Schweiz
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Mehr als sechs Jahre nach seiner Verhaftung stand ein fr

Bezirksgericht Zürich. Bild: KEYSTONE

Kinder im Keller: Zürcher Gericht schickt Eltern 16 und 12 Jahre ins Gefängnis



Weil es seine Kinder jahrelang im Keller einsperrte, schlug und hungern liess, ist ein Zürcher Ex-Ehepaar am Donnerstag zu langen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Das Bezirksgericht schickt den Vater für 16,5 Jahre ins Gefängnis, die Mutter für 12 Jahre.

Die beiden Kinder seien über Jahre systematisch im Keller eingesperrt worden, sie hätten Schmerzen gehabt, Hunger gelitten und Schikanen, Demütigungen und Erniedrigungen erlebt, sagte der Richter. Was die Kinder erzählt hätten, sei glaubhaft.

Sie hätten zwar zur Schule gekonnt, also nicht etwa wie Natascha Kampusch in Österreich, aber das Verschulden dieser Eltern sei erheblich, so der Richter weiter.

«Sie handelten gemeinsam»

Mutter und Vater hatten während des zweitägigen Prozesses stets versucht, dem anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Das Gericht hält aber beide für verantwortlich. «Sie handelten gemeinsam und sie hielten den anderen nicht von den Taten ab.»

Der Vater wurde wegen mehrfacher schwerer Körperverletzung, Gefährdung des Lebens, mehrfacher Freiheitsberaubung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern, mehrfacher sexueller Nötigung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht verurteilt.

Die Mutter erhielt ihre zwölf Jahre für mehrfache schwere Körperverletzung und mehrfache qualifizierte Freiheitsberaubung. Ihren Kindern, die heute junge Erwachsene sind, müssen die Eltern je 70'000 Franken Genugtuung zahlen. Der Vater mit kosovarischen Wurzeln und die Mutter, eine Schweizerin, bleiben mindestens bis März 2021 in Sicherheitshaft, weil Fluchtgefahr besteht.

Gericht zeigt Vormundschaftsbehörde an

Folgen hat der Fall nun auch für die damaligen Verantwortlichen der Stadtzürcher Vormundschaftsbehörden, den Vorläufer der heutigen Kesb. «Da ist viel falsch gelaufen», sagte der Richter dazu. Das Gericht selber werde eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen die damaligen Verantwortlichen einreichen.

Das jahrelange Martyrium der Kinder blieb nämlich nicht unbemerkt: Bei den Behörden gingen unzählige Meldungen ein, von Nachbarn, von Lehrern und auch von Ärzten, welche die ausgehungerten Kinder in ihrer Praxis sahen. Die Behörden boten der Familie jeweils nur das Gespräch und ihre Hilfe an – doch sie insistierten nicht.

In all den Jahren, in denen die Eltern ihre Kinder quälten, verhängten die Behörden keine einzige Kindesschutzmassnahme.

Erbrochenes und Kot essen

Die Liste der Grausamkeiten, die dem ehemaligen Paar zur Last gelegt werden, ist lang. Vater und Mutter sollen die zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, vier Jahre lang fast jede Nacht und an den Wochenenden eingeschlossen haben.

Zunächst geschah das im Kinderzimmer, später im ungeheizten Keller – manchmal im Dunkeln, ohne Licht. Laut Anklage durften Tochter und Sohn dabei nur selten auf die Toilette und mussten sich auf den Boden erleichtern. Die Mutter zwang das Mädchen einmal, ihr Erbrochenes aufzuessen, den Knaben seinen Kot.

Die Kinder mussten sich auch mit Urin vollgesogene Windeln auf den Kopf setzen und stundenlang stillstehen. Der Vater schlug den Sohn zudem mit einem Sack voller Steine und schubste die Tochter die Treppe hinunter. Eine weitere Tochter und eine Stieftochter, die nicht im Keller leben mussten, missbrauchte er zudem sexuell.

Die Kinder, die heute junge Erwachsene sind, mussten wegen der Folgen dieser «Erziehung» zeitweise IV beziehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Eltern können sich vor Obergericht dagegen wehren. Ob sie dies tun, ist offen. (sda)

