Russischer Paket-Spion ist zurück im Thurgau
Diese Woche hat das Oberlandesgericht Stuttgart sein Urteil gefällt: Yevhen B. kassiert wegen Agententätigkeit zu Sabotagezwecken eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten.
Allerdings: Yevhen B. ist auf freiem Fuss – und zurück im Thurgau. Darüber berichtet der SonntagsBlick, der den Spion in seiner Wohnung in Tägerwilen abgepasst hat. Denn Yevhen B. hat die gefällte Strafe bereits in Untersuchungshaft abgesessen.
Putins Mann aus dem Thurgau ist der erste bekannte sogenannte Wegwerf-Agent in der Schweiz. Solche Agenten werden vom russischen Geheimdienst online angeworben – und zu kleinen Geldbeträgen für Aufträge verpflichtet.
Auch ein Paketbomber?
Yevhen B. wurde über Telegram kontaktiert und für 200 Dollar beauftragt, sich einen GPS-Tracker zu besorgen und diesen von der deutschen Grenze in die Ukraine zu verschicken. Die russischen Auftraggeber erhofften sich, so nachvollziehen zu können, wie die Versandrouten des ukrainischen Lieferdienstes Nova Post funktionieren.
Die Staatsanwaltschaft in Deutschland glaubte zudem, dass Yevhen B. und seine Mithelfer die Transportrouten nicht nur ausspionieren wollten, sondern spätere Lieferungen auch mit Sprengstoff versehen wollten, um kritische Infrastruktur anzugreifen.
Eine Argumentation, der die Richter in Stuttgart nicht folgten. Trotzdem zeigt sie: Yevhen B. könnte gefährlich sein. Wird er nun der Schweiz verwiesen?
Auf Anfrage von «Blick» äussern sich weder das Staatssekretariat für Migration (SEM) noch das Thurgauer Migrationsamt dazu. Der Nachbar von Yevhen B. sieht die Sache entspannt: «Solange er niemanden getötet hat. Spionieren kann er ja.»
(her)
