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Ausgenutzt und unterbezahlt: Mitarbeiter von Brezelkönig packen aus

Brezelkönig-Verkaufsstand am Bahnhof Winterthur.
Brezelkönig-Verkaufsstand am Bahnhof Winterthur.Bild: KEYSTONE

Ausgenutzt und unterbezahlt: Mitarbeiter von Brezelkönig packen aus

Valora-Tochter Brezelkönig stellt Ungarn an. Diese arbeiten teilweise schwarz, ihr Chef bezahlt geleistete Arbeitsstunden nicht und verweigert Sonntagszuschläge. Dies berichtet der «Kassensturz».
20.05.2015, 08:2320.05.2015, 14:11

Es soll kein Einzelfall sein: Eine Ungarin, die auf der Suche nach Arbeit in die Schweiz gekommen ist, heuert bei einem Verkaufsstand der Kette Brezelkönig in Winterthur an – zu widerrechtlichen und unwürdigen Bedingungen. Anfänglich habe Anna T. schwarz gearbeitet, das Geld wurde ihr bar ausgehändigt, berichtet SRF in der Sendung «Kassensturz» vom Dienstag Abend. Untergebracht wurde sie in der Wohnung ihres Chefs, schlafen musste sie in einem Abstellraum zwischen Putzutensilien. 

Insgesamt neun Monate arbeitet Anna T. an zwei Verkaufsständen von Brezelkönig. Aber auch, als sie einen Arbeitsvertrag hatte, wurde es nicht besser: Im Schnitt verdiente Anna gerade mal 3000 Franken, regelmässig erhielt sie weniger Stunden ausbezahlt, als sie eigentlich gearbeitet hatte. Zudem wurden ihr vertraglich festgehaltene Feiertags- und Sonntagszuschläge vorenthalten.  

Fehlbeträge mussten bar zurückbezahlt werden

Hinzu kommt, dass Anna T. und ihre Mitarbeiter, die ebenfalls grösstenteils aus Ungarn stammen sollen, gezwungen wurden, ihrem Chef Geld bar zurückzuzahlen – wegen angeblichen Fehlbeträgen in der Kasse. Dabei soll es sich um mehrere Hundert Franken monatlich gehandelt haben. 

Das System nennt sich Inventurdifferenz und ist arbeitsrechtlich nicht zulässig, wie Roger Rudolph, Experte für Arbeitsrecht, im «Kassensturz» ausführt: «Diese Vereinbarung ist rechtswidrig und damit unwirksam.» Angestellte würden nicht pauschal für Risiken ihres Arbeitgebers haften. Das Geld könne im Nachhinein zurückverlangt oder auf dem Rechtsweg eingefordert werden, so Rudolph. 

Problematik Franchisesystem

Die Firma Brezelkönig ist Teil des Detailhandelgiganten Valora. Im Franchisesystem vergibt Valora die Führung der einzelnen Filialen. Ein Geschäftsmodell, mit dem beispielsweise auch McDonalds weltweit Niederlassungen betreibt. 

Arbeitswelt

Damit soll das Risiko der Grosskonzerne an den Franchiseunternehmer abgewälzt werden, kritisiert Natalie Imboden von der Gewerkschaft UNIA im «Kassensturz». Da bei der Führung der Filiale starre, von dem Franchisegeber vorgegebene Regeln bestehen, könne der Franchisenehmer einzig bei den Löhnen sparen. 

Zahlreiche ähnliche Fälle

Und genau das werde gemacht, sagt Imboden. Die UNIA-Gewerkschaftssekretärin berichtet von zahlreichen ähnlichen Fällen, in denen sich verunsicherte Mitarbeiter von Valora-Tochterunternehmen an die Gewerkschaft gewandt haben. Eigentlich habe Valora einen Gesamtarbeitsvertrag, der minimale Standards regelt. Aber durch das System des Franchising werde dieser umgangen – zum Nachteil der Arbeitnehmer.

Valora entgegnet auf die Vorwürfe, dass die Einhaltung des Arbeitsgesetzes Sache der selbständigen Brezelkönig-Partner wäre. Verstösse würden aber nicht toleriert, werden solche festgestellt, so veranlasse Valora Korrekturen und ziehe wenn nötig Konsequenzen. (wst)

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