Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Fortpflanzungsmedizin

Nationalrat stimmt Aussortierung von erbkranken Embryos zu



Der Nationalrat hat sich im Grundsatz für die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ausgesprochen. Gegen Widerstand aus den Reihen der CVP ist er mit 157 zu 22 Stimmen bei 6 Enthaltungen auf die Änderung der Verfassung und des Fortpflanzungsmedizingesetzes eingetreten.

Die Diskussion darüber, welche PID-Methoden erlaubt werden sollen und welche Paare darauf zurückgreifen dürfen, ist im Gang. Die Eintretensdebatte zeigte aber am Dienstag, in welchem Spannungsfeld die Fortpflanzungsmedizin steht.

Liberal, mutig, zeitgemäss

Kommissionssprecherin Rosmarie Quadranti (BDP/ZH) verteidigte den liberalen Entwurf der Wissenschaftskommission als «mutig» und «zeitgemäss». Man dürfe sich bei der Diskussion über Präimplantationsdiagnostik nicht von Ängsten leiten lassen, sagte sie. Entscheidend seien die Möglichkeiten, das Leiden kinderloser Paare zu mildern. Nicht der Gesetzgeber solle die Motivation des Kinderwunsches beurteilen, sondern die Betroffenen, sagte Quadranti.

Die CVP teilt diese Auffassung nur bedingt. Stefan Müller-Altermatt (CVP/SO), der Nichteintreten beantragt hatte, sah in der Revision eine «schiefe Ebene», die zwangsläufig zu einer immer weiter gefassten Anwendung der PID führe. Es dürfte unmöglich sein, einzelne Anwendungsbereiche der Technik zu untersagen, nachdem das Parlament deren Prinzip einmal gutgeheissen habe, begründete Müller-Altermatt seinen Antrag.

«Zwang zum gesunden Kind»

In der CVP gab es auch andere Stimmen. Die Mehrheit sprach sich für Eintreten aus, will die PID jedoch nur unter restriktiven Bedingungen zulassen. Die Skepsis war gross: Es sei zu befürchten, dass Eltern unter gesellschaftlichem Druck Untersuchungen an Embryos gegen ihren Willen zulassen würden, sagte etwa Kathy Ricklin (CVP/ZH). Müller-Altermatt sprach in dem Zusammenhang vom «Zwang zum gesunden Kind».

Obwohl sie auf die Vorlage eintraten, zeigten sich auch die Grünen skeptisch. Die Erwartung nach einem gesunden Kind könnte allein die Frauen treffen, sagte Maya Graf (Grüne/BL). Die häufigste Ursache für eine künstliche Befruchtung sei jedoch die Unfruchtbarkeit des Mannes.

Die SP sprach sich ebenfalls für Eintreten aus. Ein absolutes Richtig oder Falsch gebe es nicht, zeigte sich auch Urs Gasche (BDP/BE) überzeugt. Jedes Ratsmitglied dürfe und müsse nach seinem Gewissen entscheiden.

Betroffene sollen selber entscheiden können

Nach Auffassung der GLP soll der Staat nur den Rahmen setzen, über die Anwendung der Präimplantationsdiagnostik sollten aber die Betroffenen selber entscheiden können. 

«Präimplantationsdiagnostik ist keine Glaubensfrage», sagte Christian Wasserfallen (FDP/BE). Es stelle sich vielmehr die Frage, wie eine mündige und aufgeklärte Gesellschaft damit umgehe.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Interview

Jean Ziegler zu Moria: «Im ersten Moment dachte ich: Endlich wird dieses Lager liquidiert»

Jean Ziegler kennt die Leiden der Ärmsten auf dieser Welt. Sein Besuch auf der griechischen Insel Lesbos hat den 86-Jährigen dennoch zutiefst erschüttert. Ein Gespräch über die europäische Migrationspolitik und die Rolle der Schweiz.

Herr Ziegler, vor etwas mehr als einem Jahr haben Sie Moria auf Lesbos besucht. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Bilder des brennenden Lagers gesehen haben? Ich darf es fast nicht sagen. Im ersten Moment dachte ich: Endlich wird dieses schreckliche Lager liquidiert. Gottseidank ohne Todesopfer. Gleich danach packte mich eine grosse Angst um die Leute, die vor dem Feuer in die Hügel geflohen sind. Ohne Nahrung, ohne Wasser, ohne Medikamente, nichts. Ein Flüchtling ist der …

Artikel lesen
Link zum Artikel