Leben
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Wer sich mit diesem Wodka besäuft, der tut was Gutes fürs Klima

Um umweltfreundlich zu leben, muss man nicht unbedingt verzichten, man kann auch schlemmen. Denn CO2 lässt sich zu nahrhaften Proteinen umwandeln – und zu Wodka.

Raffael Schuppisser / ch media



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Der Wodka der Marke «Air Co» wird CO2-negativ produziert. bild: ch media

Wer fürs Klima etwas tun will, der kann auf Fleisch verzichten, nicht mehr fliegen, ein paar Bäume pflanzen – oder sich mit Wodka der Marke Air Co besaufen. Das Getränk des New Yorker Start-ups wird nämlich ­lediglich aus CO2 und Wasser hergestellt. Während die Produktion einer herkömmlichen Flasche Wodka rund 6 Kilogramm Kohlenstoffdioxid freisetzt, werden für 7.5 Deziliter Air-Co-Wodka 0.5 Kilogramm CO2 aus der Luft gefiltert.

Wodka aus Luft? Das geht so: Der Luft wird das Treibhausgas CO2 entzogen. Gleichzeitig wird durch das Verfahren per Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Das CO2 wird unter Zuhilfenahme eines Katalysators mit Wasserstoff zu Alkohol verbunden – die Essenz des Wodkas. Auf ähnliche Weise wird auch synthetischer Treibstoff hergestellt, der in Zukunft klimaneutrales Fliegen ermög­lichen soll. Denn Ethanol, die gebräuch­liche Form von Alkohol, kann nicht nur Menschen antreiben (oder einschläfern), sondern auch Maschinen.

Ein Baum Pflanzen oder 25 Flaschen Wodka trinken

Da Air Co für die oben erwähnten chemischen Prozesse ausschliesslich erneuerbare Energie verwendet, hat das ­Getränk auf das Klima eine ähnliche Wirkung wie Bäume. Allerdings eine bescheidene. Eine ausgewachsene Buche entzieht der Atmosphäre pro Jahr 12.5 Kilogramm CO2. Dafür müsste man 25 Flaschen ­Wodka trinken.

Was einen vernachläs­sigbaren Nutzen für das Klima, aber gravie­rende Folgen für die eigene Gesundheit hätte. Klammert man den ökolo­gischen Fussabdruck gewisser tiefsibirischer Ethnien aus, so ist der Wodka für den Klimawandel ein bescheidenes Problem. Insofern wird die Welt mit dem ­Saufen von CO2-negativem Wodka nicht gerettet werden können.

Der Superfood der Zukunft: Proteine aus Kohlenstoffdioxid

Wobei das Attribut «CO2-negativ» irreführend ist. Wenn man den Wodka trinkt, stösst man das CO2 beim Atmen wieder aus. Im besten Fall ist der Wodka klimaneutral. Aber auch nur dann, wenn zu s­einer Erzeugung ausschliesslich erneuer­bare Energien eingesetzt werden. Wer den Wodka kosten will, muss nach New York. Da wird er in verschiedenen In-Lo­kalen ausgeschenkt.

Eine Flasche senden – über den Ozean an die Redaktion der «Schweiz am Wochenende» – wollte das Start-up nicht. Verständlich, schliesslich würde das die CO2-Bilanz ruinieren. Gemäss den Kollegen des US-Medienunternehmens CNBC soll das Getränk so wie ein «durchschnittlicher Wodka» schmecken.

Was der Zukunftsforscher Matthias Horx dazu sagt

Für den Zukunftsforscher Matthias Horx ist der Wodka nur der Anfang. «Von solchen Karbon-negativen Produkten werden noch viele auf den Markt kommen», ist er überzeugt. In der Schweiz unterstützt die Firma Climeworks den Getränkehersteller Coca-Cola darin, Valser-Wasser mit CO2 aus der Luft anzureichern, um den Sprudel ins Mineralwasser zu bringen.

Ausserdem verkauft das ETH-Spin-off­ CO2 an einen Gemüsebauern, der dieses in Gewächshäuser leitet, damit Gurken und Tomaten schneller wachsen.

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Solein ist ein Protein welches von der Firma Solarfoods aus CO 2 gewonnen wird. bild: ch media/Mikael Kuitunen

In Finnland will das Start-up Solarfoods ein Protein aus CO2 herstellen, das ähnlich wie Weizenmehl als Grundbaustoff für verschie­dene Nahrungsmittel dienen kann. Das aus der Luft abgeschnittene CO2 wird zusammen mit Wasserstoff – das ­wiederum mittels Elektrolyse aus Wasser gewonnen wird – und einigen Mineralien an Bakterien verfüttert. Sie produzieren in einem Fermentationsprozess Solein, das zu zwei Dritteln aus Protein besteht und zu einem Drittel aus Kohlenhydrat und Fett.

Pizza oder Pancake : Die Verwendung des neuen Proteins ist vielfältig

Damit eignet sich Solein bestens für eine Low-Carb-Diät. «Bisher haben wir erst Cookies und Pancakes damit her­gestellt. Sie haben wunderbar geschmeckt», sagt Pasi Vainikka, der CEO von Solarfoods. In Zukunft sollen damit auch Pizza gebacken, Müsli gemischt und Proteinriegel geformt werden. Von Luft kann man also tatsächlich satt werden.

Die Idee für Solein stammt ursprünglich von der Nasa und wurde von finnischen Wissenschaftlern entwickelt. Schliesslich liesse sich das Nahrungsmittel auch auf dem Mars herstellen – einem Unort, wo ­keine Kuh überleben und keine Kartoffel gedeihen würde. Doch bevor ­Solein Astronauten auf unserem Nachbarplanet satt macht, könnte es helfen, die Erde zu einem klimafreundlicheren Ort zu ­machen.

