Crans-Montana: Name des Bauingenieurs soll ohne sein Wissen benutzt worden sein
Die Unstimmigkeiten rund um die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana, wo in der Nacht auf den 1. Januar 2026 41 Menschen wegen eines Feuerinfernos ihr Leben verloren, reissen nicht ab. Am Dienstag wurde nun ein Bauingenieur befragt, berichtet RTS. Sein Name steht in den Dokumenten, die für den Ausbau der Terrasse vor der Bar eingereicht worden waren – nur zwei Wochen vor der tödlichen Tragödie. Dafür war eine Baubewilligung notwendig – anders als 2015 für den Ausbau der Innenräume.
Dass sein Name in den Dokumenten auftauchte, davon wusste der Bauingenieur allerdings zum Zeitpunkt der Einreichung der Unterlagen nichts. Laut RTS erfuhr er erst im Januar von einem Journalisten davon, dass sein Name verwendet worden war.
Er habe daraufhin einen bekannten Mitarbeiter des Bauamts kontaktiert. Dieser habe ihm die Situation erklärt. Hintergrund ist die Gesetzgebung im Wallis, derzufolge eine Person, die Pläne für ein Baugesuch unterzeichnet, zwingend ein entsprechendes Diplom besitzen muss. Doch der Hochbauzeichner in dem Fall hatte kein solches. Deshalb sei mit ihm vereinbart worden, dass man den Namen des Bauingenieurs in die Dokumente schreibe. Er hatte nämlich einen Hochschulabschluss, berichtet RTS.
Anwälte der Angehörigen schockiert
Die Anwälte der Angehörigen der Opfer sprechen von «Hinterzimmerabsprachen» und zeigen sich schockiert. Der zuständige Beamte des Bauamts sei bereits früher verdächtigt worden, seine Pflichten im Zusammenhang mit der Bar nicht ordnungsgemäss wahrgenommen zu haben.
Unklar ist, wie viel die Morettis gewusst haben und ob sie bewusst Kosten gespart haben, indem sie keinen qualifizierten Bauingenieur engagiert hatten. Weder die Anwälte der Morettis noch jener des Bauingenieurs oder des Mitarbeitenden des Bauamts haben gegenüber RTS Stellung genommen.
Die Terrasse der Bar war 2015 gebaut worden. Auch damals war eine Baubewilligung nötig. Der Sicherheitsbeauftragte, der die Einhaltung der Vorgaben hatte überprüfen müssen, gab jedoch in der Vernehmung zu, dass er für sein Gutachten nie vor Ort war. Lediglich nach der Eröffnung machte er sich ein Bild, aufgrund der zeitlichen Distanz spricht er heute aber von Erinnerungslücken. Klar ist, dass der definierte Notausgang im Erdgeschoss nicht den Vorgaben entsprochen hatte. (vro)