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35Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hummingbird 04.09.2020 06:55
    Highlight Highlight Die zwei Täter gehören verwahrt. Wer zu sowas im Stande ist, tut sowas immer wieder. Klar, die eigenen Kinder sind nun erwachsen, aber wer weiss, wie die zwei sonst noch an Kinder kommen könnten: Enkelkinder, Tageskinder, Nachbarskinder unwissender Eltern ...Oder wie wärs mit der Schlagzeile in 15 Jahren "ehemaliges Kinderschänderehepaar entführt, quält und erdrosselt mehrere Kinder aus Rache zum Staat"? Das Risiko wäre mir als Richterin zu gross, als dass die jemals wieder auf freien Fuss gelassen werden dürften.
    • Mietzekatze 04.09.2020 09:10
      Highlight Highlight So funktioniert unser Rechtssystem nicht
    • MetalUpYour 04.09.2020 09:32
      Highlight Highlight Ein Richter kann nicht einfach aufgrund eines Unbehagens in der Magengrube eine Verwahrung ausfällen. Dazu benötigt es entsprechende psychiatrische Gutachten, welche die Notwendigkeit einer solchen aufzeigen und diberse weitere Voraussetzungen.
  • Blitzesammler 04.09.2020 06:05
    Highlight Highlight viel zu kurz!!
  • Andre Buchheim 04.09.2020 00:33
    Highlight Highlight Jetzt ist mir schlecht. Das Schlimme, die Eltern sind nach 12/16,5 Jahren wieder draußen, die Traumata der Kinder bleiben ein Leben lang. Ich sprech aus eigener Erfahrung.
    Ich wünsche den Kindern gute Besserung, eine erfolgreiche Therapie und dass sie sich innerlich soweit von der Vergangenheit lösen, dass sie sich eine gute Zukunft aufbauen können. Viel Glück und Erfolg.
  • hansj 03.09.2020 23:18
    Highlight Highlight Ein hervorragendes Urteil. Diese "Eltern", denen jede Einsicht in ihr haarsträubendes Unrecht fehlt, konnten nicht hart genug bestraft werden. Sie haben ihre Kinder wahrscheinlich für deren ganzes Leben psychisch aufs Schwerste geschädigt. Und eine Strafanzeige gegen die Vormundschaftsbehörde, die ihre Pflichten in schändlichster Weise verletzt hat, war zwar nicht zu erwarten, aber mit Nachdruck zu begrüssen. Deren Versagen ist mit Händen zu greifen.
  • Em Den 03.09.2020 23:17
    Highlight Highlight Ich empfinde das Urteil als mild. Die Idee, dass diese Menschen in 5-7 Jahren wieder frei sein können, macht mich traurig. Wie können Mitschüler, Lehrer, andere Personen davon nicht gewusst haben? Was wird nun aus diesen Kindern werden? Ich wünsche Ihnen ganz viele schönen Momente, damit sie auch sehen können, dass das Leben auch eine andere Seite hat und nicht nur schrecklich sein kann...
  • Sparkle Darkle 03.09.2020 23:17
    Highlight Highlight Wie kann man so grausam und widerwärtig sein?!
  • Biggie Smalls 03.09.2020 22:31
    Highlight Highlight ganz ehrlich: hier sehen wir klar einen nachteil der demokratie.. denn meiner meinung nach verdienen solche ekelhaften bestien kein "faires urteil".

    irgendwie wünsche ich mir immer mehr und mehr die todesstrafe zurück.
    • octusfussuskopfus 04.09.2020 09:52
      Highlight Highlight die rückkehr der todestsrafe würde nichts ändern, eher für nochmehr leid sorgen.
      die abschreckende wirkungd er todesstrafe gibt es faktisch nicht.

      das gösste problem an der todestrafe ist aber auch die folgen für die 3ten. die psichologischen schäden die richter/geschworene die so eine strafe festlegen und für die vollstrecker die sie ausführen müssten.

      ich würde ja eher vorschlagen irgendwo bauen wir eine insel und schicken dort alle diese gwaltäter hin mit denen wir nicht wissen was wir amchen sollen.
    • Marbek 04.09.2020 11:26
      Highlight Highlight Wenn das rechtsstaatliche Urteil dem Strafbedürfnis des Pöbels nicht gerecht wird...

      Das ist kein Nachteil, sondern eine Stärke, die erkämpft werden musste. Tolle Welt, wenn Angeklagte aufgrund von Stimmungen / Meinungen im Volk kein faires Urteil erhalten sollen...
  • dodo, dodo? 03.09.2020 22:27
    Highlight Highlight und trotzdem regen sich immer alle über die KESB auf....
  • Ataraksia Eudaimonia 03.09.2020 22:25
    Highlight Highlight Wie gerne würde man diesen Kindern das Gefühl von Wärme, Sicherheit, Geborgenheit, Zärtlichkeit vermitteln...Wie tief geschändet, beraubt, entwürdigt fühlt sich so ne Seele an, kann ich mir nicht mal ausmalen. Ob das jemals im Leben vergessen wird, ob man das wieder gut machen kann...und wie...Ich wünsche, auch liebevolle, wohlwollende Art möge Ihnen zuteil werden, es mögen ihre seelischen Wunden verheilen. Von ganzem Herzen!!!
  • Meinung 03.09.2020 21:52
    Highlight Highlight Keine Strafe der Welt gibt den Kindern zurück, was Ihnen genommen wurde.
    • Em Den 03.09.2020 23:20
      Highlight Highlight Ja aber, wenn nach gewisser Zeit die Kinder erfahren/sehen, dass ihre Peiniger freilaufen, würde wieder negative Auswirkungen auf ihres Wohlbefinden haben. Für mich wer so etwas macht, kann nicht lange Genug hinter Gittern stehen...
  • I_am_Bruno 03.09.2020 21:52
    Highlight Highlight Was gibt es doch für kranke Menschen. Ich hoffe, die Kinder kommen darüber irgendwie hinweg und schaffen es, ein glückliches Leben zu führen.
  • Unicron 03.09.2020 21:37
    Highlight Highlight Gibt es irgend welche Angaben zum Motiv?
    Warum sperrt man 2 von 4 Kindern ein und misshandelt sie derartig?

