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Kubeysi Genoglu, der Rosenverkäufer von Zürich: Lebt bei und mit seiner Mutter in Istanbul und Ostanatolien. bild: daria wild

Wie geht es eigentlich dem Rosenverkäufer von der Langstrasse? – Bericht von einer langen Reise ins ostanatolische Nichts

Zehn Jahre hat Kubeysi Genoglu in der Schweiz gelebt und sich in Zürich zum berühmtesten Rosenverkäufer aufgeschwungen. Doch dann wurde er in die Türkei zurückgeschafft. Ein Besuch in Genoglus Heimat, die ihm nicht mehr Heimat ist. 



Müde hievt sich Kubeysi Genoglu in den Bus. An der Heckscheibe klebt ein Schild. Endstation: Karakoçan. Die letzte Hektik vor der Abreise hat ihn geschafft, aber das Pressieren hat sich gelohnt; die vordersten Plätze sind noch frei. Es ist Sonntagmittag. In 18 Stunden wird Genoglu in der ostanatolischen Provinz ankommen, in diesem Ort, den er das Nichts nennt. 

Er ist mies gelaunt, ihm graut vor der Fahrt, die Knie schmerzen ihn allein beim Gedanken daran. Ausserdem hat er wie immer miserabel geschlafen. «Das wird langweilig», ächzt er, lehnt sich in den Gang und ruft Busfahrer Mehmet seine Lebensgeschichte ins Ohr. «Zehn Jahre habe ich in der Schweiz gelebt, weisst du!», posaunt er. «Zehn Jahre! Und trotzdem darf ich nicht bleiben.» 

Die Fahrt zurück ins Nichts

Genoglu, einst berühmtester Rosenverkäufer Zürichs, darf keine Blumen mehr an der Langstrasse verkaufen und kein Bier mehr trinken in seiner Lieblingsbar Olé Olé. Vor einem Jahr wurde er nach Istanbul ausgeschafft, jetzt fährt er für 80 türkische Lira 1300 Kilometer zurück in sein Heimatdorf, das ihm nicht mehr Heimat ist.

«Das verstehe ich nicht», sagt Mehmet, schüttelt langsam den Kopf und startet den Bus. Genoglu lehnt sich zurück und blickt matt aus dem Fenster, erschöpft vor Aufregung, wie immer, wenn er seine Geschichte erzählt. Er stopft sich seine iPhone-Kopfhörer in die Ohren, kurdische Volksmusik, viel zu laut. Lange bleibt er aber nicht still, seine Miene hellt sich plötzlich auf, als er auf der Autobahn einen Lamborghini sieht. 

«Zehn Jahre habe ich in der Schweiz gelebt, weisst du! Zehn Jahre! Und trotzdem darf ich nicht bleiben.» 

Kubeysi Genoglu

«Hey», ruft er, und nimmt die Kopfhörer aus den Ohren, damit er doch nicht so schreien muss. «Kennst du die Geschichte von Ferrari und Lamborghini? Nein? Also gut, ich erzähle sie. Lamborghini arbeitete für Ferrari, aber als er einmal das Wort gegen seinen Chef erhob und Verbesserungsvorschläge anbrachte, schmiss Ferrari Lamborghini raus. Und was machte der? Weisst du es? Nicht? Er baute ein noch besseres Auto! Wie ich, weisst du, als ich in Bern einen Rosenverkäufer gesehen habe. Schlechte Rosen, hoher Preis. Dann habe ich’s besser gemacht.»

Zürich: Die Stadt, wo seine Tellerwäscher-Karriere gescheitert ist

Genoglu redet gern über seinen Aufstieg vom Niemand zum berühmtesten Rosenverkäufer Zürichs. Er redet gern davon, wie er 2004 in Zürich gelandet ist, mittellos, aber mit Ehrgeiz, wie er bald mit Lokalgrössen Schnaps gebechert hat, überall beliebt war, immer freundlich und immer korrekt.

