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Am meisten «Ehe für alle»-Jaworte gab es in Zürich – im Gegensatz zu Appenzell Innerrhoden

Seit heute können gleichgeschlechtige Paare heiraten. Bereits am ersten Tag zeigt sich der Stadt-Land-Graben in der Anzahl Termine auf dem Zivilstandesamt.
01.07.2022, 16:1902.07.2022, 15:36

Am Tag des Inkrafttretens der «Ehe für alle» ist ein Ansturm auf die Zivilstandsämter ausgeblieben. Am grössten war das Interesse in den grossen Städten. In ländlichen Regionen fiel die Nachfrage nach Terminen für eine Trauung geringer aus.

Darüber, dass es sich um einen historischen Tag handelte, bestand allenthalben Einigkeit. «Heute ist der Moment, um unsere Liebe zu feiern», sagte Roman Heggli, Geschäftsführer von Pink Cross, der Dachorganisation der schwulen und bisexuellen Männer in der Schweiz, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

«Heute macht die Schweiz einen wichtigen Schritt für die rechtliche Gleichstellung von Schwulen, Lesben und trans Menschen», liess sich der Zürcher Stadtrat André Odermatt (SP) in einer Mitteilung zitieren. Die Post würdigte derweil den Tag des Inkrafttretens der «Ehe für alle» mit einer speziellen Briefmarke. Diese zeigt 30 Ballone in Regenbogenfarben, die zusammengeknüpft als grosses Herz in Richtung Himmel abheben.

Zum ersten Mal in der Schweiz dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten.
Zum ersten Mal in der Schweiz dürfen gleichgeschlechtliche Paare heiraten.Bild: keystone

Meiste Eheschliessungen in Zürich

Am meisten schwule und lesbische Paare gaben sich am ersten Tag der «Ehe für alle» in der Stadt Zürich das Jawort: 24 Paare liessen ihre bestehende eingetragene Partnerschaft umwandeln, zwei schlossen eine neue Ehe.

Die am Freitag verfügbaren Termine seien innert kürzester Zeit ausgebucht gewesen, teilte die Stadt bereits Mitte Juni gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit. Insgesamt erhielt das Stadtzürcher Zivilstandsamt bis anhin rund 250 Terminreservationen von gleichgeschlechtlichen Paaren. Dabei handelt es sich grösstenteils um Paare in eingetragener Partnerschaft, die diese in eine Ehe umwandeln möchten. Etwa 10 Prozent sind neue Heiraten.

Dieses schwule Paar heiratet als eines der ersten in der Schweiz

Video: watson/lea bloch

Ein ganz anderes Bild zeigt sich im Kanton Appenzell Innerrhoden: Dort habe sich bis anhin kein einziges gleichgeschlechtliches Paar gemeldet, das eine Ehe schliessen möchte, berichtete am Freitag die Sendung «Heute Morgen» von Radio SRF. Im Kanton Nidwalden hätten für den ganzen Monat Juli immerhin sechs Paare einen Termin auf dem Zivilstandsamt vereinbart.

Unterschiede zwischen Stadt und Land zeigen sich auch, betrachtet man das Bernbiet: Auf den sieben Standesämtern des Kantons Bern liessen am Freitag insgesamt 23 Paare ihre eingetragene Partnerschaft umwandeln oder heirateten neu. Auf dem Zivilstandsamt Bern-Mittelland liessen fünf Paare ihre eingetragene Partnerschaft umwandeln, drei heirateten neu, wie die Berner Kantonsbehörden mitteilten.

Auf dem Zivilstandsamt Biel-Seeland hatten sich sechs Paare angemeldet, um aus ihrer eingetragenen Partnerschaft eine Ehe zu machen, in Thun waren es fünf, in Langenthal drei. Bei den Zivilstandsämtern Berner Jura in Courtelary und Oberland Ost in Interlaken gab es demnach hingegen am Freitag gar keine solchen Termine.

24 Paare liessen ihre bestehende eingetragene Partnerschaft umwandeln.
24 Paare liessen ihre bestehende eingetragene Partnerschaft umwandeln.Bild: keystone

Anerkennung von Regenbogenfamilien

Trotz der Freude über das Erreichte sieht Pink Cross bei der Gleichstellung weiterhin Handlungsbedarf – insbesondere im Familienrecht. Mit den aktuellen Gesetzen könne das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung bei privaten Samenspenden und fortpflanzungsmedizinischen Verfahren im Ausland nicht gewährleistet werden, kritisierte die Organisation in einem am Freitag veröffentlichten Positionspapier.

    Mit dem Zugang zur Samenspende aus Schweizer Samenbanken für lesbische Paare habe man erst die halbe Miete, sagte auch Alessandra Widmer, Co-Geschäftsleiterin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS), gegenüber Radio SRF. Beispielsweise sei die Stiefkind-Adoption heute noch sehr aufwendig. (lab/sda)

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    Video: watson

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    33 Kommentare
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    Die beliebtesten Kommentare
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    Skunk42
    01.07.2022 16:58registriert Februar 2022
    Bei diesen Bevölkerungsunterschieden (Stadt Zürich 400k, Kt AI 16k) dürfte man diese auch mit in die Statistik miteinbeziehen. Aber dann könnte man wohl den Titel weniger reisserisch formulieren.
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    insert_brain_here
    01.07.2022 16:45registriert Oktober 2019
    Tbf, Appenzell Innerrhoden hat gerade mal 16'000 Einwohner, logisch dass da nicht gleich das Standesamt gestürmt wird.
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    Prinz Eugen
    01.07.2022 19:10registriert März 2021
    Woran das wohl liegen könnte? Weil alle im Appenzellerland einfach so konservativ und zurückgeblieben sind? Oder weil es einfach bei 16'000 Einwohner was weniger als eine kleine Stadt ist nicht so viele Leute aufeinmal heiraten wollen oder können?
    Wieso scheibt mir die zweite Antwort etwas plausibler?
    Auch ein super Vergleich mit Zürich.
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