Chats zeigen: Auch Jacques Moretti warnte schon 2019 vor den Wunderkerzen
Whatsapp-Chats aus der Ermittlungsakte zur Brandkatastrophe vom 1. Januar in Crans-Montana zeigen: Die Betreiber des Lokals Le Constellation, Jacques und Jessica Moretti, warnten ihr Personal vor der Brandgefahr in der Bar durch Wunderkerzen.
Am 12. November 2019 schickte Jacques Moretti eine solche Nachricht in die Whatsapp-Gruppe «Staff», wie der Tages-Anzeiger berichtet. «Keine Wunderkerze an die Kunden», wies er sein Personal an. «[Ein Gast] hat sie unbeaufsichtigt auf dem Tisch liegen lassen. Wenn sie auf den Boden oder auf die Sofas gefallen wäre … das Constellation würde brennen.»
Bereits im Juni wurde bekannt, dass Jessica Moretti eine ähnliche Nachricht verfasst hatte. «Passt gut auf, wenn sie [die Gäste] Wunderkerzen wollen, bleibt da, bis die Wunderkerze ausgeht, denn fällt sie auf das Sofa oder auf den Boden oder wird sie zu hoch gehalten und zündet den Schaumstoff an der Decke an, brennt das Constel …», schrieb sie am 13. Dezember 2019 in dieselbe Gruppe.
Unterschiedliche Deutungen
Für die Anwälte des Paares sind diese Nachrichten Beweis dafür, dass die Morettis vorsichtig vorgingen und ihr Personal entsprechend anwiesen. «Den Morettis wurde vorgeworfen, keine Anweisungen gegeben zu haben … zu Unrecht!», finden die Anwälte von Jacques und Jessica Moretti. «Da sind die Nachrichten, die zeigen, dass sie Risiken natürlich mitbedacht haben, also jene Risiken, mit denen alle Lokalbetreiber konfrontiert sind, wie zum Beispiel der Ausbruch eines Feuers oder Sachschäden. Wenn Kerzen oder ein Ofen anbleiben, wäre es Leichtsinn, nicht an die Gefahr zu denken!»
Komplett gegensätzlich interpretieren die Anwälte der Brandopfer die Chat-Nachrichten. Diese würden vielmehr zeigen, «dass sie eine Brandgefahr erkannt, sich aber damit abgefunden haben, indem sie weiterhin Umzüge mit Wunderkerzen machten», meint Anwalt Robert Assaël, Vertreter von zwei Brandopfern.
Während für Assaël die Bedingungen für eine eventualvorsätzliche Tötung und Brandstiftung erfüllt sind, lässt sich für die Verteidigung kein Eventualvorsatz ableiten. «Dieser Tatbestand entspricht einem richtigen Vorsatz und setzt voraus, dass man eine Lebensgefahr erkannt und sich damit abgefunden hat. Hier zu diesem Schluss zu kommen, käme einem absoluten Fehlurteil gleich», findet die Verteidigung.
Trotz der Gefahr und des Bewusstseins dafür wurden die Wunderkerzen weiterhin eingesetzt. So war es auch eine Wunderkerze in den Händen einer Kellnerin, welche die Schaumstoffdecke am 1. Januar 2026 in Brand setzte. Das Feuer kostete 41 jungen Menschen das Leben. 115 Personen wurden beim Brand verletzt, viele davon schwer.
(nil)