Video: watson.ch

2010 befragen ihn die Behörden über seine Heirat mit einer 15 Jahre jüngeren Schweizerin. Die Indizien deuten auf eine Scheinehe hin, Genoglu wird die Aufenthaltsbewilligung entzogen. 2011 reicht er Beschwerde beim Migrationsamt ein, ohne Erfolg. 2012 – Genoglu ist mittlerweile geschieden – beim Verwaltungsgericht, wieder ohne Erfolg. 

Sein Anwalt kämpft weiter, doch der Bundesgerichtsentscheid von 2014 besiegelt das Schicksal des Türken endgültig: Am 24. Mai ist Schluss. Mittlerweile kennt ihn die halbe Schweiz. 3000 unterschreiben eine Petition, Reporter begleiten den Rosenverkäufer auf seiner nächtlichen Tour, Genoglu hält die Unterschriftenbogen in die Kameras. Doch Regierungsrat Mario Fehrs Antwort ist definitiv. «Wir sind an den Entscheid des Migrationsamtes gebunden.»

In Istanbul ist er ein Niemand

Es ist Samstag, ein Tag vor der Abreise nach Dep/Karakoçan. Genoglu drückt sich an den Menschenmengen auf der belebten Taksimstrasse vorbei. Vorbei an Läden, deren Produkte er sich nicht leisten kann. Über seine Zeit hier in Istanbul, seine Zeit nach Zürich, redet Genoglu nicht gern. Warum auch, es gibt ja nicht viel zu erzählen. «Ich stehe auf, kaufe Essen im Carrefour, gehe nach Hause und lese oder schaue fern», sagt er. «Am liebsten Discovery Channel. Für die Synipsen, weisst du, die muss man ständig trainieren. Synipsen? Synapsen!» 

«Weisst du, in der Schweiz vergisst man, dass Krieg herrscht. Da gibt’s nur Schokolade.»

Kubeysi Genoglu

Aber heute gibt’s kein Synapsen-Training, Genoglu muss bei seiner Schwester Gepäck holen vor der Abreise. Er ist froh, kann er raus aus Istanbul, dieser Stadt, in der er ein Niemand ist, in der er keinen kennt. Karakoçan ist ihm eher Heimat. «Es läuft zwar dort überhaupt nichts, aber hier, wo etwas laufen würde, kann ich mir nichts leisten», sagt er, und drückt einem syrischen Mädchen, das barfuss und in verschlissenen Kleidern auf der Strasse kniet und um ein paar Lira bettelt, eine Münze in die Hand. 

Muezzins dröhnen über die Stadt. Genoglu hört nicht hin. «Weisst du, in der Schweiz vergisst man, dass Krieg herrscht. Da gibt’s nur Schokolade», sagt Genoglu, bleibt bei einer Wechselstube stehen und sieht sich den Kurs an. «Schokolade und eine bessere Kaufkraft als in der Türkei

13. Mai 2014: Die Ausschaffung steht kurz bevor, aber an diesem Tag schöpft Genoglu Hoffnung, er heiratet heute Ute. Sie ist Deutsche, aus Ulm. Sie kennt Genoglus Geschwister, die in Deutschland leben. Beide melden sich auf dem Einwohneramt, beide zahlen Ausweisgebühren. Am 22. Mai, tatsächlich, ein Aufgebot vom Migrationsamt: Genoglu solle am 3. Juni vorbeikommen, nach seinem eigentlichen Ausweisungstermin also. Mit Passkopie.

Doch am 26. Mai, zwei Tage nachdem er hätte ausreisen müssen, wird Genoglu in Zürich verhaftet. Im Gefängnis befragt man ihn zu seiner Ehe mit Ute. Wieder lägen Indizien für eine Scheinehe vor. Am 28. Mai wird der Termin beim Migrationsamt annulliert, einen Tag später steckt man Genoglu in ein Flugzeug nach Istanbul. Ute bleibt in Deutschland, Genoglu wird mit einem Einreiseverbot belegt, ab sofort, bis Mai 2017.

