Das sind die 6 Versäumnisse der Behörden vor der Brandkatastrophe von Crans-Montana
Die Zeitung «Le Matin Dimanche» hat anhand von Ermittlungsakten sechs Versäumnisse rekonstruiert, die nach ihren Recherchen zur Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana beigetragen haben. Die «SonntagsZeitung» publizierte eine Übersetzung des Artikels.
Das Ehepaar Jacques und Jessica Moretti hatte die Bar 2015 übernommen. Bereits beim Umbau und in den folgenden Jahren kam es wiederholt zu Problemen bei Bewilligungen, Kontrollen und beim Brandschutz, wie die Auflistung im Folgenden zeigt:
Umbau ohne Baubewilligung
Die Gemeinde verlangte für den umfangreichen Umbau der Bar 2015 keine Baubewilligung. Deshalb fand auch keine Brandschutzkontrolle der Innenräume statt. Im Untergeschoss wurde später Akustikschaumstoff angebracht, der laut einem im Artikel zitierten Brandschutzexperten in einem öffentlichen Betrieb nicht zulässig ist.
Keine Kontrolle des Untergeschosses
Bei der Schlussinspektion im Februar 2016 wurde zwar die neu gebaute Veranda kontrolliert, nicht aber die Umbauten im Inneren der Bar. Diese seien «keiner Kontrolle unterzogen» worden.
Nicht weiterverfolgtes Fumoir
2017 wurde im Untergeschoss ein Fumoir eingerichtet. Die Gemeinde verlangte eine nachträgliche Anmeldung und die Einhaltung der Brandschutzvorschriften. Eine entsprechende Nachkontrolle erfolgte jedoch nicht. Der zuständige Gemeindebeamte sagte später aus, das Verfahren sei «unter dem Radar durchgerutscht».
Festgestellte Mängel, aber positive Vorentscheide
Bei den Brandschutzkontrollen 2018 und 2019 wurden unter anderem eine brennbare Holzverkleidung im Treppenhaus, fehlende Löschdecken und eine fehlende Brandschutzschulung des Personals festgestellt. Zudem wurde eine nachträgliche Baueingabe für das Fumoir verlangt. Trotzdem fielen die Vorentscheide für die Weiterführung des Betriebs jeweils positiv aus. Der zuständige Sicherheitsbeauftragte begründete dies 2018 damit, dass keiner der festgestellten Punkte eine «unmittelbare Gefahr» dargestellt habe. Der Akustikschaumstoff im Untergeschoss wurde bei den periodischen Kontrollen nicht beanstandet.
Grosser Rückstand bei Kontrollen
In Crans-Montana häuften sich über Jahre die nicht durchgeführten periodischen Brandschutzkontrollen. 2020 waren 1273 Kontrollen ausstehend. Die zuständigen Sicherheitsbeauftragten hatten die Gemeinde zuvor mehrfach vor den personellen Engpässen gewarnt. Die nächste Kontrolle des «Le Constellation» war schliesslich erst für Frühjahr 2026 vorgesehen.
Unzureichende kantonale Aufsicht
Das Kantonale Amt für Feuerwesen (KAF) wusste laut einem früheren Sicherheitsbeauftragten von den Problemen bei den kommunalen Kontrollen. Damals verfügte das KAF über lediglich drei Inspektoren für den gesamten Kanton. Eine Überprüfung, ob die Gemeinden ihre periodischen Kontrollen tatsächlich durchführten, gehörte jedoch nicht zu seinen Aufgaben.
Der Kanton Wallis teilte inzwischen mit, dass die Zahl der Inspektoren verdoppelt worden sei. Zudem sei die Brandschutz-Checkliste präzisiert worden, damit Materialien wie Akustikschaumstoffe gezielt erfasst werden.
(lyn)