Solein ist ein Protein welches von der Firma Solarfoods aus CO 2 gewonnen wird. bild: ch media/Mikael Kuitunen

Bereits in zwei Jahren wollen Vainikka und sein Team das Nahrungsmittel auf den Markt bringen. Und zwar zum Preis von 5.50 Franken pro Kilogramm reinem Protein. Das ist zwar teurer als Discount-Pasta, aber viel günstiger als die gleiche Menge Protein in Form von Eiern oder Hackfleisch – geschweige denn Rindssteak.

Apropos Fleisch: Während ein Kilogramm Rindfleisch die Umwelt mit 45 Kilogramm CO2 belastet, entzieht ein Kilogramm ­Solein laut Angaben des Unternehmens der Atmosphäre 3.4 Kilogramm CO2. Man stösst es allerdings nach den Verzehr ­wieder aus.

Was die Organisation MyClimate dazu sagt

Die Organisation Myclimate findet solche klimaneutralen Lebensmittel «sehr interessant». Wie klimafreundlich sie wirklich seien, hänge aber davon ab, wie viel Energie bei der Produktion und beim Vertrieb aufgewendet werden muss.

«Es ist denkbar, dass die Klimabilanz weit besser ist als jene der traditionellen Landwirtschaft, die vor allem wegen Dünger, Landnutzung und Abholzung von Wäldern negativ ins Gewicht fällt», sagt Kai Landwehr von Myclimate. Einen enorm positiven ­Effekt hätte es, wenn man etwa Sojafelder durch synthetische Lebensmittelproduktion ersetzen würde und die damit frei ­werdende Fläche aufforsten würde.

Doch sind die Konsumenten wirklich bereit, ein Pulver zu essen, das ohne Zusatzstoffe geruchsneutral ist und in einer Fabrik produziert wurde? Und dies in einer Zeit, in der scheinbar nichts über Bio geht? Daran zweifelt der Chef von Solarfoods, Pasi Vainikka, nicht: «Egal, ob man einen Pancake aus Mehl oder Solein backt, der Konsument wird keinen Unterschied feststellen.» (aargauerzeitung.ch)

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pümpernüssler 27.01.2020 13:22
    Highlight Highlight Wodka? Das ist einfach synthetischer Alkohol.
  • djohhny 26.01.2020 12:17
    Highlight Highlight Ab jetzt Vodka in den Tank?
  • MartinZH 26.01.2020 11:01
    Highlight Highlight Aha, jetzt geht es sogar noch um "klimaneutrale Lebensmittel". 🤔 Wie weit soll das eigentlich noch gehen? Was kommt als nächstes? Das ist doch nur noch dekadent!

    Denkt man diesen gegenwärtig herrschenden Zeitgeist weiter, bleibt schlussendlich eigentlich nur noch die rationale Konsequenz, dass keine weiteren Kinder mehr geboren werden dürfen und sich die Menschheit langsam aber sicher selber abschafft.

    Damit wäre die "Klimaneutralität der Menschen" gewährleistet und das Klima wäre auf diesem Planeten vorläufig gerettet. Menschen schaden dem Klima, also weg damit, um schön sauber zu bleiben!
  • Glenn Quagmire 26.01.2020 10:59
    Highlight Highlight Friday Nights For Future!
  • leu84 26.01.2020 10:55
    Highlight Highlight Dann ist es sicher kein Wodka. Einfach ein CO2-Gesöff 😉
  • DasGlow 26.01.2020 10:10
    Highlight Highlight Damit auch die SVP-Schnapsnasen klimafreundlich trinken und hassen können?!
  • Antinatalist 26.01.2020 10:02
    Highlight Highlight Die Schweizer Politik faselt auch immer etwas von Neutralität. Und verkauft dann Rüstungsmittel an fragwürdige Abnehmer.
  • Bongalicius 26.01.2020 09:33
    Highlight Highlight Nicht zu vergessen, dass man beim Genuss des Vodkas den Inhalt vom Altglas trennt.

    Umweltschutz kann so einfach sein! 😉
  • ravendark 26.01.2020 09:08
    Highlight Highlight sorry, aber Wodka benutze ich nur als "Brennpaste".
    Kann man ja nicht saufen das Zeug.
    Ein vom Genuss verbanntes Wässerchen.
    Man säuft es nicht aus Genuss, sondern um sich die eigene Birne weich zu saufen. Aus Beobachtungen.
    Der Unterschied zu Brennsprit ist gar nicht so gross.
    Aber eine gute Flasche Wein ... das ist was Feines.
    • [Nickname] 26.01.2020 13:39
      Highlight Highlight Es ist keine Schande Spirituosen nicht zu vertragen, Rakia aus dem Balkan würde dich in diesem Fall wohl ins Nirvana katapultieren :)
    • ravendark 27.01.2020 11:35
      Highlight Highlight Danke für den Gesundheitstipp ! :-)
  • Nurmalso 26.01.2020 09:02
    Highlight Highlight Noch mehr furzen nach dem Vodka saufen ist auch nicht sooo cool fürs Klima
  • Triumvir 26.01.2020 08:44
    Highlight Highlight Und die Produktion, der Transport und die Entsorgung des Produktes ist natürlich total CO2-Neutral - wer‘s glaubt 🙄
    • Matrixx 26.01.2020 09:48
      Highlight Highlight Alles ist CO2-neutral, wenn man die Bilanzgrenzen nur genug falsch setzt 😉
  • Füdlifingerfritz 26.01.2020 08:31
    Highlight Highlight Wodka für's Klima und Krombacher für den Regenwald. Prost!
    • Remo85 26.01.2020 10:43
      Highlight Highlight Wenn Boris Jelzin noch leben würde, wäre das Klima gerettet....

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