Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Zahl der männlichen Tabaknutzer sinkt – geraucht wird trotzdem mehr



Nach jahrzehntelangen Anti-Tabak-Kampagnen dürfte die Zahl der männlichen Tabaknutzer weltweit 2020 erstmals zurückgehen – auch in der Schweiz. Davon geht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer neuen Analyse aus.

Sie sieht darin einen entscheidenden Wendepunkt im Kampf gegen die tödlichen Tabakprodukte, wie WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus anlässlich des neuen Tabakberichts sagte.

Raucher, Zigarette anzünden, Feuerzeug (Symbolbild)

Die Zahl der Tabaknutzer sinkt – gemäss WHO auch in der Schweiz. Bild: Shutterstock

Obwohl vier von fünf Tabaknutzer Männer sind, war der Rückgang der Tabaknutzer insgesamt bislang darauf zurückzuführen, dass Frauen das Rauchen oder anderen Genuss von Tabak aufgegeben haben. Die Zahl der weiblichen Tabaknutzer sank Schätzungen zufolge von 2000 bis 2018 um rund 100 Millionen, während die Zahl der männlichen Tabaknutzer um rund 40 Millionen stieg.

Dieser Trend bei Männern hat sich nun geändert, so die WHO. So geht die Gesamtzahl der männlichen Tabaknutzer, darunter Kauer und Schnupfer, zurück. Es steigt jedoch die Zahl der männlichen Raucher.

Die Organisation geht davon aus, dass im kommenden Jahr zwei Millionen weniger Männer Tabak nutzen als 2018, im Jahr 2025 sogar sechs Millionen weniger. Die Frauen werden den Männern in der Abkehr von der Nikotinsucht laut WHO aber weiter voraus sein: Im Jahr 2020 dürften neun Millionen weniger Frauen Tabak nutzen als 2018, bis 2025 sollen es sogar 32 Millionen weniger sein als 2018.

In der Schweiz dürfte die Rate der Tabakkonsumenten gemäss WHO ebenfalls sinken. Im Jahr 2018 betrug sie 23.1 Prozent. Im kommenden Jahr soll sie auf unter 23 Prozent runtergehen, im Jahr 2025 gar auf gut 21.5 Prozent.

Mehr Raucher, weniger Schnupfer

Betrachtet man die Männer genauer, gibt es verschiedene Trends: Der Konsum von rauchfreien Tabakprodukten, dazu gehören Schnupf- und Kautabak, sei stark zurückgegangen, sagte Alison Commar, eine der Autorinnen des Berichts. Konkrete Zahlen dazu gibt es bei der WHO aber nicht.

Gleichzeitig steigt laut dem Bericht nach wie vor die Zahl der männlichen Raucher, eine Untergruppe der Tabaknutzer. Sie soll den WHO-Schätzungen zufolge von 915 Millionen im Jahr 2018 auf 917 Millionen im Jahr 2020 steigen. Im Jahr 2025 könnten es dann 920 Millionen sein.

Die Zahl der rauchenden Frauen ist hingegen rückläufig und soll den Schätzungen zufolge von 156 Millionen im Jahr 2018 auf 138 Millionen im Jahr 2025 sinken. Die Gesamtzahl aller Raucher bleibt bis mindestens 2025 laut WHO bei knapp 1.1 Milliarden.

E-Zigarette, smoke, Rauch, elektronische Zigarette

Elektronische Zigaretten werden nicht zum Tabakkonsum gezählt. Bild: shutterstock

Insgesamt nutzte im Jahr 2000 rund ein Drittel der Weltbevölkerung ab 15 Jahren regelmässig Tabak. Gemeint sind hier Zigaretten, Zigarren, Pfeifen, Wasserpfeifen sowie Kau- oder Schnupftabak und ähnliche Produkte, aber keine elektronischen Zigaretten. 2015 war es nur noch rund ein Viertel. In absoluten Zahlen ging die Zahl der Tabaknutzer nach den WHO-Schätzungen von rund 1.4 Milliarden im Jahr 2000 auf gut 1.3 Milliarden im Jahr 2018 zurück. Im Jahr 2018 waren den WHO-Angaben zufolge 80 Prozent aller Tabaknutzer Raucher.