    Nicht dass es das besser machen würde, aber normalerweise machen ja nicht mal Psychopathen so etwas ohne zumindest für sie selber einleuchtenden Grund.
    • Kolo 04.09.2020 12:40
      Highlight Highlight Dein Kommentar erinnert mich iwie an die Leute, die auf der Gwgenspur abbremsen, wenn auf der Autobahn ein Unfall war. Sorry. Für mich ist deine Neugier simpler Voyeurismus.
    • Unicron 04.09.2020 17:18
      Highlight Highlight @Kolo
      Äh... Nein.
  • öpfeli 03.09.2020 20:48
    Highlight Highlight die verantwortliche Behörde wird hoffentlich genauso bestraft.
    Da könnte ich im Strahl kotzen.
  • V-REX 03.09.2020 20:44
    Highlight Highlight manche Menschen sollten einfach keine Kinder haben...
  • Kolo 03.09.2020 20:32
    Highlight Highlight Ich staune bei sowas immer über das strafmass. Um wieviel so eine Strafe durch gute Führung gekürzt werden kann, weiss ich nicht. Aber wer seinen Kindern so etwas antun kann, sollte nichts mehr vom Leben haben ausser Wiedergutmachung und Gefängnis. Ich hoffe so Menschen verstehen irgendwann, was sie ihren opfern angetan haben. In der ganzen tiefe und breite... Aber vermutlich muss man so kaputt sein für solche Taten, dass die Hoffnung wohl vergebens ist.
    • DemonCore 04.09.2020 06:07
      Highlight Highlight Normalerweise beträgt die Kürzung des Strafmass etwa ein Drittel.
    • Illuminaughty 04.09.2020 09:05
      Highlight Highlight Ich finde das Strafmass ist Nebensache. Wichtig ist, wie du auch sagst, dass sie verstehen müssen, was sie getan haben und weshalb das bestraft wird. Eine Person sollte genau so lange im Gefängnis bleiben, bis ihr das bewusst wird.
      Wichtig ist auch, dass die Opfer Hilfe erhalten am besten für immer. Eine solche Geschichte vergisst man nie. Geld und Strafe gegen die Täter reicht bei weitem nicht aus.
    • Kolo 04.09.2020 12:41
      Highlight Highlight Danke für den input. Unter oder knapp über 10 Jahre ausser es gibt eine Sicherheitsverwahrung. Das ist zu wenig um meinem Gerechtigkeitsempfinden zu genügen.
  • Eyla 03.09.2020 19:49
    Highlight Highlight Da Frage ich mich, wie kann man dies seinen Kindern nur antun ..

    Und wie kann eine Behörde, welche über Jahre hinweg durch mehrere darauf aufmerksam gemacht wurde, einfach nichts unternehmen.

    Die Strafe für die Eltern empfinde ich als angemessen und ich hoffe auch, dass die Verantwortlichen dieser Behörde eine entsprechende Strafe erhalten. Solche Pflichtverletzung seitens dieser Stelle darf es einfach nicht geben ..
  • Marco Rohr 03.09.2020 19:37
    Highlight Highlight Sprachlos.
  • tolgito 03.09.2020 19:25
    Highlight Highlight Ich bin schockiert und sprachlos 🙁
  • «Shippi» 03.09.2020 19:03
    Highlight Highlight Gut so. Dort sollen sie nun exakt das nachfühlen, was sie ihren Kindern getan haben. Nur werden sie es dort leider nicht so schlimm haben wie ihre Kinder...
    • Kruk 03.09.2020 19:27
      Highlight Highlight Auge um Auge, Zahn um Zahn.

      Ist das die Lösung?
    • «Shippi» 03.09.2020 22:16
      Highlight Highlight Manchmal, denn vielleicht findet bei diesen «Menschen» dadurch ein Lernprozess statt.
    • Octavius 03.09.2020 22:32
      Highlight Highlight Kinderschänder,haben es in keinem Gefängnis leicht, auch bei uns nicht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Robi14 03.09.2020 18:56
    Highlight Highlight da fehlen einem die Worte.

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