Rassismus
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(FILES) - A photo taken on May 1, 2012 in Paris shows French far right party Front National (FN) honour president, Jean-Marie Le Pen delivering a speech as part of the FN's annual celebration. Anti-racism campaigners reacted with outrage on June 8, 2014 to an apparent anti-Semitic pun by France's former far-right leader Jean-Marie Le Pen that even his own party and daughter were quick to criticise. Le Pen, who has had multiple convictions for inciting racial hatred and denying crimes against humanity, once described Nazi gas chambers as a

Antisemit und Rassist: Front-National-Gründer Jean-Marie Le Pen. Bild: AFP

Wolf im Wolfspelz

Die Fehltritte des Herrn Le Pen

Er kann es nicht lassen: Jean-Marie Le Pen, Gründer und Übervater des Front National, macht antisemitische Wortspielchen. Nicht zum ersten Mal. 



Gut möglich, dass die Präsidentin des Front National sich die Haare rauft, wenn sie an den neusten Fehltritt ihres Vaters denkt: Seit Marine Le Pen 2011 ihrem Vater an die Spitze der rechtspopulistischen Partei nachfolgte, hat sie sich bemüht, den Front National aus der rechtsextremen Ecke herauszuholen und der bürgerlichen Mitte anzunähern. Mit Erfolg: Bei den Europawahlen deklassierte die einstige Paria-Partei alle Konkurrenten.

Die «Ofenladung»

Und dann das: Der bald 86-jährige Ex-Präsident, der in der Partei immer noch aktiv ist, gibt vor laufender Kamera eine antisemitische Sottise zum Besten. Über den populären Sänger Patrick Bruel, der aus einer jüdischen algerischen Familie stammt und ein erklärter Gegner des Front National ist, witzelte Le Pen mit zufriedenem Lachen: «Wissen Sie, da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung.»

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Le Pen witzelt über eine «Ofenladung» (ab 2:00). Video: Youtube/Alex B

patrick bruel facebook

Bild:

Bruel war empört. Auf seiner Facebook-Seite schrieb er am 8. Juni, er sei «nicht einmal traurig wegen sich selbst. (...) Ich bin traurig wegen der Erinnerung an mehr als sechs Millionen Menschen.» Und auf Twitter nannte er Le Pen «rückfällig» und fragte: «Hatte er es nötig, uns sein wahres Gesicht und das des FN in Erinnerung zu rufen?»

«Durafour-Crématoire»

«Rückfällig» trifft den Sachverhalt: Schon 1987 sorgte Le Pen für einen handfesten Skandal, als er den jüdischen Minister Michel Durafour als «Durafour-Crématoire» verspottete. «Four crématoire» bedeutet «Verbrennungsofen».  

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Le Pen nennt Minister Durafour «Durafour-Crématoire» (ab 1:40). Video: Youtube/Francois Grollande

Mehrere Mitglieder des Front National, die den «Kalauer» nicht so lustig fanden, wurden aus der Partei geworfen. Der antisemitische Ausfall kostete Le Pen 10'000 Francs (rund 2000 Franken) – so hoch war die Busse, die ein Appellationsgericht in Paris wegen «öffentlicher Beleidigung eines Ministers» über ihn verhängte. 1989 hob das Europaparlament aufgrund dieser Affäre seine Immunität auf. 

Gaskammern – ein Detail

Im September 1987 sagte Le Pen in einer Fernsehsendung: «Ich stelle mir mehrere Fragen. Ich behaupte nicht, es habe die Gaskammern nie gegeben. Ich habe mich mit dieser Frage nie ausführlich auseinandergesetzt. Aber ich glaube, dass es nur ein Detail in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges ist.» 

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«Le point de détail de Jean-Marie Le Pen».  Video: Youtube/@Annee_1948

Für diesen «point de détail» verurteilte ihn ein Gericht in Versailles 1991 zu einer Busse von 1,2 Millionen Francs (rund 220'000 Franken). Trotzdem doppelte Le Pen 1997 nach: «In einem 1000 Seiten dicken Buch über den Zweiten Weltkrieg nehmen die Konzentrationslager zwei Seiten und die Gaskammern 10 bis 15 Seiten ein, das nenne ich ein Detail.»

«Monseigneur Ebola»

Le Pen, der im Algerienkrieg zugegebenermassen tatsächliche oder vermeintliche Mitglieder der algerischen Nationalen Befreiungsfront (FLN) gefoltert hat, macht nicht nur über Juden geschmacklose Witze. Unlängst, im Mai 2014, präsentierte er im Europawahlkampf seine Lösung für die «Bevölkerungsexplosion»: «Monseigneur Ebola kann das in drei Monaten regeln.» 

Später versuchte Le Pen, diese Aussage zu relativieren. Es habe sich lediglich um eine demographische «Beobachtung» gehandelt. Ebola sei eine schreckliche Krankheit. 

Rassist aus Überzeugung

1996 erklärte Le Pen an einer Veranstaltung des Front National, er glaube an die «Ungleichheit der Rassen». Das sei augenfällig. «Die ganze Geschichte zeigt es, sie haben weder dieselben Fähigkeiten noch dasselbe Niveau der geschichtlichen Entwicklung.»

Mit seiner letzten Entgleisung – der «Ofenladung» – hat Le Pen offenbar die aktuelle Führungsriege des Front National vergrätzt. Seine Tochter Marine sagte zwar, seine Äusserungen seien «böswillig interpretiert» worden. Doch dann warf sie ihm vor, angesichts seiner «sehr grossen Erfahrung» sei es ein Fehler gewesen, eine solche Interpretation nicht vorhergesehen zu haben. Diesen Fehler müsse der Front National nun ausbaden. 

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    Alle Leser-Kommentare
  • klugundweise 10.06.2014 15:07
    Highlight Highlight Die Hasskampagnen der rechten Parteien sind austauschbar, ob sie mit Schafen, Ratten oder Ungeziefer die Hemmschwelle senken: Es geht gegen die Andersdenkenden.
    Beschädigt wird dabei der gemeinsame Staat. In der Schweiz haben die Minarettinitiative und die Ausschaffungsinitiative gegen die Gleichbehandlung und die Verhältnismässigkeit verstossen. Sie haben die Diskriminierung in der Verfassung festgeschrieben. Dabei wurden Grundsätze des Rechtsstaats angegriffen, die nicht verhandelbar sind. Das Parlament hätte diese Initiativen verbieten müssen, doch dazu fehlte ihm der Mut. Die Geschichte zeigt, wohin diese Mutlosigkeit führen kann.
    • Oki 10.06.2014 22:20
      Highlight Highlight Dein Text:

      Die Hasskampagnen gegen die Volksparteien sind austauschbar. Es geht gegen die Andersdenkenden.
      Beschädigt wird dabei der Staat usw.

      Wirf doch den Le Pen nicht gleich über alles was Dir (und teilweise mir) nicht passt.

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