu Bett ging, steckte ich zuerst mein Handy am Strom an und danach mich selbst.»
Andrew Jason

Anfänglich war AJ noch sehr schwach. Sein Körper hatte durch die Operationen und die wochenlangen Spitalaufenthalte viel Muskelmasse eingebüsst – was in seinem Job einem Verlust an Kapital gleichkommt.

Über 55'000 Menschen schauten auf verschiedenen sozialen Netzwerken zu, wie sich AJ mit seinem kleinen «Live-Saving-Backpack» ins Leben zurück trainierte, wie er Klimmzüge meisterte, in unvorstellbarer Geschwindigkeit auf der Tretmühle lief und sich in ein muskelbepacktes Model zurückverwandelte.

«Wir brauchen ein schnelleres Laufbahn im Gym», schrieb AJ auf Instagram.

Nach über anderthalb Jahren als «lebender Zoombie» erreichte AJ letzthin eine wahre Glückspost. Es fand sich ein passendes Spenderherz für eine Transplantation.

Doch wer glaubt, AJ habe sich während seiner Wartezeit nur mit sich selbst und seinem Körper beschäftigt, liegt falsch. Er hat daneben eine Organisation für Herzpatienten aufgebaut und eine Kampagne gestartet: Hearts At Large, wie sich das Projekt nennt, bietet Hand – sowohl psychologisch als auch finanziell – für all jene, die sich im unangenehmsten Wartezimmer überhaupt aufhalten müssen: im Raum zwischen dem Tod und der Hoffnung auf eine Organspende.

Laut dem United Network For Organ Sharing kann ein Organspender bis zu acht Leben retten. Andrew Jasons Organisation hält deshalb laufend Vorträge und betreibt Kampagnen zur Bewusstseinssteigerung.

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