Schweiz
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Die Herz-Jesu-Kirche, aufgenommen am Mittwoch, 8. April 2015, in Rorschach. Die 116 Jahre alte Kirche wird kaum mehr genutzt und soll daher zu einem Wohnhaus umfunktioniert werden. Der Verwaltungsrat der katholischen Kirchgemeinde arbeitet derzeit an einer Umsetzung der Idee. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die neugotische Herz-Jesu-Kirche in Rorschach steht leer. Bild: KEYSTONE

Erstmals soll in der Schweiz eine grosse Kirche zu einem Wohnhaus umgebaut werden



Die 116 Jahre alte Herz-Jesu-Kirche in Rorschach SG, die von der katholischen Kirchgemeinde kaum mehr genutzt wird, soll zu einem Wohnhaus umgebaut werden. Es wäre die erste derartige Umnutzung einer grossen, denkmalgeschützten Kirche in der Schweiz.

Der Kirchenverwaltungsrat arbeitet derzeit an einer Konkretisierung der Idee, wie Präsident Stefan Meier der Nachrichtenagentur SDA sagte. Interessenten für ein Umbauprojekt seien vorhanden. Vorerst brauche es Gespräche mit der Stadt, der katholischen Administration, dem bischöflichen Ordinariat und der Denkmalpflege.

Positive Reaktionen

An einer Kirchbürgerversammlung im März stellte Meier die unkonventionellen Pläne vor. Die Reaktionen seien mehrheitlich «sehr positiv» gewesenen, sagt der Kirchenverwaltungsratspräsident. Klar habe es auch einzelne kritische Stimmen gegeben.

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Die neugotische Herz-Jesu-Kirche an zentrumsnaher Lage in Rorschach wurde zuletzt nur noch am 24. Dezember für einen Mitternachtsgottesdienst und am 6. Januar für einen Gottesdienst der orthodoxen Kirche gebraucht. Ansonsten steht das Gotteshaus leer.

Blick ins Innere der Herz-Jesu-Kirche, aufgenommen am Mittwoch, 8. April 2015, in Rorschach. Die 116 Jahre alte Kirche wird kaum mehr genutzt und soll daher zu einem Wohnhaus umfunktioniert werden. Der Verwaltungsrat der katholischen Kirchgemeinde arbeitet derzeit an einer Umsetzung der Idee. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

So sieht der Innenraum der Rorschacher Kirche aus. Bild: KEYSTONE

Nun sollen im Inneren Wohnungen eingebaut werden. In den Säulengängen wäre Platz für zwei Stockwerke, im Mittelschiff für mehr. Stefan Meier kann sich auch eine Nutzung durch ein stilles Gewerbe – zum Beispiel ein Architekturbüro – vorstellen. Ebenfalls geplant ist ein Andachtsraum.

Vorbild in Mönchengladbach

Vorbilder für die Umnutzung gibt es im Ausland: So wurde im deutschen Mönchengladbach eine Kirche, die ebenfalls den Namen Herz Jesu trägt, im Jahr 2009 profaniert und anschliessend umgebaut. Das Äussere der Kirche blieb unverändert, während im Inneren 23 Wohneinheiten entstanden.

In St.Gallen wartet die ehemalige evangelisch-reformierte Kirche St.Leonhard seit längerem auf eine neue Bestimmung: Die 1887 erbaute Kirche wurde von der Kirchgemeinde St.Gallen Centrum im Jahr 2004 verkauft, weil sie nicht mehr benötigt wurde und hohe Kosten verursachte.

St.Galler Kirche steht leer

Der neue Besitzer, der Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda, stellte eine Renovation und eine kulturelle Nutzung in Aussicht. Verwirklicht ist aber bisher nichts. Die Kirche steht leer. 2007 brannte der Dachstock völlig aus; Dachdeckerarbeiten hatten zu einem Mottbrand geführt.

2013 stellte der Eigentümer Pläne für einen Umbau der Kirche zu einem Event- und Kulturzentrum vor. Es seien Verhandlungen mit der Stadt im Gang, erklärte Cerfeda jetzt auf Anfrage. Die geplante Mischung aus kultureller und kommerzieller Nutzung sei «ein überzeugendes Konzept», sagte Cerfeda.

Immer weniger Kirchgänger

Die rückläufige Zahl der Kirchgänger zwingt viele Kirchgemeinden, über Kirchenschliessungen und Umnutzungen nachzudenken. Seit bald zwei Jahren geschlossen ist etwa die Kirche Don Bosco in Basel. Die römisch-katholische Kirche Basel-Stadt ist dabei, für die Kirche eine neue Nutzung zu bestimmen.

Ein Beispiel für erfolgreiche Umnutzung ist die 1998 gegründete Kleinkunst- und Konzertbühne La Cappella in Bern. Sie befindet sich in einer ehemaligen methodistischen Kapelle aus dem Jahr 1907. In Brienz BE dient eine ehemalige Kirche seit 2012 als Loft, und auch in Teufen AR wird eine frühere Kapelle ähnlich genutzt. (dsc/sda)

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