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ARCHIV - ZUM REKORDGEWINN DER RAIFFEISEN-BANKGRUPPE STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Das Logo der Bank Raiffeisen an einer Filiale in Koeniz, aufgenommen am 10. August 2011. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Raiffeisen-Bank erlebt turbulente Tage. Bild: KEYSTONE

Knall bei Raiffeisen: Verwaltungsratspräsident Rüegg-Stürm tritt per sofort zurück



Die Affäre um dem den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz zieht weitere Kreise: Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm legt per sofort sein Amt nieder, wie die Bank am Donnerstagabend mitteilte.

Angesichts der jüngsten Entwicklungen in Zusammenhang mit dem eingeleiteten Strafverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsleitung Pierin Vincenz sowie des noch immer laufenden FINMA-Verfahrens gegen Raiffeisen Schweiz sei «dies ein wichtiger Schritt, um die Glaubwürdigkeit von Raiffeisen Schweiz langfristig zu erhalten», heisst es in der Mitteilung weiter.

Bild

Johannes Rüegg-Stürm. bild: raiffeisen

Rüegg-Stürm mache mit diesem Schritt den Weg frei, um den Verwaltungsrat der nach eigenen Angaben drittgrössten Bank der Schweiz zu erneuern. Der 1961 geborene HSG-Professor präsidierte den Verwaltungsrat im 50-Prozent-Pensum seit 2011. Ins Gremium berufen wurde er 2008.

Interimistisch übernimmt das Präsidium nun Pascal Gantenbein, der 2017 als unabhängiges Mitglied in das Aufsichtsgremium von Raiffeisen Schweiz gewählt worden war. Gantenbein, Professor für Finanzmanagement an der Universität Basel, ist zuvor vom Verwaltungsrat zum Vizepräsidenten gewählt worden.

Zwei neue Kandidaten für den VR

Seine «vordringlichste» Aufgabe sieht er darin, den eingeleiteten Erneuerungsprozess im Verwaltungsrat weiterzuführen und die Governance bei Raiffeisen Schweiz sicherzustellen, «damit das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit in die Genossenschaft wieder gestärkt werden kann», lässt er sich in der Mitteilung zitieren.

Darüber hinaus kündigt Raiffeisen zwei Kandidaten an, die die Delegiertenversammlung am 16. Juni in den Verwaltungsrat wählen soll. Demnach sind Rolf Walker und Thomas Rauber vorgeschlagen. Sie sollen Edgar Wolhauser und Werner Zollinger ersetzen, die wegen der statutarischen Amtszeitbeschränkung das Gremium verlassen.

Walker ist Partner bei der Beratungsgesellschaft Ernst&Young und darüber hinaus bei der Finanzmarktaufsicht Finma als Prüfer für Banken, Effektenhändler und Finanzmarktinfrastrukturen akkreditiert. Im Hinblick auf seine Position als Verwaltungsrat bei Raiffeisen Schweiz habe er seine Anstellung bei Ernst&Young «wegen Unvereinbarkeit» gekündigt, teilt Raiffeisen Schweiz mit.

Rauber ist Chef bei TR Invest, einer privaten Beteiligungsgesellschaft, die Kapital an KMU und Startups vergibt. Darüber hinaus sitzt Rauber seit 2011 im Grossrat des Kantons Freiburg und ist Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Freiburg Ost.

Abgang statt zweier weiterer Jahre

Der abtretende Rüegg-Stürm hatte noch vergangenen Sonntag in einem Zeitungsinterview gesagt, er wolle zwei weitere Jahre als Präsident antreten. Das gegenwärtige Management mit Raiffeisen-Chef Patrik Gisel nahm er in Schutz und bestritt, dass der Verwaltungsrat zu wenig genau hingeschaut habe.

«Völlig überrascht und schockiert.»

Johannes Rüegg-Stürm.

Erst mit der Eröffnung der Strafuntersuchung gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz seien für den Verwaltungsrat Verdachtsmomente sichtbar geworden, betonte Rüegg-Stürm im Interview. Eine Strafverfolgungsbehörde habe ganz andere Mittel, um einen Sachverhalt zu klären. Die zutage getretene Entwicklung habe ihn «völlig überrascht und schockiert».

Vincenz sitzt seit letzter Woche in Untersuchungshaft. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Vincenz soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Aduno reichte im letzten Dezember Anzeige ein.

Raiffeisen hatte letzte Woche nachgedoppelt und ebenfalls eine Stafanzeige gegen ihren ehemaligen Chef eingereicht. Bei Raiffeisen geht um verdeckte Treuhandverhältnisse, dank deren sich Einzelpersonen möglicherweise bereichert haben, sagte der derzeitige Raiffeisen-Chef Gisel letzte Woche an der Jahres-Pressekonferenz. Vincenz bestreitet die Vorwürfe. (cma/sda)

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