Acht Millionen Tote durch Tabak pro Jahr

Nach WHO-Angaben sterben jedes Jahr acht Millionen Menschen durch Tabakkonsum, davon etwa 1.2 Millionen, die gar nicht selbst rauchen, sondern mit Rauchern zusammen leben oder arbeiten. Tabakkonsum trägt zu Herzkrankheiten, Krebs und anderen Krankheiten bei.

Im Jahr 2018 konsumierten laut einer WHO-Mitteilung weltweit rund 43 Millionen 13- bis 15- Jährige Tabak. Davon waren rund ein Drittel Mädchen.

«Wir dürfen im Kampf gegen die Tabakfirmen nicht nachlassen.»

Das angepeilte Ziel, den Anteil der Tabaknutzer weltweit bis 2025 um 30 Prozent unter das Niveau von 2010 zu senken, dürfte verfehlt werden, warnt die WHO. Nur 32 Länder seien auf einem guten Weg. Wenn sich die derzeitigen Trends in den nächsten fünf Jahren fortsetzten, würde bis 2025 ein Rückgang von 23 Prozent erreicht.

Prozentual gab es 2018 Schätzungen zufolge die wenigsten Tabaknutzer in Afrika und die meisten in Südostasien, gefolgt von Europa und der Westpazifikregion. In Deutschland nutzten nach diesen WHO-Schätzungen im vergangenen Jahr 27.0 Prozent der Männer und 21.6 Prozent der Frauen Tabak. «Wir haben noch Arbeit vor uns», sagte der WHO-Chef der Abteilung für Tabakkontrolle, Vinayak Prasad. «Wir dürfen im Kampf gegen die Tabakfirmen nicht nachlassen.» (mim/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Rauchen macht dünn, gesund und glücklich! ... sagen diese Vintage-Werbungen für Zigaretten

Sind E-Zigaretten wirklich besser für Raucher?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

32 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
clint
19.12.2019 08:52registriert September 2014
ich hab nach 30 jahren aufgehört mit tabak/nikotin, und ich kann es allen rauchern_innen empfehlen: läck fägt das, wieder frei und fitter zu sein. ich sag's (ganz blöd) so: wer mit 20 nicht raucht, ist uncool, wer mit 50 noch raucht auch ;-))
2811
Melden
Zum Kommentar
Antinatalist ⚠ Lockdown-Fan-Club
19.12.2019 04:41registriert September 2019
Dafür rauchen immer mehr Frauen. Lasst es einfach alle bleiben, es stinkt gewaltig!
5954
Melden
Zum Kommentar
FischersFritz
19.12.2019 07:56registriert February 2019
Uiii, wir unselbständigen, schutzbedürftigen unmündigen Bürgerinnen und Bürger, lieber Staat, beschütze uns vor dem Bösen! (Ironie off)
2018
Melden
Zum Kommentar
32

Gesundheitspersonal kämpft für bessere Bedingungen – «fast zynisch» findet das CVP-Humbel

Seit der Klatsch-Aktion im Frühjahr hat sich für das Pflegepersonal in der Schweiz kaum etwas verändert. Diese Woche protestieren sie auf den Strassen und halten ihre Forderungen hoch. «Fast zynisch» findet das Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel (CVP).

Die erste Corona-Welle steckt dem Gesundheitspersonal noch immer in den Knochen. Der Applaus ist verhallt. Anstelle der geforderten besseren Arbeitsbedingungen, einer Corona-Prämie oder mehr Anerkennung rutscht das Schweizer Gesundheitspersonal direkt in die zweite Welle.

Nun gehen die Arbeiterinnen und Arbeiter auf die Strassen: Für diese Woche, vom 26. bis 30. Oktober, haben Gewerkschaften, darunter Unia, SYNA oder VPOD, zusammen mit dem Berufsverband der Pflegefachleute Protestaktionen …

Artikel lesen
Link zum Artikel