Leben
Rassismus

Nach bizarrem Video: RTL wirft Xavier Naidoo aus der «DSDS»-Jury

epa07745020 German singer-songwriter Xavier Naidoo performs on stage during a concert at the Blue Balls Festival in Lucerne, Switzerland, 27 July 2019. EPA/ALEXANDRA WEY EDITORIAL USE ONY
Xavier Naidoo am Blue Balls in Luzern im Sommer 2019. Bild: EPA

Nach bizarrem Video: RTL wirft Xavier Naidoo aus der «DSDS»-Jury

11.03.2020, 19:10
Mehr «Leben»

Am Dienstag war auf YouTube ein Video aufgetaucht, in dem Sänger und «DSDS»-Juror Xavier Naidoo kryptisch über rechte Verschwörungstheorien spricht.

Er sagt unter anderem: «Eure Töchter, eure Kinder sollen leiden, sollen sich mit Wölfen in der Sporthalle umkleiden.» An anderer Stelle wird er deutlicher und spricht davon, dass «fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt.»

Naidoo gibt damit dieselbe rechte Verschwörungstheorie wieder, die der Attentäter von Hanau verbreitet hat: «Angenommen pro Tag im Schnitt ist ein Deutscher getötet worden von einem Ausländer (...)»

Es folgte ein Aufschrei der Empörung angesichts der Aussagen Naidoos.

RTL wirft Naidoo mit sofortiger Wirkung raus

Nun zieht RTL die Konsequenzen. Der Sender wirft Xavier Naidoo mit sofortiger Wirkung aus der Jury von «Deutschland sucht den Superstar». Schon an kommenden Samstag wird Naidoo nicht mehr am Jurypult sitzen, wie der Sender mitteilte.

Xavier Naidoo weist Vorwürfe zurück

Naidoo indes hatte die Rassismus-Vorwürfe gegen ihn vehement zurückgewiesen. Er schrieb am Mittwoch bei Facebook, seine Aussagen seien absolut falsch interpretiert worden. Zu den Hintergründen und der Entstehung des Videos äusserte er sich aber nicht.

Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit seien ihm völlig fremd, auch wenn er sich zuweilen emotional künstlerisch äussere, hiess es über Naidoo in einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite vom Mittwoch. «Ich setze mich seit Jahren aus tiefster Überzeugung gegen Ausgrenzung und Rassenhass ein. Liebe und Respekt sind der einzige Weg für ein gesellschaftliches Miteinander», wurde der Sänger dort zitiert.

In den Kommentarspalten zu dem Video werfen zahlreiche Nutzer dem Sänger Rassismus vor. Wer das Video wann ins Netz stellte, ist unklar.

Das Video lässt den Eindruck entstehen, dass es sich auch bei den anderen Äusserungen um fremdenfeindliche Verschwörungstheorien handelt. Besonderen Applaus erhält Naidoo für sein Video daher auch aus rechten Kreisen, die seine «deutlichen Worte» loben.

Die Vorgeschichte um Xavier Naidoo

Es ist nicht das erste Mal, dass Xavier Naidoo mit rechten Verschwörungstheorien in die Öffentlichkeit tritt. Bereits seit einigen Jahren sind seine Texte versehen mit Systemkritik, die immer mehr in Richtung Verschwörungstheorien abdriften.

2009 veröffentlichte Naidoo mit «Alles kann besser werden» ein Album, bestehend aus drei CDs. Die CDs waren jeweils mit «hell 1», «hell 2» und «dunkhell» betitelt. Auf der dritten CD «dunkhell» wird bereits im Intro gewarnt, dass sich der Hörer jetzt in einen Bereich begibt, in dem unschöne Wahrheiten ausgesprochen werden würden. In seinem Lied «Schiff Ahoi» auf besagtem Album zweifelt Naidoo die Geschichtsschreibung an.

"Was, wenn wir nicht die erste Hochzivilisation sind
Was, wenn wir nur ein müder Abklatsch davon sind
Lass mich davon singen, lass mich dir nah bringen
Was, wenn die Pyramiden schon 70.000 Jahre alt sind
Und was, wenn viele Daten in den Schulbüchernfalsch sind/

Denn Geschichte ist nur das, worauf man sich einigt
Unschöne Wahrheiten alle bereinigt
Neue Grenzen gezogen und Völker vereinigt
Mythen geschaffen und ran an die Waffen
Es gibt Länder zu erobern und Reiche zu schaffen»

Der Mythos, dass die Pyramiden nicht von Menschen geschaffen wurden, sondern von einer ausserirdischen Hochzivilisation, die vor mehreren Tausend Jahren auf der Erde gelandet ist, ist eine beliebte Verschwörungstheorie in rechten Kreisen.

Über die Jahre haben sich Naidoos Texte jedoch von esoterischen Verschwörungstheorien immer weiter nach rechts entwickelt. So fordert Naidoo 2012 in seinem mit Kool Savas veröffentlichten Song «Wo sind sie jetzt?» einen starken Führer:

«Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer?
Wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?
Wo sind unsere Kämpfer, unsere Lebensretter?
Unsere Fährtenspürer, wo sind sie jetzt?»

2014 trat Naidoo schliesslich bei einer Demonstration von Reichsbürgern vor dem Bundestag auf:

(lw/watson.de)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
265 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Balikc
11.03.2020 22:13registriert Oktober 2015
Xavier Naidoo wird ständig auf seine politische Meinung reduziert. Dabei geht gerne vergessen, dass seine Musik auch ziemlich Scheisse ist.

... darüber redet ja wieder keiner.

😆
968130
Melden
Zum Kommentar
avatar
Unicron
11.03.2020 19:36registriert November 2016
Warum hat man den überhaubt angestellt? Er ist ja nicht erst seit gestern eine umstrittene Figur.
542172
Melden
Zum Kommentar
avatar
Juliet Bravo
11.03.2020 19:18registriert November 2016
Was davon kann kann denn falsch verstanden werden?
Er suggeriert auch, das täglich ein Flüchtling einen Mord begeht, das ist total an den Haaren herbeigezogen.
512240
Melden
Zum Kommentar
265
Wir haben den italienischen Chart-Stürmer Mahmood getroffen
Mahmood tourt derzeit mit seinem dritten Album «Nei letti degli altri» durch Europa und ist am Freitag in der Westschweiz zu Gast. Für watson plaudert er aus dem Nähkästchen.

Einer seiner neusten Hits, der Song «Tuta Gold», der im Februar beim Sanremo-Festival vorgestellt wurde, erreichte 49 Millionen Views auf YouTube und über 70 Millionen Abrufe auf Spotify. Kurz nach seiner Veröffentlichung stieg der Track in den «Top 10 Debut Global Charts» der Plattform hinter Kanye West und Ty Dolla $ign auf den zweiten Platz. In Italien wurde der Song mit dreifach Platin ausgezeichnet.

Zur Story