Was, wenn das richtige Medikament plötzlich fehlt?
Ob ein Medikament verfügbar ist, hängt von vielen Faktoren ab. Hinter jeder Packung stehen globale Lieferketten, Zulassungsprozesse, Preisentwicklungen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Lagerbestände.
Viele Wirkstoffe werden heute ausserhalb Europas produziert. Wenn es dort zu Produktionsproblemen, Rohstoffengpässen oder Verzögerungen kommt, kann sich das auch auf die Versorgung in der Schweiz auswirken. Gleichzeitig ist die Schweiz ein kleiner Markt. Für Hersteller stellt sich deshalb die Frage, unter welchen Bedingungen sie ein Produkt hier anbieten können – und ob sich dies langfristig lohnt.
Wenn ein Engpass zur Belastung wird
In der Schweiz sind aktuell rund 800 Medikamente von Lieferengpässen betroffen. Die Zahl allein klingt nicht nach viel und sie sagt nicht wie kritisch die Situation ist. Entscheidend ist, welche Medikamente fehlen, für welche Therapien sie eingesetzt werden und ob sie ersetzt werden können.
Manchmal ist ein Wechsel auf eine andere Packungsgrösse oder ein Generikum möglich. Häufig muss aber eine Therapie angepasst werden. Besonders anspruchsvoll ist das für Patientinnen und Patienten, die sicher auf ein Medikament eingestellt sind – etwa bei chronischen oder psychischen Erkrankungen sowie komplexen Behandlungen.
Für Ärztinnen und Ärzte, Apotheken und Spitäler bedeutet ein Engpass deshalb zusätzlichen Aufwand: Sie müssen Alternativen prüfen, Therapien anpassen und Risiken abwägen.
Früh wissen, was knapp wird
Je früher bekannt ist, dass ein Medikament knapp werden könnte, desto besser können alle Beteiligten reagieren. Dafür braucht es verlässliche Daten über betroffene Produkte, Dauer oder Alternativen.
Da solche Informationen jedoch sensibel sind, müssen Angaben zu Lagerbeständen oder kommenden Engpässen vertraulich behandelt werden. Nur so lassen sich Fehlanreize oder Hamsterkäufe verhindern, die die Situation zusätzlich verschärfen könnten.
Tiefpreislogik ist nicht zielführend
In der Diskussion um Medikamente steht häufig der Preis im Fokus. Doch eine reine Tiefpreislogik birgt Risiken – besonders in einem kleinen Markt wie der Schweiz. Wenn Produkte für Anbieter wirtschaftlich unattraktiv werden, ist die Gefahr gross, dass sie hier nicht mehr angeboten werden.
Bei älteren Medikamenten, kleinen Patientengruppen oder geringem Volumen kann der Markt schnell dünn werden. Ziehen sich Anbieter zurück, wird die Versorgung verletzlicher.
Versorgungssicherheit bedeutet deshalb, Preise, Qualität, Verfügbarkeit und Resilienz gemeinsam zu betrachten.
Es braucht Zusammenarbeit
Eine einfache Lösung gibt es nicht. Lieferengpässe entstehen entlang globaler Lieferketten, regulatorischer Vorgaben, wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und medizinischer Bedürfnisse.
Mögliche Ansätze sind frühere und bessere Informationen, koordinierte Daten, ein vertraulicher Umgang mit Lagerbeständen, resilientere Produktion, schnellere Zulassungsprozesse und Rahmenbedingungen, die mehrere Anbieter im Markt ermöglichen.
Klar ist: Behörden, Ärztinnen und Ärzte, Apotheken und Industrie müssen zusammenspielen. Entscheidend ist, dass die Perspektive der Patientinnen und Patienten im Zentrum bleibt.
Im von CSL Schweiz initiierten Webcast diskutieren Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaftlichen Landesversorgung, der Spitalapotheken und der Industrie, wie Lieferengpässe entstehen und welche Lösungsansätze zur Versorgungssicherheit beitragen.