Im Bus nach Ostanatolien

Der Bus tuckert in die Dämmerung, Ankara liegt bereits hinter uns. Seit 20 Jahren fährt Mehmet diese Strecke, er kennt jedes Schlagloch. Nur manchmal muss er einem bis zur Unkenntlichkeit zerquetschen Tier ausweichen. Die meisten schlafen. Genoglu nicht.

Vermisst du deine Frau, Kubeysi? «Ich vermisse Zürich», antwortet er. «Wenn ich träume, bin ich da. Dann wache ich auf und bin hier.» Er verzieht den Mund. Die Lachfalten um seine Augen passen nicht zu seinem traurigen Blick. «Du darfst hierherkommen, ich aber nicht in die Schweiz. Warum?», fragt er, verbittert über sein Schicksal. «Ich müsste nur im Lotto gewinnen. Ein einziges Mal. Dann würde mich Mario Fehr sofort in die Schweiz holen, ich wette mit dir», sagt er. «Hast du was, bist du was.» 

So ist er, der Rosenverkäufer: clever, belesen, aber auch launisch, besserwisserisch, anstrengend.

Er bestellt noch einen Kaffee beim Sohn des Busfahrers und spült seinen Frust, seine Sehnsucht und seine Trauer runter. «Weisst du, wer den Kaffee erfunden hat? Nicht? Also gut, ich erkläre es dir», sagt er dann und richtet sich energisch in seinem Sitz auf. Er mag es, wenn jemand ihm zuhört. Er will auch, dass man ihm zuhört. Sonst stupst er. «Nein, warte, viel besser: Weisst du, wer das Bier erfunden hat? Nicht? Also gut. Es waren die Mesopotamier! Eine unglaubliche Hochkultur! Eine Frau hat einen Brotteig zu lange stehen lassen, und plötzlich war da Bier», sagt Genoglu. «Wirklich! Genau so!» 

Er rutscht zurück in seinen Sessel, plötzlich wieder erschöpft. So ist er, der Rosenverkäufer: clever, belesen, aber auch launisch, besserwisserisch, anstrengend. «Ich weiss so viel, aber ich weiss nicht, wie ich mein Einreiseverbot aufheben kann». Und Genoglu lacht sein aufgesetztes Lachen.

Video: watson.ch

Nach seiner Ausschaffung zieht Genoglu in die Wohnung seiner Mutter, in einen Vorort, rund eine Stunde vom Zentrum Istanbuls entfernt. Seit vor zwei Jahren der Vater gestorben ist, bezieht sie Witwenrente. 3000 türkische Lira, etwas über 1000 Franken. Es ist wenig, aber sie kommen durch. Ersparnisse hat Genoglu keine. 

Abgewiesene Asylbewerber können in der Schweiz theoretisch Rückkehrhilfe beantragen, nicht aber, wenn ein Straftatbestand vorliegt – zum Beispiel eine Scheinehe. Das Bundesamt für Migration schätzt, dass jedes Jahr in der Schweiz 1000 Scheinehen geschlossen werden. Eine Scheinehe liegt vor, wenn einer der Partner durch die Hochzeit das Ausländerrecht umgeht und das Paar nicht die Absicht hat, zusammenzuleben.

Schweizer Asylwesen in Zahlen

Asyl in der Schweiz 2014

Bild

quelle: Migrationsbericht sem

Rückführungen 2014

AsylGrafik

quelle: migrationsbericht sem 

Mitte Mai, Freitagabend. Ute ist gerade auf dem Nachhauseweg, als sie das Telefon abnimmt. «Kubeysi?» Ihre Stimme hellt sich auf. Sie schätzt ihn. Sie liebt ihn. Trotzdem steht auch diese Ehe unter Verdacht. «Es ist ungerecht», sagt Ute und lacht trocken. Aber Kubeysi zurückholen? Das geht nur über einen Anwalt. Und der kostet. Dann muss Ute auch schon auflegen – zu teuer sind Anrufe aus dem Ausland. 

Und immer wieder die Frage: «Was habe ich der Schweiz getan?»

