Panorama
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Rescued passengers from a ferry sinking off South Korea's southern coast, are escorted by rescue teams on their arrival at a port in Jindo, south of Seoul, South Korea, Wednesday, April 16, 2014. More than 100 people were still unaccounted Wednesday several hours after the ferry carrying 476, most of them high school students, sank in cold waters off South Korea's southern coast. (AP Photo/Yonhap, Park Chul-heung) KOREA OUT

Gerettete Passagiere der havarierten Fähre. Bild: Keystone

Fährunglück in Südkorea

Rettungskräfte rechnen kaum noch mit Überlebenden – Schweizer waren keine an Bord

Vor der Küste Südkoreas ist am Mittwoch eine Fähre mit über 450 Menschen an Bord in schwere Seenot geraten. Die südkoreanische Küstenwache hat bislang sechs Tote geborgen. Zahlreiche Personen werden noch vermisst. Die Rettungsaktion gestaltet sich schwierig. 



Insgesamt 459 Passagiere sollen an Bord der Unglücksfähre «Sewol» gewesen sein, darunter 325 Schüler und 14 Lehrer, die sich auf dem Weg zur Urlaubsinsel Cheju befanden. Gemäss Krisenstab des Ministeriums für Sicherheit und Öffentliche Verwaltung wurden am Mittwochabend noch 280 Passagiere vermisst. 10 weitere, insgesamt 174 Menschen seien gerettet worden. Die Rettungskräfte rechneten kaum damit, noch Überlebende zu finden. Wegen der Wassertemperatur von zwölf Grad und der Wassertiefe seien die Chancen sehr gering, zitierte die Zeitung «The Korea Herald» die Einsatzkräfte.

Dramatisches Video der Rettungsaktion. YouTube/RT

Nachdem die Besatzung am Mittwoch um etwa 9.00 Uhr einen Notruf abgesetzt hatte, lief eine grossangelegte Rettungsaktion an, an der sich mehr als 100 Schiffe und Flugzeuge der Marine und Küstenwache sowie Fischerboote beteiligten. Gemäss eines Reporters der Zeitung «Bild» waren 40 bis hundert Einsatzkräfte vor Ort, mehrere Hubschrauber umkreisten das Schiff. Auf Fernsehbildern ist zu sehen, wie Mitglieder einer Spezialeinheit der Marine nach dem gesunkenen Schiff tauchten. Die Starke Strömung und schlechte Sicht unter Wasser behinderten die Rettungsarbeiten. 

Nach Angaben des koreanischen Ministerium für Sicherheit und öffentliche Verwaltung wurden bisher sechs Passagiere tot geborgen. Bei den Todesopfern soll es sich um ein Crew-Mitglied und zwei Schüler der Ausflugsgruppe handeln. Auf Twitter machen einige Koreaner ihrem Ärger Luft, dass die Rettungsaktion so schleppen vorangeht.

Vermutlich wird die Zahl der Todesopfer noch in die Höhe klettern. So sagt ein geretteter Passagier gegenüber dem Fernsehsender YTN: «Ich bin bis ganz am Schluss an Bord geblieben. Aber das Wasser ist so schnell hineingeströmt, dass nicht alle es hinaus geschafft haben.» Auch die Küstenwache geht davon aus, dass zahlreiche Passagiere und Besatzungsmitglieder im Innern der «Sewol» eingeschlossen sind.

Part of South Korean passenger ship

Ruhige See zum Zeitpunkt des Untergangs

Die Schüler, die an Bord waren, sind von einem Gymnasium in der bei Seoul gelegenen Stadt Ansan. Ihre Fähre hatte am Dienstagabend vom Hafen Incheon abgelegt, wie die staatliche Seefahrts- und Hafenbehörde Busan mitteilte. Sie war unterwegs zur südlichen Insel Cheju, die als Ferienparadies bekannt ist, und kenterte etwa 20 Kilometer vom Ufer der Insel Byungpoong entfernt. 

Die Ursache für die Havarie lag zunächst im Dunkeln. Mehrere Passagiere sprachen im Fernsehen von einem schweren Schlag, bevor das Schiff gestoppt habe. Experten vermuteten, dass das Schiff auf einen Felsen gelaufen sein könnte. Über die Wetterlage herrschte Unklarheit: Einige Medien berichteten, es sei zur Unglückszeit nebelig gewesen.  

Der Rundfunksender KBS berichtete unter Berufung auf einen Beamten der Küstenwache, dass das Schiff aus noch ungeklärten Gründen auf der vielbefahrenen Fährstrecke möglicherweise ausserhalb der normalen Route gefahren sei.

