Musig im Pflegidach

Carolina Mama @ Musig im Pflegidach, Muri

Carolina Mama @ Musig im Pflegidach, Muri

Wohlbefinden ist nicht an ein Zuhause gebunden

Seit 25 Jahren bringt die Musig im Pflegidach Musiker aus aller Welt nach Muri. Aus Leidenschaft für die Musik ist dabei eine besondere Familie entstanden: Künstler kommen, stehen auf der Bühne und ziehen danach weiter in die Welt. Doch ein Stück Muri nehmen sie mit, und zwar in ihren Herzen und in ihren Erinnerungen.
12.10.2026, 13:2815.10.2026, 13:28

Zu Gast bei “Familie” Musig im Pflegidach

Der Raum gestaltet sich wie eine kleine, gemütliche Jazz Bar. Wie man so schön sagt, klein, aber fein. Mit dem Eintritt begleitet einen das einladende, familiäre Ambiente. Verpflegung, Sitzplätze, Tische, das ganze Ensemble wartet auf ihre Gäste. Sobald die ersten Besucher ankommen, haucht auch die Lebendigkeit in die Veranstaltung ein. Wo man auch hinschaut, erfüllen stilvoll gewandte Mitmenschen die beschwingte, zugleich vertraute Szenerie. Der Eindruck inmitten einer Familienfeier zu sein, wird durch freundliche Gesichter unterstrichen. Sogar Besucher aus Lateinamerika fühlen sich zuhause. Wahrlich also bringt die Musig im Pflegidach Kultur verschiedenster Gesellschaften zusammen.

Hinweis
Die Autorinnen sind Schülerinnen an der Kantonsschule Wohlen. Im Rahmen ihresDeutschunterrichts verfassen die Schülerinnen und Schüler auch Konzertberichte,die in die Note einfliessen.

Ein Wir-Gefühl entsteht

An jenem Abend ist die Band, bestehend aus Lau Noah, Dario Bami und Tramel Levalle Campusano unter Leitung von Carolina Mama aufgetreten. Katalanische Sängerin, italienischer Gitarrist und chilenischer Perkussionist werden von der argentinischen Komponistin zu einem multikulturellen Erlebnis verbunden. Eine weite Weltreise ist nicht nötig, denn die Welt wird hier zu uns nach Muri gebracht.

Carolina Mama - "Tan Alta" @ musig im pflegidach, Muri

Nicht etwa wie bei grossen Konzerten ist man hier einer unter vielen, sondern man ist in unmittelbarer Nähe der Artisten. Diese Ansicht teilen sowohl Publikum als auch Musiker: “Wie im Wohnzimmer meiner Eltern.”- sagt Carolina Mama. Der Eindruck von Exklusivität bleibt das ganze Konzert über präsent. Die Musikschaffenden hantieren gekonnt mit perfekt ausgewogenen Musik- und Redeeinlagen und fesseln so das ganze Publikum. Aber auch die Musiker widmen dem Publikum ihre Aufmerksamkeit. Das Ergebnis: Ein Konzert als persönliche und wertschätzende Begegnung. Das Publikum bekommt dabei das Gefühl vermittelt, nicht nur Zuschauer, sondern selbst Teil des Geschehens zu sein.

Die Veranstaltung ist klein, die Wirkung gross. Die Zuschauer waren sichtlich gerührt: Unter ständigem Fluss von Emotionen fliesst auch manch Träne im Publikum. Der Anlass wird als “sehr emotional und rührend” beschrieben. Die Musizierenden verfügen über enorme Ausstrahlung, welche über den ganzen Raum strömt. Spannung wird aufgebaut und wieder aufgelöst. Elektrisierende Momente entstehen. Es ist Musik mit Erzählung. Eine hautnahe Wahrnehmung von Kunst in ihrer schönsten Entfaltung.

Wo Musik Stimme verleiht

Geschichte ist, was der Musik Tiefe und Bedeutung verleiht. Und das ist es, was Carolina Mama in ihren Texten ausdrückt. Einerseits macht sie auf melancholische, aber doch hoffnungsvolle Weise auf unterdrückte Frauen aufmerksam. Andererseits kritisiert sie jene, die an deren Schicksalsschlägen schuldig sind. Mit ihren musikalisch kunstvollen Erzählungen bedauernswerter Geschichten von Frauen aus aller Welt verleiht sie denjenigen eine Stimme, welche nie gehört wurden.

Darunter die berührende Geschichte von Amina, einem 16-jährigen Mädchen von Larache, Marokko. Nachdem sie mit dem Mann zwangsverheiratet wurde, der sie zuvor vergewaltigt hatte, nahm sie sich das Leben. Dadurch entstand in Argentinien die feministische Bewegung “Ni Una Menos”. Mit ihrer Leidenschaft zu Musik thematisiert sie die internationalen Unterschiede der Frauenrechte. Die Kunst, Leute verstehen zu lassen, worum es geht, obwohl diese nicht ihre Sprache verstehen, beherrscht sie sichtlich. Sie lässt nämlich auch ihre Kleidung sprechen. Weiss, welches für Unschuld, Frieden und Gedenken steht.

120 Prozent im Herzen

Nach einem Interview mit Stephan Diethelm wird klar, welche Prinzipien der Organisator mit voller Überzeugung vertritt und durchsetzt. Musiker, die halbherzig musizieren, werden nicht von ihm gewählt. Für ihn ist es entscheidend, dass die Leute für ihre Musik brennen und mit voller Leidenschaft dabei sind. „Die Energie, ihres Herzbluet und ihri ganz Inspiration, wo sie drileget, chunnt bi mer a.“- Stephan Diethelm wählt Leute, die wirklich spielen wollen, bereit sind mehr als 100 Prozent zu geben, nämlich 120 Prozent.

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quelle: patrick britschgi
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