Zwei Tage vor der Abreise nach Karakoçan sitzt Genoglu in der Wohnung seiner Mutter auf dem Sofa. Sie ist das einzig Gute daran, dass er wieder in der Türkei ist. Seine «Moruk Mamma», «Alte», wie er sie scherzhaft nennt. Seine «Königin», wie er sie ernsthaft nennt. Im Fernsehen läuft eine türkische Krimi-Serie, aber Genoglu, der lieber Discovery Channel schaut, mag nicht gucken. Und seine «Moruk Mamma» kann nicht, weil ihr Sohn mit Dokumenten rumfuchtelt und ausruft. Also setzt sie sich neben ihn, und nickt immer wieder, wenn Genoglu die Papiere vorliest, die er längst auswendig kennt. 

«Was habe ich der Schweiz getan? Ich bin doch kein Schwerverbrecher!», ruft er und rutscht vor Aufregung fast vom Sofa. Seine Mutter zeigt mit ihren Fingern «zehn» in die Luft, macht eine Spuckgeste in die Handflächen und bläst die imaginäre Spucke weg. Zehn Jahre Arbeit für nichts. «Was ich erlebt habe, ist wirklich unglaublich. Ich kotze! Entschuldigung.» Genoglu sammelt sich wieder, eigentlich ist er ja froh, dass ihm mal jemand zuhört, obwohl ihn die Geschichte jedes Mal schmerzt.

Sein Anwalt hätte es fast geschafft

Willy Blättler, Anwalt aus Luzern, hat bereits bis vor Bundesgericht gekämpft für Genoglu, unentgeltlich, weil ihm der Rosenverkäufer am Herzen lag. «Er ist einfach ein guter Typ», sagt Blättler. «Und das Vorgehen der Behörden ist unverschämt». Fast hat es Blättler geschafft: Im Mai 2014 findet er einen Formfehler im Einreiseverbot. Das Schreiben wird zurückgezogen, zwei Monate später aber wieder neu aufgesetzt. Genoglu sei, so die Begründung, «eine rechtsmissbräuchliche Ehe eingegangen». 

«Warum ist mein Leben so? Warum habe ich immer Pech?»

Kubeysi Genoglu

Jetzt sind dem Anwalt die Hände gebunden. Das Einreiseverbot gilt für den ganzen Schengenraum. Weil Ute Deutsche ist, liegt die Sache jetzt bei den Behörden in Deutschland. Das Zürcher Migrationsamt und das Bundesamt für Migration äussern sich nicht mehr zum Fall. Akte Genoglu: geschlossen. 

Karakoçan: Holprige Strassen, Seen, Berge, Abfall

Es dämmert. Mehmet chauffiert den Bus von der Autobahn weg, rein in die ostanatolische Provinz Elazığ/Elazîz, über holprige Passstrassen und an idyllischen Stauseen vorbei. Die aufgehende Sonne taucht die verschneiten Berge in violettes Licht. Neben der Strasse liegen Abfall und ein toter weisser Hund. «Wie im Tessin, oder?», gähnt Genoglu. Er hat kaum geschlafen, seine Knie schmerzen. Noch eine halbe Stunde bis Karakoçan. Er mag nicht mehr stillsitzen. Und den Mund halten auch nicht. 

«Hast du noch einen Witz? Nicht? Also gut. Ich erzähle dir einen. Zwei Männer stehen vor dem Henker. Fragt der den einen: ‹Was ist dein letzter Wunsch?› – ‹Dass ich meine Mutter noch einmal sehe.› – ‹Und deiner?›, fragt der Henker den anderen. Dass er seine Mutter nicht mehr sehe. Gut, nicht?», fragt Genoglu, auch wenn ihn die Antwort zum Glück nicht interessiert, und zeigt wieder aus dem Fenster. «Schau, ein Flugzeug. Das fliegt wahrscheinlich in die Schweiz. In ein paar Jahren sind die Flugzeuge so schnell, dass wir in fünf Minuten in Zürich sind», sagt Genoglu, der Träumer. «Glaubst du nicht? Doch, ganz bestimmt!» Im Fernsehen spielt ein Hund Pingpong. 

