Schweiz
Justiz

Crans-Montana: Jacques Moretti warnte schon 2019 vor Brandgefahr

KEYPIX - Jacques and Jessica Moretti, owners of '"Le Constellation'", where 41 people died due to a fire during New Year celebrations, arrive surrounded by police officers for a he ...
Das Betreiberpaar der Bar Le Constellation: Jacques und Jessica Moretti.Bild: Keystone

Chats zeigen: Auch Jacques Moretti warnte schon 2019 vor den Wunderkerzen

Whatsapp-Nachrichten zeigen, dass die Betreiber der Bar Le Constellation bereits 2019 ihr Personal vor der Brandgefahr durch Wunderkerzen warnten.
08.10.2026, 09:5708.10.2026, 09:57

Whatsapp-Chats aus der Ermittlungsakte zur Brandkatastrophe vom 1. Januar in Crans-Montana zeigen: Die Betreiber des Lokals Le Constellation, Jacques und Jessica Moretti, warnten ihr Personal vor der Brandgefahr in der Bar durch Wunderkerzen.

Am 12. November 2019 schickte Jacques Moretti eine solche Nachricht in die Whatsapp-Gruppe «Staff», wie der Tages-Anzeiger berichtet. «Keine Wunderkerze an die Kunden», wies er sein Personal an. «[Ein Gast] hat sie unbeaufsichtigt auf dem Tisch liegen lassen. Wenn sie auf den Boden oder auf die Sofas gefallen wäre … das Constellation würde brennen.»

Bereits im Juni wurde bekannt, dass Jessica Moretti eine ähnliche Nachricht verfasst hatte. «Passt gut auf, wenn sie [die Gäste] Wunderkerzen wollen, bleibt da, bis die Wunderkerze ausgeht, denn fällt sie auf das Sofa oder auf den Boden oder wird sie zu hoch gehalten und zündet den Schaumstoff an der Decke an, brennt das Constel …», schrieb sie am 13. Dezember 2019 in dieselbe Gruppe.

Unterschiedliche Deutungen

Für die Anwälte des Paares sind diese Nachrichten Beweis dafür, dass die Morettis vorsichtig vorgingen und ihr Personal entsprechend anwiesen. «Den Morettis wurde vorgeworfen, keine Anweisungen gegeben zu haben … zu Unrecht!», finden die Anwälte von Jacques und Jessica Moretti. «Da sind die Nachrichten, die zeigen, dass sie Risiken natürlich mitbedacht haben, also jene Risiken, mit denen alle Lokalbetreiber konfrontiert sind, wie zum Beispiel der Ausbruch eines Feuers oder Sachschäden. Wenn Kerzen oder ein Ofen anbleiben, wäre es Leichtsinn, nicht an die Gefahr zu denken!»

Komplett gegensätzlich interpretieren die Anwälte der Brandopfer die Chat-Nachrichten. Diese würden vielmehr zeigen, «dass sie eine Brandgefahr erkannt, sich aber damit abgefunden haben, indem sie weiterhin Umzüge mit Wunderkerzen machten», meint Anwalt Robert Assaël, Vertreter von zwei Brandopfern.

Während für Assaël die Bedingungen für eine eventualvorsätzliche Tötung und Brandstiftung erfüllt sind, lässt sich für die Verteidigung kein Eventualvorsatz ableiten. «Dieser Tatbestand entspricht einem richtigen Vorsatz und setzt voraus, dass man eine Lebensgefahr erkannt und sich damit abgefunden hat. Hier zu diesem Schluss zu kommen, käme einem absoluten Fehlurteil gleich», findet die Verteidigung.

Trotz der Gefahr und des Bewusstseins dafür wurden die Wunderkerzen weiterhin eingesetzt. So war es auch eine Wunderkerze in den Händen einer Kellnerin, welche die Schaumstoffdecke am 1. Januar 2026 in Brand setzte. Das Feuer kostete 41 jungen Menschen das Leben. 115 Personen wurden beim Brand verletzt, viele davon schwer.

(nil)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Crans-Montana
1 / 5
Crans-Montana

Gegen die Barbesitzer:innen läuft nun ein Strafverfahren.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie im Labor gezüchtete Haut den Brandverletzten von Crans-Montana hilft
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Parmelin-Nachfolge: Muss es eine Frau aus der Westschweiz sein?
Wer soll Bundesrat Guy Parmelin nachfolgen? Der Anspruch der SVP ist unbestritten, doch sonst dreht sich das Karussell der Spekulationen. Wir bieten eine erste Auslegeordnung.
Er hat es doch getan: Am letzten Freitag verkündete Bundespräsident Guy Parmelin seinen Rücktritt per Ende Jahr. Er tat dies auf die ihm eigene Art: erfrischend ehrlich, mit Humor und der für einen Politiker seltenen Selbstironie. Es war kein Rücktritt, bei dem zumindest der Zeitpunkt überraschte, wie bei Viola Amherd. Er hatte sich angebahnt.
Zur Story