Musig im Pflegidach

Von New York über Basel nach Muri: José Luiz Martins

José Luis Martins @ Musig im Pflegidach, Muri

Von New York über Basel nach Muri: José Luiz Martins

Der brasilianische Pianist José Luiz Martins und seine Band brachten im Pflegidach einen Abend auf die Bühne, der zwischen explosiver Energie und ruhigen Momenten wechselte. Martins, der heute in New York lebt, traf die Flötistin und Sängerin Alex Hamburger in Basel. Seither musizieren die beiden gemeinsam. Diese Vertrautheit war während des ganzen Konzerts spürbar. Das Publikum liess sich vom Tempo, den Solos und den spontanen Momenten mitreissen und applaudierte oft.
01.07.2026, 12:1703.07.2026, 12:17
Luca Crevenna

Ein rasanter Einstieg

Schon die ersten Sekunden des Konzerts waren sehr bemerkenswert. Ohne langes Zögern stürzte sich die Band in ein hohes Tempo. Klavier, Flöte, Bass und Schlagzeug wirkten dabei wie eng miteinander verbunden. Besonders José Luiz Martins am Piano strahlte eine fast unglaubliche Kontrolle aus.

Hinweis
Die Autorin ist Schülerin an der Kantonsschule Wohlen. Im Rahmen ihresDeutschunterrichts verfassen die Schülerinnen und Schüler auch Konzertberichte,die in die Note einfliessen.

Alex Hamburger brachte mit den hohen Tönen der Flöte zusätzliche Schärfe in den schnellen Einstieg. Nach einiger Zeit zog sie sich zurück und das Klavier rückte stärker in den Vordergrund. Das Tempo blieb hoch, doch der Wechsel zum Klavier als Hauptrolle bot einen neuen Blickwinkel auf das Geschehen. Gerade im engen Raum des Pflegidachs wirkte die Musik dadurch besonders mächtig. Die schnellen Läufe und impulsiven Rhythmen füllten den ganzen Saal.

Auch das Publikum reagierte sofort auf diese Energie. Viele nickten mit dem Kopf, Füsse tippten den Takt mit, manche lehnten sich nach vorne, stützten sich auf den Knien und bewegten sich zur Musik. Man merkte schnell, dass die Zuhörer die Musik nicht nur hörten, sondern sich von ihr mitziehen liessen.

José Luiz Martins - "Bala com Bala" @ musig im pflegidach, Muri

Die rhythmische Wende des Abends, oder auch nicht?

Der zweite Song, begann deutlich zurückhaltender. José Luiz Martins eröffnete das Stück mit einem warmen und leichten Solo am Klavier, namens Amanhã. Nach dem energiegeladenen Einstieg des Konzerts wirkte dieser Moment beinahe beruhigend. Die schnellen Bewegungen verschwanden für kurze Zeit, der Puls senkte sich wieder.

Nach und nach setzte Alex Hamburger ein. Erst mit einer kurzen verbalen Einleitung, dann mit leichtem Gesang, bevor auch Alex Browne am Bass und Dana Hawkins am Schlagzeug dazukamen. Die Musik blieb weich, ohne ihre Spannung zu verlieren. Gerade dieser langsame Aufbau machte das Stück besonders interessant.

Die ruhe Ansprache von Alex Hamburger wirkte nie aufgesetzt, sondern natürlich und passte regelrecht zu ihr. Dabei zeigte sich auch, wie erfahren die Musiker im Zusammenspiel mit einer Crowd sind. Die Zuhörer hörten aufmerksam zu, fast niemand bewegte sich noch. Der Raum wurde plötzlich ruhig, was sich jedoch schnell wieder änderte.

Musik, die einen mitreisst

Besonders eindrücklich war der vierte Song des Abends. Er begann unerwartet: José Luiz Martins spielte einige Töne falsch. Für einen kurzen Moment entstand Ungewissheit, wodurch die ganze Aufmerksamkeit aller Anwesenden wieder da war. Kurz darauf hin legten sie richtig los und das Lied entfaltete sich wunderschön.

Von allen Seiten kamen schnelle, impulsive Töne. Schlagzeug, Bass, Piano und Flöte trieben sich gegenseitig an. Das Tempo wirkte pausenlos. Während des Songs setzte plötzlich Gesang auf Portugiesisch ein. Er dauerte nur kurz, passte sich aber perfekt dem Rhythmus an und verlieh dem Stück ein neues Gesicht.

Gerade dieser Wechsel machte den Song so eindrücklich. Die Musik fühlte sich beinahe wie eine Flucht an. Die schnellen Töne liessen den Puls steigen und das Tempo schien einen regelrecht mitzuziehen. Gleichzeitig erzeugte der portugiesische Gesang Bilder einer kleinen Jazzbar irgendwo in Rio de Janeiro. Für einen kurzen Moment wirkte das Pflegidach weit entfernt von der Schweiz.

Eine Gruppe kann sich Raum geben

Immer wieder entstanden im Konzert kleinere Solomomente. Zum Beispiel das Klaviersolo am Anfang des Konzerts. José Luiz Martins spielte nicht nur technisch stark, sondern mit grosser Ruhe und Klarheit. Seine Soli wirkten nie wie reine Demonstrationen von Können, sondern immer als Teil der gesamten Stimmung, die die Gruppe rüberbringen wollte.

Auch Dana Hawkins bekam gegen Ende nochmals viel Raum. Das abschliessende Schlagzeugsolo brachte nochmals die ganze Energie des Konzerts zurück. Schnell und voller Bewegung bildete es einen passenden Abschluss für einen Abend, der ständig zwischen Energie und Ruhe wechselte.

Ein persönlicher Abend

Nach dem letzten Applaus blieb vor allem die Nähe dieses Konzerts in Erinnerung. Der kleine Raum und die direkte Interaktion mit dem Publikum machten den Abend speziell. Die Band spielte nicht einfach ihre Stücke herunter, sondern es ergaben sich auch Momente mit Applaus für die Gruppe zwischen den Stücken und kleinen Erläuterungen der Lieder.

Gerade dadurch wirkte das Konzert lebendig. Die Bandmitglieder liebten ihre Musik und genau so fest liebten sie es, dies den Menschen zu zeigen. Ein Abend, der im Herzen bleibt.

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