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Autounfälle in der Schweiz: Am meisten «chlöpft's» beim Ausparkieren



New Land Rover cars are seen in a parking lot at the Jaguar Land Rover plant at Halewood in Liverpool, northern England, September 12 , 2016. REUTERS/Phil Noble/File Photo

SUVs sind ein Grund für die erhöhte Anzahl Parkschäden. Bild: PHIL NOBLE/REUTERS

Ausverkaufszeit nach Weihnachten: Die ergatterten Schnäppchen sind im Auto verstaut, die Freude ist gross, die Gedanken kreisen noch im Kopf, wie viel man gespart hat. Dies ist gefährlich: Denn die meisten Autounfälle passieren beim Ausparken.

Mehr als acht von zehn Parkschäden (84 Prozent) entstehen beim Herausfahren aus der Parklücke und beim Manövrieren, wie eine Studie des Versicherungskonzerns Allianz ergeben hat. In nur 16 Prozent der Fälle kracht es beim Einparken.

Meist sind diese Unfälle zwar nicht lebensgefährlich, aber teuer und immer häufiger. Während die Allianz Suisse im Jahr 2010 noch rund 15'500 Kollisionsschäden auf Parkplätzen verzeichnete, waren es Ende 2014 bereits fast 24'000 Crashs. Das ist ein Anstieg um mehr als die Hälfte. Auch die Basler Versicherungen haben eine Zunahme der Parkschäden festgestellt.

Und die Reparatur von zerkratztem oder verbeultem Blech sowie von zersplitterten Glas- und Kunststoffteilen geht ins Geld. Der durchschnittliche Sachschaden beträgt 2000 Franken. Damit kosteten alleine die Parkschäden von Allianz-Kunden in der Schweiz knapp 50 Millionen Franken.

Insgesamt machen Park- und Rangierunfälle in der Schadenstatistik der Allianz Suisse mittlerweile fast 53 Prozent aller Kollisionsunfälle von Autos aus. Zu ähnlichen Feststellungen kommt Konkurrentin AXA Winterthur: Trotz einer Vielzahl von Parksensoren würden rund 40 Prozent aller Unfälle beim Parken und Manövrieren passieren.

Autos immer grösser

«Der Trend zu grösseren, breiteren und längeren Fahrzeugen wie Geländewagen (SUV) ist in der Schweiz ungebrochen. Damit steigt die Gefahr eines Parkschadens immens – ob selbst oder durch andere verursacht», erklärt Jörg Zinsli, Leiter Schadenversicherung der Allianz Suisse.

Die Hauptursachen der rapide steigenden Park- und Rangierunfälle seien die veränderte Fahrzeuggeometrie und die immer stärkere Verstädterung. Das heisst, die Autos sind in den letzten Jahrzehnten deutlich unübersichtlicher geworden. Während früher Autos Ecken und Kanten hatten, sind heute fliessende Linien «in». Damit wird das Ende von Heck und Motorhaube schwieriger abschätzbar.

Die Rundumsicht des Fahrers hat sich auch durch die Änderung des Designs von Heck- und Seitenscheiben verschlechtert. Gleichzeitig sind die Dachsäulen der Autos wegen der strengeren Crashsicherheitsvorschriften breiter geworden. Dies vergrössert die toten Winkel.

Zudem wurden die Autos immer grösser. So ist ein heutiger Golf VII einen halben Meter länger und 19 Zentimeter breiter (ohne Spiegel) als der erste Golf in den 1970er Jahren. Die Parkfelder sind dagegen nicht mitgewachsen.

Vans besonders oft betroffen

Gerade die bei Familien beliebten Vans und Geländewagen sind bei Park- und Manövrierunfällen am häufigsten betroffen. Ihr Anteil ist laut Allianz rund 30 Prozent höher als der von Klein- und Kompaktwagen.

Den steilen Anstieg der Parkschäden konnten auch die Warnpiepser nicht verhindern, die mittlerweile in vielen Autos serienmässig eingebaut sind. So werden trotz dieser Systeme viele Hindernisse übersehen, weil gerade die Fahrzeugseiten nicht überwacht werden. Davon künden die Lackspuren an Parkhaussäulen.

Zudem würden sich viele Autofahrer zu sehr auf ihre warnenden Parksensoren verlassen und häufig nicht mehr rechtzeitig reagieren, stellt die Allianz fest. Viele Autofahrer sind wegen des ständigen Gepiepses beim Parkieren bereits abgestumpft.

Erst intelligente Fahrerassistenzsysteme wie automatisierte Parkhilfen und autonome Notbremssysteme für Rangiervorgänge dürften künftig die Situation entschärfen, erklärte Zinsli. Dann könnten die Autos automatisch ein- und ausparken, was heute erst wenige Modelle beherrschen. Bis dahin werde aber noch einige Zeit vergehen.

Mehr Parkschadenversicherungen

Zu anderen Schlüssen kommt Allianz-Konkurrentin Zurich Schweiz. Der Versicherer stellt keinen Zusammenhang zwischen der Grösse der Fahrzeuge, der Grösse der Parkplätze und der Anzahl Parkschäden fest.

«Dennoch registrierten wir in den letzten Jahren einen konstanten Anstieg der Parkschadenfälle», sagt Sprecher David Schaffner auf Anfrage. Dies liege aber daran, dass mehr Kunden einen Vertrag mit einer Parkschadendeckung abgeschlossen hätten. (sda)

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