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Wer denkt sich eigentlich all die Initiativen aus? Ein Besuch in der Abstimmungs-Fabrik

Beliebt wie nie zuvor: Immer mehr Initiativen kommen vors Volk. Doch woher kommen die Vorlagen, die uns den trüben Alltag mit Bürgerpflicht versüssen? Ein Besuch in der Initiativen-Fabrik.



Es ist 7 Uhr früh. Noch ist nicht viel los, als mich Führungskraft Ada Bsurdum vor dem grossen Fabrikgebäude empfängt. Das ist er also, der Ort, an dem all die Initiativen entstehen, über die wir regelmässig abstimmen dürfen. 

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Ada Bsurdum probiert ein BGE im Taschenbrot. bild: watson/shutterstock

Eine wichtige Frage zu Beginn, Frau Bsurdum: Wieso gibt es so viele Initiativen?

«Vor ein paar Jahren bemerkte der Bund in der Bevölkerung ein sinkendes Vertrauen in die Demokratie. Deshalb übertrug er uns die Aufgabe, den Markt mit einer Vielzahl von Abstimmungsvorlagen zu beliefern. So wird es dem gemeinen Bürger nicht zu langweilig.»

Prof. Dr. Ada Bsurdum, CEO

Nach dieser Einführung geht es weiter in die Fabrikhalle, wo bereits ein kräftiger Mann dabei ist, Öl in einen brennenden Ofen einzuspeisen. Bei dem Geräuschpegel fällt es schwer, Bsurdums Erklärungen zu verstehen.

«DAS IST DIE SCHALL- UND RAUCHPRODUKTION. DAS HERZSTÜCK UNSERER FIRMA UND EIN GRUND-BESTANDTEIL ALLER INITIATIVEN, DIE DIESES GEBÄUDE VERLASSEN. WIR EXPORTIEREN DAVON SOGAR INS AUSLAND!»

Prof. Dr. Ada Bsurdum, CEO

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Kennt keine Rauchpause: Heisse Luft, kurz vor ihrem Auftritt in der SRF-«Arena». bild: imgur

Durch Stahlrohre werden Schall und Rauch in den nächsten Raum geleitet, wo einige Mitarbeiter vor einer grossen Wandtafel stehen. Bsurdum ruft eine der älteren Personen herbei und beginnt zu erklären.

«Hier werden die Themen gefunden, in die Schall und Rauch dann schliesslich verpackt werden. Unser Expertenteam brainstormt auf dieser grossen Wandtafel und unser Jan wählt dann die Besten aus.»

Prof. Dr. Ada Bsurdum, CEO

initiativen lucas angelina

bild: watson

Wie viele Ideen schicken Sie aufs Altpapier?

«An einem guten Tag gar keine! Und ich sage Ihnen, ich habe SO viele gute Tage in letzter Zeit!»

Jan Einvielleicht, Themenfinder

Das heisst, Sie lassen einfach ALLES vom Fliessband?!

«Ich hätte einst die 1:12-Initiative um ein Haar nicht in Produktion gegeben. Aber dann erfuhr ich, dass man 1 sehr wohl durch 12 teilen kann, wenn man die Ziffern hinter dem Komma nicht scheut.»

Jan Einvielleicht, Themenfinder

Nachdenklich folge ich Ada Bsurdum weiter. Auf dem Weg zur nächsten Station kommen wir durch einen leeren Raum. Auf meinen fragenden Blick hin klärt mich die Geschäftsleiterin auf.

«Hier arbeiten die Leute, welche die Umsetzbarkeit einer Initiative prüfen. Die kommen anscheinend wieder mal zu spät. Folgen Sie mir jetzt bitte in die Marketing-Abteilung.»

Prof. Dr. Ada Bsurdum, CEO

Da herrscht bereits geschäftiges Treiben

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gif: giphy

Ich treffe Joe Mochemor, den Namensgeber der Initiativen. 

Herr Mochemor, wann verlieren Sie die Nerven?

«Die grösste Schwierigkeit in meinem Beruf liegt darin, sich immer wieder neue Namen zu thematisch ähnlichen Initiativen einfallen zu lassen. Zum Beispiel gibt es so viele Initiativen zum Thema Verkehr, da hab ich manchmal einfach keine Lust mehr, nehme einen Duden und zeige einfach auf ein zufälliges Wort!»

Joe Mochemor, Namensgeber

Ist so die Milchkuh-Initiative entstanden?

«Kein Kommentar.»

Joe Mochemor, Namensgeber

HEUTE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDE NEUE SCHUL-SYMBOLBILDER ZUR VERFUEGUNG --- Swiss students' Duden spelling dictionaries are piled up on a shelf in a classroom at Feld school in Suhr, Switzerland, on September 25, 2014. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Schweizer Schuelerduden

Unverzichtbar bei der Namensgebung: Der Duden. Bild: KEYSTONE

Sobald die Initiative sorgfältig verpackt und benannt ist, wird sie auf den Markt gebracht, wo sie dem Willen des Volkes ausgeliefert ist. Wie lange geht das noch gut?

Frau Bsurdum, wo sehen Sie die Zukunft Ihres Unternehmens?

«Die sinkende Wahlbeteiligung bereitet uns natürlich Sorgen. Wir werden uns in Zukunft mehr darum bemühen, die Diskussion über Initiativen auf eine unsachliche Ebene zu bringen und so attraktiver für den Durchschnitts-Wähler zu werden. Dazu wurden bereits erste Schritte unternommen. Etwa durch den vermehrten Einbezug der Zuschauer in TV-Diskussionen oder unser Troll-Zucht-Programm im Internet.»

Prof. Dr. Ada Bsurdum, CEO

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gif: giphy

Ein Ende der Initiativen-Flut ist nicht in Sicht. Wer sich weiter zu diesem Thema informieren möchte, findet auf unserer Startseite den Live-Ticker zur Abstimmung.

Und jetzt: Noch sinnloser als dieser Artikel – 22 Weihnachtskarten für alle, die Weihnachten nicht mögen

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