«Alle haben geschrien, viele haben geblutet.»

Die 6800-Tonnen-Fähre «Sewol» geriet am Mittwochmorgen in Seenot und setzte um 9 Uhr Ortszeit (2 Uhr MESZ) einen Notruf ab. Die Fähre sank sehr langsam. Die Küstenwache ging deshalb zunächst davon aus, dass die restlichen Passagiere rechtzeitig vom Schiff gebracht werden können. 

Die Crew habe die in Panik geratenen Passagiere wiederholt angewiesen, auf ihren Plätzen zu bleiben und sich nicht zu bewegen. Ein geretteter Schüler berichtet seinerseits, Gepäck und Warenautomaten seien ins Rutschen gekommen. «Alle haben geschrien, und viele haben ganz schlimm geblutet.» 

epa04168501 A handout picture provided by the South Korean Coast Guard shows a screen displaying a sinking ferry at sea near Jindo Island, South Korea, 16 April 2014. The ferry, with 450 people on board, was reported sinking off the south-western coast of South Korea while en route from the port of Incheon, west of Seoul, to Jeju Island on 16 April. The passengers were mostly secondary school students on a field trip to Jeju island. The Coast Guard dispatched patrol boats and aircraft for rescue operations are under way. At least one dead has been reported.  EPA/SOUTH KOREA COAST GUARD BEST QUALITY AVAILABLE HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Das untergehende Schiff aus einem Helikopter der südkoreanischen Küstenwache fotografiert. Bild: EPA/SOUTH KOREA COAST GUARD

Das Fernsehen zeigte Fotos eines um 45 Grad geneigten Schiffes, über dem Helikopter kreisten und das dann vollständig kippte. Passagiere wurden laut dem US-Sender CNN von den Rettungskräften aufgefordert, ins rund 12 Grad kalte Wasser zu springen und auf Rettung zu warten.  

Die bislang geretteten Passagiere wurden zur Nachbarinsel Jindo gebracht, wo sich stündlich immer mehr Angehörige einfinden. Staatspräsidentin Park Geun Hye drängte wegen der heranbrechenden Nacht zur Eile bei den Rettungsarbeiten. Sie sei «tief bestürzt», sagte Park. 

epa04169057 Anxious family members of missing passengers on ferry Sewol wait on seawall of Jindo-port on Jindo Island in the southwestern province of South Jeolla, South Korea, 16 April 2014. Rescue operation is still underway after ferry Sewol sank in waters off Jindo Island. Around 290 people are officially missing after the sinking of the South Korean ferry, national media reported on 16 April 2014.  EPA/JEON HEON-KYUN

Verzweifelte Gerettete auf auf der Nachbarinsel Jindo. Bild: EPA/EPA

Laut dem Eidg. Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks keine Schweizerinnen oder Schweizer an Bord des Schiffes. Dies hätten die südkoreanischen Behörden auf Nachfrage der Schweizer Botschaft in Seoul mitgeteilt. Bundespräsident Didier Burkhalter sandte laut dem EDA ein Beileidsschreiben an die südkoreanischen Behörden. (rar/oku/trs/sda/afp)

Quelle: YouTube/euronews

epa04168484 (FILE) An undated file picture made available on 16 April 2014 shows the Sewol vessel at sea, South Korea. The ferry, with 450 people on board on 16 April 2014, was reported sinking off the south-western coast of South Korea while en route from the port of Incheon, west of Seoul, to Jeju Island. The passengers were mostly secondary school students on a field trip to Jeju island. The Coast Guard dispatched patrol boats and aircraft for rescue operations are under way.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT - BEST QUALITY AVAILABLE

Die Unglücksfähre auf einer undatierten Aufnahme. Bild: EPA/YONHAP FILE

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Vom Klassiker bis zum Geheimtipp: Die 15 schönsten Fotomotive der Schweiz

Immer wieder sehen wir Fotos vom Eiffelturm, vom Big Ben oder vom schiefen Turm von Pisa in unseren Social-Media-Feeds. Aber wieso in die Ferne schweifen, wenn auch in der Schweiz atemberaubende Fotomotive zu finden sind? Wir stellen dir eine Auswahl der besten Orte zum Fotografieren vor.

Der kleine See verblüfft durch seine reiche Hochmoorlandschaft. Leicht versteckt hinter der ehemaligen Seitenmoräne eines verschwundenen Gletschers spriessen hier viele seltene Pflanzen. Das Gewässer ist …

Artikel lesen
Link zum Artikel