Das Nichts heisst Ygzöl und ist seine Heimat

Eine halbe Stunde von Karakoçan entfernt liegt das Nichts. Es heisst Ygzöl, man sucht es vergebens auf Google Maps. Etwa 15 Familien leben im Dorf, die meisten nur in den Sommermonaten, wie Genoglus Familie. Weil das Leben hier billiger ist als in Istanbul. Weil im Garten die Familie begraben ist und Äpfel wachsen. Kubeysi ist hier als ältestes von sieben Kindern grossgeworden, in dieser Gegend, wo Felsbrocken herumliegen wie hingeschmissen und gelegentlich Schafherden die Strasse kreuzen. Es ist so still hier, dass man den Wind hört. Und so leer, dass man sofort wieder weg will. 

Alle Geschwister sind ausgewandert, bis auf die Schwester, alle haben sich im Ausland eine Existenz aufgebaut. Es ist Genoglus Heimat, aus der er aus Langweile und Perspektivlosigkeit geflohen ist und in die er nur gelegentlich für Ferien bei seiner «Moruk Mamma» zurückgekehrt ist. Kein Internet, keine Zeitungen, keine Arbeit, kein Bus. Handyempfang nur auf dem Hügel. 

Video: watson.ch

Genoglu steht vom Tisch im Wintergarten des Hauses auf. Seit der Ankunft mit dem Taxi von Karakoçan am frühen Morgen hat er Sachen erledigt. Er hat das Wasser im Garten angestellt, das Familiengrab besucht und die Sonnenkollektoren auf dem Dach geflickt. Am Nachmittag sind Mutter und Nichte angekommen und haben gekocht. Gemeinsam sitzen sie um den gedeckten Tisch, Genoglu ist erschöpft, aber er kommt nicht zur Ruhe. 

Die metallene Tischplatte ist ihm zu klein, eine grössere muss her. In Pantoffeln tritt er über die Türschwelle, rutscht aus, knallt mit dem Hintern auf den kalten Steinboden. Er flucht und schreit. Innert Sekunden vergiesst er bittere Tränen. «Warum ist mein Leben so? Warum habe ich immer Pech?»

Er ist wieder da, wo er angefangen hat, am Boden, zurück in diesem verschlafenen Kaff in Ostanatolien, in diesem Nichts. Ausgezogen um Geld zu verdienen, um es zu etwas zu bringen, um die Familie stolz zu machen.

Für ihn gibt es nur Europa

Seine Nichte hält ihn für verrückt. «Für ihn gibt es nichts anderes als Europa», sagt sie. Und die Leute, denen er seine Geschichte erzählt, denken, er hätte was mit Drogenhandel am Hut gehabt. «Dafür hatte ich keine Bewilligung», scherzt Genoglu dann, aber es schmerzt ihn, dass er es nicht geschafft hat. Dass er als gescheiterter Mann zurückgekehrt ist. Arbeitslos, unglücklich, und jetzt auch noch mit verstauchtem Fuss. 

Er wartet. Und will kämpfen. Aber manchmal ist er auch müde. Manchmal will er auch einfach alles vergessen. Die Ungerechtigkeit. Den Frust. Mario Fehr. Er ist genervt von all den Fragen, genervt von seiner eigenen Geschichte. 

Genoglu humpelt zurück aufs Sofa. «Das war alles zu viel», sagt er, wischt seine Tränen weg und nimmt eine Gabel vom inzwischen kalten Spinat. Seine Familie fragt ihn manchmal, «Kubeysi, warum schaust du nach oben, und bist immer noch unten?». Normalerweise ist er dann optimistisch. «Ich kann bald zurück», sagt er dann.

Er wartet. Und will kämpfen. Aber manchmal ist er auch müde. Manchmal will er auch einfach alles vergessen. Die Ungerechtigkeit. Den Frust. Mario Fehr. Er ist genervt von all den Fragen, genervt von seiner eigenen Geschichte. «Mir reicht's jetzt», sagt Kubeysi, wickelt sich in eine Decke ein und dreht sich mit dem Gesicht zur Wand. Seine Mutter streichelt ihm sanft den Fuss. 

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