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Ein führender Rechtsextremist Europas sammelt mit einem Postfinance-Konto Spenden

Ein führender Rechtsextremist Europas sammelt mit einem Postfinance-Konto Spenden

Martin Sellner ist Kopf einer ausländerfeindlichen Bewegung, die in ganz Europa vernetzt ist. Er schrieb mit dem Attentäter von Christchurch - und ist nun Kunde der Postfinance.
13.01.2022, 05:5013.01.2022, 05:50
Christoph Bernet / ch media
epa07503808 Martin Sellner, leader of the far right Identitarian Movement Austria (Identitaere Bewegung Oesterreich), speaks to supporters during a demonstration in front of the Justice Ministry of Au ...
Martin Sellner braucht Geld.Bild: EPA/EPA

Der 32-jährige Martin Sellner aus Wien ist einer der führenden Köpfe des europäischen Rechtsextremismus. Er ist «Bundesleiter» der Identitären Bewegung Österreich, kurz IBÖ. Sie ist Teil der «neuen Rechten», gibt sich hip, modern, intellektuell. Doch im Kern vertreten Sellner und seine Kameraden Neonazi-Positionen, hetzen gegen Ausländer, Personen nichtweisser Hautfarbe, Jüdinnen und Juden, Linke.

Aktuell inszeniert sich die IBÖ als Avantgarde der Impf- und Massnahmengegner. Sie marschiert mit Spruchbändern an der Spitze von grossen Demonstrationen in Wien und anderen österreichischen Städten. So platziert sie ihre Botschaften in reichweitenstarken Medien.

Postfinance gibt sich wortkarg

Trotz diesen propagandistischen Erfolgen hat Sellner finanzielle Schwierigkeiten. Darauf lässt zumindest ein Spendenaufruf in seinem Mail-Newsletter schliessen, welcher die «Rechercheplattform zur Identitären Bewegung» publik machte und der dieser Zeitung vorliegt.

Das Konto, auf das man Sellner Geld überweisen kann, ist bei der Postfinance registriert, wie eine Überprüfung der Kontonummer ergibt. Auf Anfrage will sich das Geldinstitut mit Verweis auf das Bankkundengeheimnis nicht zum «konkreten Fall» äussern. «PostFinance prüft im Rahmen ihrer Sorgfaltspflichten laufend, ob eine Geschäftsbeziehung geführt werden darf oder abgebrochen werden muss», so ein Sprecher.

Er schrieb mit Attentäter

Sellners Bankkonten werden regelmässig gesperrt. Seit Herbst 2017 geschah dies gelaut Sellners Angaben 37 Mal. Grund für das Vorgehen der Banken dürften neben dem Reputationsschaden die Furcht vor juristischen Komplikationen sein.

Denn im Mai 2019 wurde bekannt, dass Sellner im Jahr zuvor eine Spende in Höhe von 1500 Euro von Brenton Tarrant erhalten hat, worauf Sellner sich per Mail mit diesem austauschte. Tarrant tötete später beim Attentat auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März 2019 51 Menschen. Ein Ermittlungsverfahren gegen Sellner wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung stellte die österreichische Justiz jedoch 2021 ergebnislos ein.

Die Plattformen YouTube, Twitter, Facebook und Instagram, auf denen er zu besten Zeiten mehrere Zehntausend Follower erreichte, haben Sellner wegen Verstössen gegen ihre Nutzungsordnung ebenfalls gesperrt. Unterdessen ist er vor allem auf Telegram aktiv. (aargauerzeitung.ch)

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